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Das jüdische Echo · 1915-01-29 · 4 (29.1.1915) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
4 (29.1.1915)
Date
1915-01-29
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4 Das Jüdische Echo 31 Bart? Er fuhr mit zwei Füchsen aus, wie?" „Sein Bart ist nun wohl grau," lächelte Frau Malwine, „und jetzt fährt er mit Braunen." Es gab einen Mohnkuchen heute, der vor Butter Flecke auf dem gezackten Papier hinterließ, worauf er lag, und einen sehr guten Kaffee in zarten Täßchen durchscheinenden und zerbrechlichen Porzellans, Freude und Erregung war zu bemerken, der alte Ostertag wurde nicht müde zu fragen, und nur Ruth saß mit niedergeschlagenen Augen dabei und ließ die Hände zusammengelegt im Schöße ruhen. Sie antwortete kurz und scheu auf die Fragen des alten Paares, woran Herr van Spandow senior eine besondere Freude zu haben schien; wenigstens sah er immer wieder seine Gattin an, welche dazu lächelte. Erst als man aufbrach, in das bequeme Rauchkabinett hinüberzuziehen, richtete der Kapitän seine ersten Worte an Ruth, unbefangene, allzu unbefangene Worte, die mit leiserer Stimme gesprochen wurden, als erklärlich war: „Übrigens" — so fing er an — „übrigens weiß ich nun, daß die Demoiselle und ich alte Bekannte sind. Ich hob Sie immer hoch in die Höhe und Sie zappelten, weinten und zogen mich derb an den Haaren." „Ja," sagte sie und hob die langen Wimpern wie dunkle Flügel von den Augen, „Sie waren immer wild mit mir und ich mochte Sie gar nicht leiden," und sie wurde rot. (Fortsetzung folgt.) Wochen-Echo Der Lazarettzug der deutschen Bne-Briß-Logen wird, wie wir im „Konfektionär" vom 24. Januar lesen, Mitte Februar Berlin verlassen. Der Lazarettzug, dessen Ausrüstung das Mfedizinische Warenhaus in Berlin übernommen hat, wird mit allen Neuerungen, welche die Erfahrungen im bisherigen Verlaufe des Feldzugesi als wünschenswert gezeitigt haben, versehen sein und Mustergültiges in bezug auf Inneneinrichtung und Ausstattung bieten. Dabei wird er sich von jedem überflüssigen Luxus fernhalten; eine Forderung, die im Sinne der Zeit liegt. Bei der Ausrüstung und Zusammenstellung des Zuges ist vor allen Dingen auf gute Lagerung der Verwundeten und darauf Rücksicht genommen, daß auch bei längerem Laufen des Zuges keine so starke Abnutzung der Betten und Tragen stattfindet, daß das Liegen zur Plage wird. Wert wurde darauf gelegt, daß der Zug nicht nur bei der ersten, sondern auch bei den weiteren Fahrten bei einer längeren Dauer des Krieges seine Aufgabe in mustergültiger Weise erfüllen kann. Der leitende Arzt des Zuges ist Dr. Staub in Breslau. Herr Dr. Holländer hat die Zusammenstellung und Ausrüstung des Zuges besorgt. Einer guten Sitte entsprechend, wird der Lazarettzug bei seiner ersten Fahrt Liebesgaben für die hinter der Front liegenden Lazarette mitnehmen. Der Qroßpräsident des deutschen Distriktes des Ordens Brie Briß, G e h e i m r a t Timendorfer in Berlin, wird den Zug erstmals begleiten und die Liebesgaben persönlich überbringen. Wie die Zensur in Österreich am Werke ist, zeigt die in Wien erscheinende Jüdische N a - t i o n a 1 - Z e i t u n g. Alle Aufsätze und Berichte .über die Lage der galizischen Flüchtlinge in Österreich sind in der Nummer vom 22. Januar 1915 vom Zensor gestrichen. Ganze Seiten der Zeitschrift bleiben unbedruckt. Die Titel der unterdrückten Artikel sind: „In den Flüchtlings-Baracken"; „Die Flüchtlinge und ihre Sittenrichter" usw. Eine Depesche der Petersburger Jea-Filiale besagt, daß die größte Hungersnot unter den russischen Juden herrsche, und sie der Not nicht Herr werde. Die Zahl der aus dem Operationsfelde kommenden Flüchtlinge und Obdachlosen übersteige schon die zweite Million. Das amerikanische Lebensmittelschiff für die jüdische Bevölkerung Palästinas ist, wie befürchtet, im Mittelmeer von den Engländern beschlagnahmt worden. Der in Atlanta (Georgia) des Mordes beschuldigte Leo Frank, ein amerikanischer Hilsner, ist trotz allen Versuchen seiner Verteidiger auch in letzter Instanz zum Tode verurteilt worden. Vielleicht vermag ein ausfindig gemachter Formfehler das unschuldige Opfer eines blindwütigen Antisemitismus noch zu retten. Der bekannte jüdisch-deutsche Dichter Scholem Aleichem ist von Kopenhagen in Nordamerika eingetroffen, wo er Vorträge halten will. In New- York bereitete man ihm einen begeisterten Empfang. Gemeinden-Echo München. In der letzten Nummer der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" befindet sich ein Münchner Bericht über die Ablehnung des Gesuches, das die Kultusgemeinde wegen Erhöhung des Zuschusses zu den Kosten des Religionsunterrichtes an den Magistrat. gerichtet hat. Darin heißt es, die Ablehnung sei erfolgt, „da sich das Verhältnis zu den anderen Konfessionen zu sehr verschieben würde." Es wäre doch zu wünschen, daß sich eine jüdische Zeitschrift besser unterrichte, bevor sie ein Urteil bringt, das gegenüber einer Kultusgemeinde den Vorwurf enthält, sie fordere von einer Behörde mehr, als rechtens ist. Würzburg. Die Israel. Lehrerbildungs- Anstalt zu Würzburg vollendet0 mit dem Schlüsse des Schuljahres 1913/14 das 50. Jahr ihres Bestehens. Anläßlich dieses Jubiläums beabsichtigten ehemalige Schüler und Freunde des Instituts eine würdige Festfeier. Infolge der eingetretenen Kriegswirren mußte die geplante Veranstaltung unterbleiben und soll nach Beendigung des Kriegs nachgeholt werden. Indessen hat der derzeitige Vorstand der Anstalt, Herr Distriktsrabbiner Nathan Bamberg e r in Würzburg eine Festschrift erscheinen lassen, welche eine Geschichte ihrer Entstehung und Entwicklung darbietet. Es würde zu weit führen, wollten wir ihren Inhalt eingehend mitteilen; ein kurzer Auszug dürfte den Lesern genügend Anhaltspunkte zur Würdigung der Anstalt geben. Der Vater des jetzigen Anstaltsdirektors, Rabbiner Seligmann Bär Bamberger sei. Andenkens, gründete mit mehreren gesinnungsverwandten Rabbinern Unterfrankens, einer Anregung der bayerischen Staatsregierung folgend, im Jahre 1864 die Anstalt. Die Aufforderung der Gründer zur Zeichnung von Gründungs- und Jahresbeiträgen fand allgemein günstige Aufnahme und ersprießliche Beachtung. Im ersten Jahre war die Anstalt von 6 Zöglingen im Vorbereitungs- und 6 im Seminarkurs besucht; der Unterricht wurde von 2 ordentlichen und 2 außer-

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