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Das jüdische Echo · 1915-02-26 · 8 (26.2.1915) · p. Seite 58

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
8 (26.2.1915)
Date
1915-02-26
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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58 Das Jüdische Echo Nr. 8 Mordechai, der zwar seiner Pflegetochter und Base den Rat gibt, ihre jüdische Abstammung vor dem König zu verleugnen, der aber selbst das Knie vor Haman nicht zu beugen vermag, er ist der Prototyp des innerlich zerrissenen, inkonsequenten Golusmenschen, dessen Begriff von Menschenwürde ins Wanken geriet. Seine Krankheit ist die Krankheit des ganzen nachexilischen Judendaseins, ist u n s e r e Krankheit. Die äußere Golusgeschichte ist nichts als eine fatalistische Kette bunt umrahmter Variationen der Purimgeschichte. Es gibt nur e i n Moment, welches die klassische Purimgeschichte der Bibel von den übrigen Purimgeschichten der letzten zwei Jahrtausende jüdischen Daseins unterscheidet: sie endete mit einem Sieges- und Jubelfest, diese nur und nur mit der vernichtenden Katastrophe von Scheiterhaufen, Massakre und Ausweisung. Und doch sind wir jüdischen Nationaldemokraten, die wir die antisemitische Abwehr nur als lästige Grenzangelegenheit, nicht als Zweck un*d Sinn unseres Lebens betrachten können, nicht flach, nicht einseitig genug, um in der Esthergeschichte nur den zweifelhaften Triumph der „alten Methode", das zufällige Gelingen interventionistischer Künste zu erblicken. Die Wirklichkeit selbst zv/ingt uns, die Mittel der Verzweiflung und Ohnmacht dort anzuwenden, wo alle Wege der Selbsthilfe versperrt sind. Wir sind nicht so weltfremd und dogmatisch, um nicht auch aus der Purimgeschichte zu lernen. Wenn sich heute, an der Schicksalswende des jüdischen Volkes, unsere national jüdischen Organisationen zu einem letzten großen Versuch aufraffen, um auf Konferenzen und bei internationalen Vertragsschließungen Garantien für die nackte Existenzmöglichkeit unserer ostjüdischen Massen zu erlangen, so ist das die Verzweiflungstaktik Esthers und Mordechais, so ist eine neue Purimgeschichte im Werden. Aber seien wir mißtrauisch gegen uns selbst! Bedenken wir die Zufälligkeit unserer Mittel und Wege! Seien wir eingedenk, daß Versprechungen und Verträge häufig dazu da sind, um gebrochen zu werden! Verstehen wir den Sinn der Purimgeschichte richtig! Nicht das innere Leben Israels war durch die Großmut des persischen Königs gerettet, sondern nur sein bloßes Dasein vor blutiger Ausrottung bewahrt. Verstehen wir, daß das Purimfest nicht die Freude der freiheitsdürstenden Seele ist, sondern das Aufatmen des Todeskandidaten in der Stunde seiner Begnadigung. Die Abwehr der Lebensgefahr ist nicht das Leben selbst, und wer dem Untergang mühsam entronnen ist, hat noch kein Anrecht auf Unsterblichkeit. Das ist die zweischneidige Sprache der „Megillah" für uns modern empfindende Juden. Meute noch beugen wir uns vor der Uebermacht der in ihr ruhenden Realität. Aber es gibt kein höheres Ziel für uns, als das Mordechaidasein unserer Gegenwart zu überwinden und uns jene innere Harmonie der Seele zu schaffen, ohne welche das Leben eine Qual oder ein Taschenspielerkunststück ist. Und wenn wir erst dieses Gleichgewicht in uns hergestellt haben, werden wir von der fiebrigen Leidenschaftlichkeit frei sein, mit der wir heute die Zeilen der „Megillah" durchfliegen, frei von der tendenziösen Auslegung, zu der uns der Jammer unserer schlaflosen Nächte zwingt. Literarischer Abend des Jüdischen Echos (zu Gunsten des Palästina-Hilfswerkes) Vortrag jüdischer Dichtungen von Herrn Arnold Marie Regisseur am Münchener Volkstheater Programm: 1. Makkabäer 5675 von Hugo Zuckermann 2. Zehnter Psalm Uebersetzt von M. A. Klausner 3. Das Hohe Lied Uebersetzt von M. A. Klausner 4. Trauriger Sederabend von Jehuda Steinberg aus dem Hebräischen übersetzt von Hugo Herrmann. 5. Frühling von Anton Lindner 6. Qraf von Charolais (Szene aus dem ersten Akt.) von Richard Beer-Hofmann Pause. 7. Moses' Gesang am Schilfmeer (2. Buch Moses, Kapitel 15, 1—17.) Uebersetzt von M. A. Klausner 8. Wiegenlied (nach einem alten Volksmotiv) von Berthold Feiwel 9. Eheglück von J. L. Perez, aus dem Jüdisch-Deutschen übersetzt von Mathias Acher. 10. Zweiter und dritter Psalm Uebersetzt von M. A. K 1 a u sner 11. Donna Clara von Heinrich Heine 12. Der Jüdische Mai von Morris Rosenfeld übersetzt von Berthold Feiwel.

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