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Das jüdische Echo · 1915-02-26 · 8 (26.2.1915) · p. Seite 59

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
8 (26.2.1915)
Date
1915-02-26
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 59 Die Zeit des Krieges bedeutet für die ganze Bevölkerung des Reiches eine wahrhafte innere Erhebung. Hoch und niedrig wurden in gleicher Weise von den gewaltigen Ereignissen ergriffen. Jeder fühlte nach seiner Art, daß es nicht allein um die Erhaltung des Landes als eines gleich- und daseinsberechtigten Teiles der Welt ginge, sondern auch um die Notwendigkeit, die aufwärtsstrebende Entwicklung eines friedliebenden Staatsvolkes vor feindseligen Eingriffen in sein Selbstbestimmungsrecht zu schützen. Das heischte, sich auf sich selbst zu besinnen, zu prüfen, was Stand habe vor der gewaltigen Aufgabe, die die einzelnen Bürger als Atome des einsgewordenen Willens Deutschlands zu lösen haben: die Gefahr, unter deren Bann wir waren, wies durch ihre Größe jeden darauf hin, sich noch enger, als es in ruhigen Zeitläuften geschehen sein mag, an das anzuschließen, was ihm am teuersten ist. Wir Juden erleben deshalb den Krieg als Kinder unseres Vaterlandes und als Angehörige einer Gemeinschaft, die aus Gründen der Ehrfurcht und Ueberzeugung und im Gefühl ihrer Schickung an dem alten Erbe festhält. Das sind die Gedanken, die uns bewogen haben, der jüdischen Bevölkerung Münchens die Gelegenheit zu bieten, sich zu stärken an dem ethischen Gehalte unserer jüdischen Poesie und dafür zu zeugen, daß wir die Pflichten, die wir für die Allgemeinheit und für uns zu erfüllen haben, ansehen als Gebote unserer Ueberlieferung. So hoffen wir, daß der Abend, für den wir Hern Arnold Marie gewonnen haben und dessen Reinertrag dem Palästinahilfswerk zugeführt wird, von allen Lesern und Freunden unseres Blattes besucht sein wird. Dienstag, den 2. März 1915, Abends 8 Uhr Saal des Edenhotel (früher Russischer Hof) Ottostrasse 4, Ecke Karlstrasse Nummer. Plätze M 3.10, 2.05, unnummer. Plätze M 1__/ Karten bei Alfred Schmid Nchf., Residenzstr.7 u. bei der Administrat. desJiidischen Echos, Herzog Maxstrasse 4 Die Juden in der russischen Hrmee Von Boris Goldberg. (Uebertragung aus dem Jiddischen.) Wie bekannt, gliedert sich die am Kriege teilnehmende russische Armee in vier verschiedene Kategorien von Soldaten: 1. Die noch im aktiven Dienst stehende Mannschaft, d. h. diejenigen, die in den Jahren 1911, 1912 und 1913 assentiert wurden, bezw. ihre Dienstzeit antraten; 2. diejenigen, die in den Jahren 1897 bis 1910 gedient haben; 3. den Zapas, d. h. die Reichswehr; diese umfaßt diejenigen, die in den Jahren 1893 bis 1896 ihren aktiven Dienst leisteten; 4. diejenigen, die in den Jahren 1909 bis 1913 bei der Assentierung waren und dem Zapas zugeteilt wurden. Wieviele Juden in diesen vier Kategorien vorhanden sind, zeigt folgende Aufstellung: 1. Laut den im offiziellen „Pravitelstveni Westnik" veröffentlichten Ziffern, wurden in den Jahren 1911, 1912, 1913 82,063 Juden assentiert. 