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Das jüdische Echo · 1915-02-26 · 8 (26.2.1915) · p. Seite 60

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
8 (26.2.1915)
Date
1915-02-26
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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60 Das Jüdische Echo Nr. 8 ral Freiherrn v. Gebsattel, den bayer. Verdienstorden 3. Klasse mit Schwertern und wurde zum Unteroffizier befördert; Alfred Bamberger, Oberleutnant d. Res. beim Train, früher in Fürth; Dr. iur. Ernst Bing, Unteroff. d. Res. i. e. Feldartill.- Regt, erhielt außerdem das bayer. Verdienstkreuz 3. Klasse; Dr. Heinrich, kriegsfreiw. Unteroffizier i. 14. Inf.-Regt., Rechtspraktikant; Otto Metzger, Leutnant i. 3. bayer. Pionierbat., Diplomingenieur, Sohn d. Komm.-Rats Ludwig Metzger; David Oberndorfer, Hauptmann u. Kompagnieführ, i. Landsturm-Bat. 6, als früherer Landwehr-Off. mit 55 Jahren als Kriegsfreiwilliger eingetreten; Otto Seckendorf, Gefr. d. Res. im 14. Inf.-Regt., war bei Ausbruch des Krieges im Innern von Argentinien 1200 km von Buenos Aires in Stellung", Martin Stahl, Oberleutn. im 6. Feldart.-Regt., aus Neustadt a. Aisch; Dr. Würzburger, Oberleutnant, Amtsrichter; Karl Goldschmidt, Sohn d. Kaufm. Guido Goldschmidt; Julius Hirschmann, Gefr. im 6. Landw.-Inf.-Regt.; Martin Rau, Oberleutnant i. 3. bayer. Train-Bat., unter gleichzeitiger Beförderung zum Rittmeister; Hkns Schottländer, Unteroff. i. Res.-Inf.-Regt. 68, Sohn d. Wwe. Elise Schottländer, auch zum Vizefeldwebel befördert; den bayer. Milit.-Verd.-Orden mit Schwertern erhielten: Karl Burger, Unteroff. d. Res. i. 6. Feld- Art.-Regt., Sohn d. Kaufm. Isaak Burger; Sigmund Oppenheimer, Feldlazarettinspekt., Sohn d. Großhändlers Emil Oppenheimer; Lothar Schönberg, Feldlaz.-Inspektor, Sohn d. Kaufm. Bernh. Schönberg; Hugo Kohlmann, Unteroff. i. 3. bayer. Res.- Fußart.-Regt., Sohn d. Lazarus Kohlmann, Vorst.- Mitgl. d. israel. Kultusgemeinde Nürnberg. Die biblischen und talmudischen Lehren über den Lehrerberuf Von Nathan Bamberger, Distriktsrabbiner in Würzburg. (Schluß.) Mit der hohen Wertschätzung der Schule geht in Bibel und Talmud ein Hochstand pädagogischer Einsicht und praktischer Erziehungswissenschaft Hand in Hand. Den Grundsatz aller Pädagogik berührt die Frage des Talmuds: Wer darf Jugendlehrer sein? In einer Zeit, in welcher die Persönlichkeitspädagogik zu einem Schlagworte geworden ist, steht es wohl außer Zweifel, daß vom Berufserzieher, insbesondere vom religiösen Erzieher neben ausreichendem theoretischen Wissen und praktischer Lehrbefähigung strengste Religiosität und ein hohes Maß von Gemüts- und sittlicher Charakterbildung gefordert werden müsse. Die gleichen Persönlichkeitsformen, die der Prophet Mal'achi") an die Priester stellte mit den Worten: „Denn die Lippen des Priesters sollen Kenntnisse bewahren und Lehre suche man aus seinem Munde, denn ein Bote des Ewigen der Heerscharen ist er", die gleichen Persönlichkeitswerte bilden den Maßstab, mit welchem der Talmud den Jugendlehrer mißt: „Wenn der Lehrer einem Engel des Ewigen gleicht, suche Lehre bei ihm, andernfalls unterlasse es".12) Und an anderer Stelle: „Nicht jeder ist geeignet, erfolgreich zu unterrichten; zu den ersten und höchsten Eigenschaften eines Lehrers gehören ein tadelloser, reiner Lebenswandel, ein X1) Kap. 2, 7. 