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Das jüdische Echo · 1915-02-26 · 8 (26.2.1915) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
8 (26.2.1915)
Date
1915-02-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Hs Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.— Halbj. AI. 2.-, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V e r 1 a g „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weidler, München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 26. Februar 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 8 yj00 *M 1915 Wochenkalendcr (5675) njnn Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Febr. 27 28 März 1 2 3 4 5 fldar TIS 13 14 15 16 17 18 19 man "11DTD Gottesdienste: Morgens Haupsyn. 872. Herzog Rud.-Str. 7V2. Sabbath-Äusgang ö84. □ms □ms ]mv Sabbath-Eingang: Haupt - Synagoge 6 —. Herzog Rud.-Str. 53/4- Inhalt l t>r« Max Mayer: Purim. — Literarischer Abend des Jüdischen Echos. — Boris Goldberg: Die Juden in der russischen Armee. — Eiserne Kreuze. — Rabbiner Nathan Bamberger: Die bibl. und talmud. Lehren über den Lehrerberuf. — Angebliche Judenverfolgungen in Palästina. — David Pinski: Bergab, eine Purimgeschichte. — Zeitungs-, Welt-, Bühnen-Echo Purim Von Dr. Max Mayer, München. Für die Eigenart eines Volkes ist sein Märchen- und Erzählungsschatz nicht weniger charakteristisch wie seine Geschichte. In Mythe und Historie, Dichter und Held ringt die Besonderheit der menschlichen Seele mit gleicher Intensität nach sinnlichem Ausdruck. Erlebtes und Erträumtes, Getanes und Gedachtes sind gleich reine Quellen zur Erforschung der geistigen Volksstruktur. Daher ist für uns, die wir unsere Vergangenheit in unserem Blute stoßen fühlen, die Frage der geschichtlichen Glaubwürdigkeit des biblischen Estherbuches sehr nebensächlich. Der Wirklichkeitswert der „Megillah" liegt für uns nicht in der Identität des Achaschwerosch mit dem Perserkönig Xerxes, nicht in der Staffage und Draperie unzweifelhaft persischer Herkunft, nicht in der heiklen Frage, die vielen Gelehrten Kopfzerbrechen machte, ob die Juden wirklich an einem Tage 75 000 Feinde ohne Gegenwehr niedermetzelten, auch nicht in der Versicherung, daß ein 50 Ellen hoher Galgen nichts Groteskes sei; die Esthergeschichte bedeutet für die geistigen Erben des Mordechaigieschlechtes weit mehr, als eine kritisch-historische Untersuchung aufzudecken vermag. Ihre innere Wahrheit, ihr blutiger Sinn wird durch äußere Beweise ihrer Nichtgeschichtlichkeit wenig berührt. Man könnte sagen: eine gleichgültige Exilsgeschichte, die durch Zufall in den Heiligen Büchern Aufnahme fand; das elende Machwerk eines talentlosen Erzählers, der nach vorhandenen Motiven arbeitet; die literarisch aufgeputzte Flugschrift eines für seine Zeit nicht unbeholfenen Vorläufers der modernen Organisationen zur Abwehr des Antisemitismus, der es nicht einmal für ratsam hielt, den göttlichen Namen zu gebrauchen: mit welchem Rechte also an einer so trüben Quelle fischen, oder gar an ihrer Hand Gesetze über die Seele Israels aufstellen? In der Tat hat dieser Einwand einen Schein von Berechtigung; denn Stil und Inhalt von Megillas Esther fällt entschieden ab gegen den hohen und starken Geist der übrigen historischen Bücher der Bibel. Es herrscht in ihr ein neuer, dem alten jüdischen Heldengeschlechte fremder Ton von Ohnmacht und Zufall. Statt Schwert und Rüstung — ängstlich vorbereitete Audienzen, statt freiem, bewußtem Auftreten — Zittern und Zagen, und das glückliche Ende — ein Regierungserlaß in Form eines Sendbriefes; mit einem Wort: zur Ader gelassener Volkswille, geschwächtes Selbstbewußtsein, Golusstimmung. Und ich verstehe den Widerwillen, dieser Geschichte eine tiefere psychologische Bedeutung beizumessen. Die Esthererzählung klingt in den vollen und trunkenen Akkorden unserer Bibel wie der grelle, nüchterne Mißton aus einer anderen Welt. Und diese andere Welt ist die unsere, die Welt des ewig wandernden, ewig gefährdeten, unter den Völkern zerstreuten, ohnmächtigen Juden, der nur noch die Kraft des Aufschreis besitzt, wenn man nach seinem nackten Leben trachtet.

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