2. Ein wenig schwieriger zu ermitteln ist die Zahl der Juden in der 2. Kategorie, der Reserve, d. h. der in den Jahren 1897—1910 Gedienten. Exakte Ziffern liegen nur von den Jahren 1905 bis 1910 vor. In diesen 6 Jahren wurden in Rußland zur Dienstpflicht 119,668 Juden herangezogen. Von den vorhergehenden 8 Jahrgängen (1897 bis 1904) haben wir genaue Ziffern nur von 25 Gouvernements, nicht aber von ganz Rußland. Wir wissen, daß in den genannten 25 Gouvernements in den Jahren 1897—1904 132,687 Juden assentiert wurden; wie viel Juden in ganz Rußland in diesen Jahren assentiert wurden, lehrt folgende Ueberlegung: In den Jahren 1905 bis 1909 war die Zahl jüdischer Rekruten in ganz Rußland 95,113, von diesen waren aus den erwähnten 25 Gouvernements 92,569; diese 25 Provinzen lieferten also in diesen 5 Jahren 97,3 Prozent der Gesamtzahl jüdischer Soldaten in Rußland. Da kein Grund vorliegt, anzunehmen, dieser Prozentsatz sei in den vorhergehenden Jahren ein anderer gewesen, können wir ruhig diesen Maßstab auch für die Jahre 1897—1904 gelten lassen. Es ergibt sich somit für ganz Rußland in diesen 8 Jahren eine Zahl von 136,333 Juden, die von 1897—1904 zu den Fahnen berufen wurden. Zusammen mit den 119,668 Juden der Jahrgänge 1905—1910 ergibt sich eine Summe von 256,001 jüdischen Reservisten der Jahrgänge 1897—1910. Hiervon gehen aber ab: Tote 11,438; Ausgewanderte 23,030; Kranke (aus dem Heeresverband Entlassene) ungefähr 11,000; zusammen also ein Abgang von 45,468. Es verbleibt somit eine Gesamtziffer von 210,533 jüdischen Reservisten. 3. Die Zahl der im Zapas kämpfenden Juden, d. h. der in den Jahren 1893—1896 Gedienten, läßt sich auch nur durch eine ungefähre Berechnung ermitteln. Auch für diese Jahre liegen offizielle statistische Angaben nur für 25 Gouvernements vor; die Statistik gibt für diese Gebiete die Zahl von 60,420 von 1893—1896 gedienter Juden; auch hier wieder angenommen, diese Gouvernements lieferten 97,3 Prozent der zum aktiven Dienst in ganz Rußland herangezogenen Juden, ergibt sich eine Summe von 62,080 assentierten Juden im ganzen russischen Reiche. Durch Verluste an Toten, Kranken und Ausgewanderten vermindert sich diese Zahl auf 42,932 Juden im Zapas. 4. Die Zahl derjenigen Juden festzustellen, die gleich bei der Assentierung dem Zapas zugeteilt wurden, ist nur schwer möglich. Ihre Zahl beläuft sich auf 20—25 Tausend alljährlich, hiervon werden drei Fünftel in den Zapas 1. Klasse, ein Fünftel in den Zapas 2. Klasse eingereiht und ein Fünftel wird überhaupt der Dienstpflicht enthoben. Für die Jahre 1909—1913 ergibt sich eine Summe von zirka 60,000 dem Zapas zugeteilten Juden. Hiervon wurde sicherlich der weitaus größte Teil bei der Mobilisierung einberufen, wir können demnach ruhig 30,000 annehmen. Fassen wir nochmals das Resultat der Untersuchung zusammen, so haben wir 1. Soldaten, die noch aktiv dienen 82,000; 2. Reservisten der Jahrgänge 1897—1910 210,000; 3. in den Zapas Eingeteilte der Jahrgänge 1893—1896 43,000; 4. die bei der Assentierung in den Jahren 1909—1913 dem Zapas Zugewiesenen 30,000; zusammen 365,000 Juden, die ihr Leben für den Zaren hingeben müssen. Diese Riesenziffer wird dereinst mit Blut und Tränen im Buche der Geschichte unseres Volkes niedergeschrieben werden . . . Eiserne Kreuze und andere Auszeichnungen. Nürnberg. Norbert Neumann, Einj.-Freiw. im 6. Inf.-Regt. zu Amberg, erhielt außer dem Eisernen Kreuz von seinem Armee-Kommandeur, Gene-

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