12) Chagiga fol. 15. reges pädagogisches Interesse, aufrichtige Liebe zu diesem Berufe, Sanftmut und Geduld. Im Midrasch13) werden besondere Beispiele über die dem Lehrer nötige Geduld erzählt; dort heißt es: „Einst kam ein Perser zu dem hervorragenden Talmudlehrer Rab mit der Bitte, ihm die heilige Sprache lehren zu wollen. Rab zeigte ihm den ersten Buchstaben des Alphabets und erklärte ihm, dieser Buchstabe heiße „Aleph". Der Schüler verlangte einen Beweis für die Richtigkeit dieser Bezeichnung. Der Lehrer fuhr, die Frage des Schülers unbeachtet lassend, fort: Dieser Buchstabe heißt „Beth". Der unbefriedigte Perser stellte wiederum die gleiche Frage: Warum heißt dieser Buchstabe Beth? Die Ungeduld des Lehrers vertrieb den Schüler vom Unterricht. Der Perser trat nun vor den Talmudlehrer Samuel hin mit der gleichen Bitte, ihn in der hebräischen Sprache zu unterrichten. Es wiederholte sich das gleiche Fragespiel des Schülers. Samuel erfaßte jedoch das Ohr des Persers mit empfindlichem Drucke, daß der Schüler schrie: „Mein Ohr!". Samuel antwortete: „Beweise mir, daß dies dein Ohr ist". „Welch' sonderbare Frage," erwiderte der Perser, „so wird es genannt und alle heißen es so." „Ganz richtig", antwortete der Lehrer, „und ebenso verhält es sich mit den Buchstaben des Alphabets". Der Perser sah die Richtigkeit des Verfahrens ein und setzte sein Studium mit dem besten Erfolge fort." Von dem großen Lehrer Hillel werden uns im Talmud ähnliche Beweise einer unendlichen Geduld seinen Schülern gegenüber mitgeteilt und ihm gelang es, durch diese Tugend Ungläubige und Unverständige zum wahren Glauben und zu klarer Erkenntnis zu führen.! Eine weitere für den Lehrer notwendige Tugend ist die Bescheidenheit. Der Talmud 14) wendet folgende Analogien an. Die Gotteslehre ist uns im Bilde der drei Getränke Wasser, Milch und Wein vorgestellt. Wie diese sich für die Dauer am besten und sichersten in einfachen, irdenen Gefäßen aufbewahren lassen, so ist auch die Gotteslehre nur wohl aufgehoben im bescheidenen Gemüte, in anspruchslosem, edlem und festem Charakter. Nur der mit der Tugend weiser Bescheidenheit geschmückte Lehrer wird in seinem Berufe erfolgreich wirken können. Daß neben allen Tugenden einer edlen Persönlichkeit der Lehrer sich auch im theoretischen Wissen und sachlichen Können höchster Vervollkommnung zu befleißigen hat, ist in der jüdischen Tradition selbstverständliche Voraussetzung. Die jüdische Literatur der talmudischen und nachtalmudischen Zeit ist voll der Beweise, daß Wissen und Bildung in den religiösen und allgemeinen Wissenschaften (Thora im Derech Erez) bei dem Volke der Bibel zu allen Zeiten hoch angesehen wurden. Dort, wo dem Judentum der Diaspora der Zugang zur Bildung der Zeit offen stand, hat es, wie z. B. die Blüte der spanisch-maurischen Periode beweist, an Wissenschaft und Bildung hervorragenden Anteil genommen. Nicht überall durfte dieser den Juden eigene Bildungsdrang sich ungehindert entfalten. So oft aber auch unserem Volke fast jede Möglichkeit zur Teilnahme an der allgemeinen Bildung der Zeit abgeschnitten war, das Thorastudium erlosch niemals in seiner Mitte; ja es blühte in Zeiten äußerer Not und äußeren Druckes um so herrlicher; dem in der Welt verfolgten Juden spendete das Lehrhaus Beruhigung, Trost und Hoffnung. 13) Koheleth, 7. ") Trak. Taanis fol. 7 b.

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