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Das jüdische Echo · 1915-02-26 · 8 (26.2.1915) · p. Seite 61

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
8 (26.2.1915)
Date
1915-02-26
Page
Seite 61 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 61 Hngebliche Judenverfolgungen in Palästina Englische Zeitungen brachten vor kurzem aus Aegypten Nachrichten über angebliche Judenverfolgungen seitens der Türken und Araber in Palästina. Insbesondere wurde gemeldet, der Zionismus sei von dem Befehlshaber des IV. Armeekorps als eine revolutionäre Bewegung bezeichnet worden, die ausgerottet. werden müsse. Die jüdischen Ansiedler sollten durch Osmanen ersetzt werden. Die Anglo-Palästinabank sei unter Umständen liquidiert worden, die eine Zahlungsunfähigkeit als sicher erscheinen lassen und den Ruin der kleinen Siedler zur Folge haben werden. Auf den Gebrauch der Jüdischen Nationalfonds-Marken sei Todesstrafe gestellt. Die „Kölnische Zeitung" hatte mit Recht schon gleich an die Wiedergabe dieser Nachrichten den Vorbehalt geknüpft, daß sie offenbar bezweckten, bei den Juden in Amerika Stimmung gegen die Türken und deren deutsche Verbündete zu erwecken. Nach zuverlässigen Nachrichten sind die gemeldeten Tatsachen teils erfunden, teils übertrieben. Die Anglo- Palästinabank war als ein englisches Unternehmen wie alle anderen ausländischen Banken geschlossen worden. Sie soll aber jetzt mit Rücksicht auf die hierdurch erfolgte Gefährdung der jüdischen Siedlungen wieder geöffnet werden. Es ist auch eine starke Auswanderung von russischen Juden aus Palästina erfolgt. Dies war auf folgende Tatsachen zurückzuführen: In Palästina lebten vor Ausbruch des Krieges 40—50,000 russische Juden, die wegen der Schwierigkeit der Naturalisation bisher das türkische Staatsbürgerrecht nicht erlangt hatten. In einem Notgesetz, das von dem größten Wohlwollen gegen die jüdische Bevölkerung zeugt, hat die türkische Regierung die sofortige Aufnahme der russischen Juden unter Befreiung der früher erforderlichen Formalitäten gegen eine Kopfsteuer von 40 Franken erlaubt. Ein Teil der ärmeren Bevölkerung, der nicht in der Lage war, die Kopfsteuer zu entrichten, und auch andere russische Juden, die Repressalien gegen ihre Angehörigen in Rußland befürchteten, zogen es vor, statt die türkische Staatsangehörigkeit zu erwerben, nach Aegypten auszuwandern. Mit Rücksicht auf die Armut der in Betracht kommenden Bevölkerung hat späterhin die türkische Regierung sogar die Kopfsteuer erlassen. Es sind demzufolge zirka 15 000 erwachsene russische Juden nebst Familienangehörigen in den türkischen Staatsverband aufgenommen worden und etwa 5000 Personen ausgewandert. Daß unter den Auswanderern nach Lage der Sache große Not herrscht, ist einleuchtend, kann aber nach dem oben Gesagten der türkischen Regierung nicht zur Last gelegt werden. Während der übereilten Auswanderung haben sich untergeordnete Beamte Uebergriiffe zu schulden kommen lassen. Diese Beamten sind auf Beschwerde durch Verfügung des türkischen Ministerrates abgesetzt worden. Die türkische Regierung hat in Palästina ein so weitgehendes Entgegenkommen gegenüber der Notlage der russisch-jüdischen Bevölkerung bewiesen, wie keine der Entente-Mächte gegen die Angehörigen der feindlichen Staaten. Von irgend einer Verfolgung der Zionisten und der jüdischen Ansiedlungen in Palästina kann hiernach durchaus keine Rede sein. England muß sich schon einen anderen Agitationsstoff suchen, wenn es die Juden der neutralen Länder gegen Deutschland und seine Verbündeten aufhetzen will. Zeitungs-Echo In dem „Rußland" gewidmeten Sonderheft der „Süddeutschen Monatshefte" schreibt Professor Josef Hofmiller, der zu den Mitbegründern und Mitherausgebern dieser bedeutenden Zeitschrift gehört, In einem Artikel über „Rußlands Westgrenze": „Ein Problem für sich bilden die sechs Millionen Juden, teils Orthodoxe, teils Zionisten, teils sehr moderne Geister. Sie sind im reaktionären Rußland wegen ihrer Rührigkeit und Intelligenz, ihres Drangs nach vorwärts und aufwärts, ihrer ausgesprochenen politisch-agitatorischen Begabung, ihres Zusammenhalts unter sich und ihrer Wurzellosigkeit gegenüber dem Reiche im Frieden womöglich noch rechtloser als im Kriege. Der jetzige Krieg bietet endlich die Handhabe, dieses Volk, das Unsägliches erduldet hat und Tag für Tag erduldet, zu befreien und dem zionistischen Teil seinen tausendjährigen Traum vom alten Heimatland zu verwirklichen: Ansiedelung als Ackerbauer und Handwerker in Palästina, wo sie durch ihre Zahl, ihren Expansionsdrang, ihren Widerstand gegen Assimilation, ihre fortschrittliche Tendenz eine hocheinzuschätzende Hemmung gegen großbritannische Einnistungsversuche bilden würden. Zu den russischen Auswanderern, deren jährlicher Durchschnitt 95 000 beträgt, stellen sie ohnehin das weitaus stärkste Kontingent. In diesem Zusammenhang gewinnt das Problem des Zionismus weltpolitische Bedeutung und Syrien erscheint als ein Land der Zukunft." Welt-Echo Eine Aeusserung des Erzherzogs Peter Ferdinand über die jüdischen Soldaten gibt die „Wiener Morgenzeitung" wieder. Sie berichtet über den Besuch einer Gruppe von Berichterstattern bei der Division des Erzherzogs, zu dessen Tafel sie zugezogen wurden. Hierbei entspann sich eine längere Unterhaltung über die Juden als Soldaten. Ein Hauptmann lobte die vielen jüdischen Landstürmer in ihrer traditionellen Barttracht, die ihren schweren Dienst mit der größten Gewissenhaftigkeit ausüben. Der Erzherzog hörte aufmerksam zu und sagte dann: „Meine Herren, es freut mich, daß sich die Gelegenheit bietet, darüber zu reden. Seien Sie so gut und nehmen Sie zur Kenntnis, was» ich für Erfahrungen mit meinen jüdischen Soldaten gemacht habe. Sie sind alle sehr gut zu verwenden und sehr tapfer. Die Juden haben sich in meiner Division als Helden geschlagen und ich bin mit ihnen sehr zufrieden." Ein zehngliederiges Exekutivkomite der vereinigten österreichischen Zionisten hat seine Tätigkeit aufgenommen. Es wird seine Aufmerksamkeit in erster Reihe auf die Linderung der Flüchtlingsnot lenken. Im russischen Gouvernement Kiew wurde das Erscheinen aller Zeitschriften in hebräischer und jiddischer Sprache verboten. Die aus der Bukowina nach Rumänien geflüchteten Juden werden auf Veranlassung des Rabbiners Dr. Meier T h e n e n , eines Ausschußmitgliedes der Bnei-Brith-Loge in Jassy, mit Geld unterstützt. Auch wurden besondere Boten nach der Bukowina gesandt, um an die notleidende jüdische Bevölkerung Bargeld zu verteilen. Für die Flüchtlinge, welche über Rumänien nach Siebenbürgen und Budapest gelangen wollen, wurde ein Bahnhofsdienst eingerichtet.

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