Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 9 (5.3.1915)
- Date
- 1915-03-05
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Das Jüdische Echo fc9 ■Xi *«» yifeP py^t 5 v 3'' vention der sozialistischen Poale-Zion-Partei in Chicago einen neuen Impuls erhalten. Die Partei hat beschlossen, zu diesem Behufe einen allgemeinen jüdischen Kongreß einzuberufen. Der frühere antisemitische Reichsratsabgeordnete Ernst Vergani, Gründer und ehemaliger Herausgeber des „Deutschen Volksblattes" in Wien, ist an Herzschlag gestorben. Die Ausgaben der Israelitischen Allianz zu Wien für die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina betrugen bis Anfang Februar 1915 etwa 110 000 Kronen. Das Justizministerium hat eine Notverordnung erlassen, wonach die Wiener Advokatenliste für fremden Zuzug aus Galizien und der Bukowina gesperrt ist. Die Wiener Advokatenkammer hat gegen diese inhumane Behandlung der Flüchtlinge \in ihrer {letzten Plenarsitzung Einspruch erhoben. Preisausschreiben für ein Werk gegen den Antisemitismus. Das italienische Unterrichtsministerium veröffentlichte in der „Gazzetta Uffiziale d'Italia" vom 12. Februar das Testament des Ingenieurs Emilio Treves vom 28. Mai 1907, der dem Ministerium eine Summe von 10 000 Lire vermachte mit der Bestimmung, sie demjenigen zuzuwenden, der die beste Arbeit gegen den Rassen- und Religionshaß, insbesondere gegen den Antisemitismus verfasse. Der Wettbewerb ist international, doch muß das Werk in italienischer Sprache geschrieben und bis zum 1. Februar 1916 in zwei Exemplaren beim Ministerium eingereicht sein. Die Preisrichter sind der Oberrabbiner und vier Professoren der Universität von Rom. (Die Bedingungen sind von der Redaktion des Jüdischen Echos zu erfahren.) Gemeinden-Echo Burgpreppach. Die Israelitische P r ä - parandenschule versendet z. Z. ihren 39. Rechenschaftsbericht für 1913/14. Die drei Klassen sowie die Vorklasse der Anstalt wurden von 37 Schülern besucht; 6 Lehrer leiteten den Unterricht. Für Gehälter, Pensionen und Schüler-Unterstützungen wurden ungefähr 16,000 M. verausgabt. Der Vermögensstand am Jahresschluß betrug 113,000 M. J. München. Die Verwaltung der Kultusgemeinde gibt bekannt, daß Gesuche an die Jakob und Gutilde von Hirschsche Stipendienstiftung, an die Jeanette Marxsche Waisenstiftung und die J. H. Breslausche Stiftung bis zum 28. März einzureichen sind. München. Im Februar-Programm des, Etablissement Benz war eine Posse „Der tapfere Schmul" aufgenommen worden, die bei ihrer Uraufführung den Protest einer Anzahl von jüdischen Gästen hervorrief. Daraufhin beschloß der Direktor der Bühne, das Stück vom Repertoire abzusetzen. Herr Benz entschuldigte sich in einem Briefe an unsere Redaktion wegen des Mißgriffs damit, daß es ihm „bei der Vielseitigkeit des Betriebes leider nicht möglich sei, jedes Stück vor der Aufführung selbst zu prüfen" und „bedauert den Zwischenfall umsomehr, als er keinerlei antisemitischen Tendenzen huldige". Schwabach. Das israelitische Kommunalbegräbnis, seit etwa 1596 existierend, erfährt z. Z. eine namhafte Erweiterung. Vereins-Echo München. Die Generalversammlung des „F r a u e n v e r e i n s" vom 21. d. M. leitete Herr Justizrat O f n e r. Er führte aus: Der Krieg habe den Verein nicht unberührt gelassen. Der Verein habe zum Kriegsfonds der Kultusgemeinde eine, erhebliche Summe beigetragen. Die steigende Not fordere, daß unter Umständen auch der Vermögensfonds des Vereins angegriffen werde, um ihr zu begegnen. Außerdem müßten jedoch auch die regelmäßigen Bedürfnisse des Vereins selbst gedeckt werden, worauf mit Nachdruck hinzuweisen sei, da die Schenkungen in der zweiten Hälfte des verflossenen Jahres sich sehr gemindert hätten. Zu diesem Punkte wurde noch erklärt, daß die Zunahme des Vereinsvermögens nur auf die reiche letztwillige Zuwendung von Kommerzienrat Kirchdörfer zurückzuführen sei. Drei Damen des Frauenausschusses, Frau Hermann Müller, Emma Vogel und Rosa Neuburger, verlieh die Versammlung auf Vorschlag des Herrn Justizrat Ofner die Ehrenmitgliedschaft. Ferner erteilte die Versammlung auf Vorschlag des Herrn Justizrats Oppenheimer die Ermächtigung, dem Kriegsfonds der Gemeinde noch 6000 Mark zuzuführen, gegebenenfalls auch durch Verkauf von Wertpapieren. Der Frauen- und Herren-Ausschuß wurde en bloc wiedergewählt. Zu Vereinsärzten wurden Hofrat Dörnberger und Dr. Alexander bestimmt. In der Generalversammlung vom 21. d. M. des Vereins für Ferienkolonien gab Frau Rabbiner Rosa Werner den Rechenschaftsbericht. Eine Vorkolonie wurde in das Heim nach Krumbach mit gutem Erfolge entsandt. Ihr folgte noch eine Knabenkolonie. Doch kehrten die Kinder schon wegen Kriegsausbruches am 3. August zurück. Aus diesem Grunde unterblieb auch die Mädchenkolonie. Das Ferienheim wurde dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt; doch konnte leider davon bis jetzt kein Gebrauch gemacht werden. Eine Chanukkahbescherung fand statt. Die Größe der Not veranlaßte den Verein, sich an die jüdische Oeffentlichkeit mit der Bitte um reichliche Schenkungen gebrauchter Kleidungsstücke zu wenden. Frau Dr. Werner machte schließlich noch Mitteilung von einem im Februar d. J. erfolgten Legate von 3000 Mark des Herrn Leopold Guggenheim er. In der Vorstandschaft trat keine Aenderung ein. Berlin. Zugunsten des Roten Halbmonds veranstaltet das Kartell Jüdischer Verbindungen im Preußischen Abgeordnetenhaus einen Zyklus von Vorträgen, die die Zusammenhänge zwischen der Zukunft des Orients, deutscher Weltpolitik und jüdischer Kolonisation im Orient behandeln werden. Hervorragende Kenner der Probleme haben die Referate übernommen. Den ersten Vortrag am 3. März hält Herr Dr. Paul Rohrbach über „die ^Zukunft des Orients", worüber er bekanntlich schon in der Zionistischen Ortsgruppe München gesprochen hat; am 10. März wird Herr Dr. Martin B u b e r über „Die Juden als Volk des Orients" sprechen; Herr Dr. Ernst J a e c k h wird am 17. März über das Thema „Deutsche Weltpolitik und Türkische Entwicklung" vortragen; den Zyklus wird am 24. März Herr Dr. Alfons Paquet, der vor kurzem längere Zeit der Besichtigung der deutschen und jüdischen Kolonien Palästinas gewidmet hat, mit dem Vortrag „Erlebnisse in Jüdischen Kolonien" abschließen. i<$ , FV' ■