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Das jüdische Echo · 1915-02-12 · 6 (12.2.1915) · p. Seite 45

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
6 (12.2.1915)
Date
1915-02-12
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 45 " '«mr,v St. eil1? IV " - .Iii* ••'iS'»' SWst# 0** 0^ '' V Beförderungen Zu bayer. Leutnants befördert wurden: Heinrich K o h n , Heinrich Ö 11 i n g e r , Hermann S a - 1 o m o n , Walter Frankenburger, Hermann Sack. Unser Gesinnungsgenosse Dr. Elias Auerbach aus Haifa ist zum Stabsarzt befördert worden. Max Hesky, München, i. F. Gebrüder Hesky, wurde zum etatsmäßigen Offizierstellvertreter beim 1. Feld-Art.-Regt. Prinzregent Luitpold befördert. Ingenieur Leopold Hermann vom 6. bayr. Res.-Inf.-Regt. wurde zum Vizefeldwebel ernannt. Dr. Felix Wassermann, Sohn des Herrn Kommerzienrats Karl Wassermann, bisher Unterarzt beim 3. bayer. Res.-Inf.-Regt., wurde zum Assistenzarzt befördert. Berichtigung. In Nr. 3 befindet sich die Nachricht, daß Herr Gustav Einstein zum Leutnant befördert worden sei. Anstatt Gustav Einstein, der auf dem Felde gefallen ist, muß es S i e gf r i e d heißen. Feldpostbrief Einer unserer Gesinnungsgenossen, früheres Mitglied der Zionistischen Ortsgruppe München, der als Landwehrmann zum Festungsdienst bei der Fußartillerie eingezogen war und sich als Freiwilliger zur Front gemeldet hatte, schrieb vor einiger Zeit an hiesige Freunde von den Kämpfen in Nordfrankreich: ,. . . . Vielen Dank für Ihre so freundl. Sendung. Übrigens eigenartiges Zusammentreffen; gestern erhielt ich auch eine Sendung vom Gabriel Riesser-Verein in Köln, dem meine Geschwister als Mitglied angehören .... Seit ich Ihnen zuletzt geschrieben, haben wir unsere Stellung gewechselt. Wir stehen jetzt mehr nordwestlich von R. Von den Kämpfen um B. haben Sie wohl gelesen. Unsere Batterie hat da kräftig miteingegriffen. Die meisten Sturmangriffe wurden des Nachts unternommen. Ich war jetzt fast vier Wochen in Feuerstellung. Da habe ich manches mitgemacht. ... Ich bin letzt bei der Artilleriebedienung und stecke zwischen den aktiven Mannschaften. Ich bin der einzige Landwehrmann in dieser Bedienung und werde von allen mehr als rücksichtsvoll behandelt. Besonders seit die Leute wissen, daß ich Jude bin und freiwillig zur Front ging. Seit zwei Tagen ist unsere Stellung für eine Woche abgelöst worden, damit wir uns wieder etwas erholen können . . . Die feindliche Artillerie hat bisher d. h. seit dem eigentlichen Aufmarsch noch nie die Stellung unserer Batterie zu erkunden vermocht, trotzdem manchmal an einem Tage 5—6 Flieger unsere Stellung überflogen. Da die Franzosen nun die Richtung kennen, aus denen unsere Grüße kommen, so fangen sie zu suchen an, d. h. es wird gestreut, und da hatten wir im allgemeinen Glück. Ich war verschiedentlich so von Granaten gefährdet daß ich gar nicht weiß, wie es möglich war zu entkommen. Zuletzt wagte sich so ein Ding bis auf zwei Schritte an mich heran. Laufen! Laufen! Ein anderes Mittel gibts da nicht. Meinem liebsten Freunde, den ich hier auf dem Schlachtfeld gefunden, dem erging es leider ganz anders. Er war der erste Tote in unserer Batterie. Begraben wurde er wie selten einer auf dem Schlachtfeld. Unser Hauptmann hatte angeordnet, daß ein Sarg für ihn gefertigt würde. Unser Hauptmann und alle Mannschaften, die nicht in Stellung waren, gaben ihm das Geleite. Drei Salven gingen über sein Grab. Viel hätte ich Ihnen zu erzählen von dem toten Freunde. Heute nur so viel. Er stammte aus Schwerin und war dorten Verwalter der Privatgüter des Großherzogs. Jetzt eben erhielt ich einen Brief von seiner Braut. Ein Myrtenzweiglein soll ich auf sein Grab legen. Morgen wird's geschehen, wenn ich das neue Grabmal setze. Ich habe nämlich die freie Zeit, die mir hier während der Ablösung zur Verfügung steht, dazu benutzt, ein schlichtes einfaches Kreuz in Eisen zu schmieden mit einem ovalen Kupferschild, in dem sein Name wohl auf ewig eingeschrieben ist ... . J. M. Brief aus Österreich Die größte Überraschung, welche der Weltkrieg ganz Europa, ja vielfach auch Deutschland bereitete, war die Rennaisance des österreichischen Reichsgedankens. Im Momente als die Feinde der Habsburgermonarchie zum vernichtenden Schlag ausholten, da traten alle nationalen und konfessionellen, politischen und sozialen Gegensätze in den Hintergrund gegenüber der Begeisterung, die Existenz des Donaureiches und seiner einzelnen Völker gegen den äußeren Feind zu verteidigen. In der Einigkeit zu Kaiser und Reich fanden sich auch die — im übrigen in zahlreiche gegnerische Lager gespaltenen — Juden der Monarchie. Die Hekatomben von Blutopfern, welche auf den Schlachtfeldern von Galizien, Bukowina und Ungarn im Dienste des Vaterlandes wie ihres jüdischen Volkstums fielen, sind wohl ein unwiderleglicher Beweis für die Tatsache, daß die zwei Millionen Juden der österreichischen Monarchie ein eminent staatserhaltendes Element sind, die in den verschiedensten Formen den im .Felde stehenden jüdischen und speziell zionistischen Soldaten von allerhöchster Seite zuteil gewordene Anerkennung 'für ihre patriotische Opferwilligkeit zeigt, daß die maßgebenden Faktoren der Monarchie und besonders auch die militärischen Kreise über die Bedeutung der Juden für den richtig verstandenen österreichischen Reichsgedanken anders urteilen, als jene Antisemiten, welche selbst während eines schweren Existenzkrieges Österreichs und angesichts der unerhörten russischen Greuel gegen die Juden Galiziens, sowie der Bukowina, die traditionelle Judenhetze wieder kultivieren. Und doch kann kein Zweifel darüber bestehen, daß das Martyrium, welches die Juden im Osten der Monarchie von seiten der Kosakenhorden zu erdulden haben, nicht nur auf ihr Judentum, sondern auch auf ihre unbedingte österreichische Reichstreue zurückzuführen ist. Dies zeigte sich auch drastisch in Lemberg, wo unter den Augen der russischen Machthaber Judenpogrome wiederholt veranstaltet wurden. Als nun neulich der als Freund der galizischen Juden bewährte, christliche Abgeordnete der Stadt Lemberg, Ernst Breiter, beim Gouverneur Bobrinsky mit einer jüdischen Deputation erschien und sich über die entmenschten Exzesse beklagte, schrie ihn dieser „Jüdische Advokat" an und beschränkte sich nicht auf den Hinauswurf der Deputation von Lemberg und ihres Führers des Abgeordneten Ernst Breiter, sondern veranlaßte sogar dessen Verschleppung nach Sibirien! Daß unter solchen Umständen der größte Teil der Juden aus den von den russischen Truppen

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