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Das jüdische Echo · 1915-01-29 · 4 (29.1.1915) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
4 (29.1.1915)
Date
1915-01-29
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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30 Das Jüdische Echo Nr. 4 auf meine Veranlassung eine jüdische Fahne in blau-weißen Farben angefertigt. In ihrer Mitte war aus Goldborden ein Magen David gebildet, in dessen Mitte F. J. I., die Anfangsbuchstaben Franz Josefs I., standen. Oberhalb des Magen David war das Wort „Immanuel" „Gott mit uns" zu lesen, während unter ihm die Worte „Ana adonai hoschiana, ana adonai hazlichana" „o Gott, gib uns Sieg, o Gott gib uns Glück!" eingestickt waren. Als wir nun ausrücken sollten, kamen fast alle Juden der Stadt, um die jüdische Fahne zu sehen. Unterwegs sangen wir jüdischen Soldaten hebräische und jiddische Lieder. Auf allen Stationen wurden wir mit Begeisterung begrüßt. Ganz besonders in ostjüdischen Städten und zwar am meisten von der jüdischen Jugend. „Täte! Seh nor a jiddische Fuhn! A jiddische Fuhn!", schrieen die jüdischen Kinder mit „Hislahawes" (Begeisterung), und nicht ein Auge von den älteren Juden blieb trocken. Noch größer war die Freude, als wir durch russische Städtchen marschierten. Da kam Groß und Klein zusammengeströmt, um „de jidesche Fuhn" zu sehen, und man wünschte uns von allen Seiten, wir sollten „beschulim uhn a mechsel (in Frieden und ohne Mißgeschick) nach Hause zurückkehren ... E. S. - Feuilleton Die Flucht der van Spandows Eine Novelle von Arnold Zweig (Fortsetzung.) Das war nicht so wunderbar, wie es zuerst erscheinen mag. Gab es doch in Holland schon längere Zeit jüdische Staatsbeamte, und in dem Jahre, in dem der junge Spandow die Waffe ergriff, 1805, ließ Napoleon die Holländer mit gegen Österreich marschieren. Hieß man obendrein Wolf van Spandow, hatte man das Geld, sich selbst prächtig auszurüsten und saß man überdies fest und schön zu Pferde, einem edlen Pferde wohlverstanden, so gab es schlechterdings keinen erfindlichen Grund, eines Zufalls wegen einen begeisterten Freiwilligen abzuweisen, der, um alles zu vollenden, Arzt war und wie ein Spanier aussah und sich hielt. Und wenn man es verdiente, wurde man Offizier unbehindert durch veraltete Vorurteile. So war es wohl geschehen. Und jetzt erzählte der alte Herr und beschrieb zierliche und heitere Bewegungen mit der rechten Hand, während die linke das Kinn versteckte: „Ligny sei die lustigste Affäre im vergangenen Jahr gewesen, schreibt er, und höllisch ernst für die Herren Verbündeten. Der Korporal Blücher steckte unter seinem Gaul, förmlich darunter, wißt ihr, fluchte stark und mußte zusehen, wie seine Leute liefen. Nicht einmal Er hatte voraussehen können, daß die Preußen am übernächsten Tag trotzdem ankommen würden; Er kannte die Knochen unserer einheimischen Landbevölkerung nicht. Wolf hat dieses Letzte übrigens nicht mehr mitgemacht, was mich, offen gestanden, angenehm berührt." „Und warum nicht?" fragte Ruth eifrig. „Spandow, rede nicht herzlos," sagte seine Frau. „Malwine, ist es herzlos? Ich denke nein; überdies ist es doch vorüber. Ja, liebe Ruth, er lag nämlich nach dem dritten Anritt auf die Karrees — dem unter Ney, die ersten beiden hatte Milhaud — zwischen zwei toten Pferden auf dem Rücken, ein bißchen gedrückt, mit einer Kugel in der Schulter und einer im Schenkel. In der Nacht kam er zu sich, verband sich das Bein mit der Schärpe, kroch ziemlich mühsam hervor und gelangte am Ende in einen Bauernhof. Ihr könnt euch denken, daß es langsam ging." Die schöne Ruth überlief ein fröstelnder Schauder und sie atmete tief ein. „Der Brief kam erst Mittwoch an, es ist alles lange zurück, müßt ihr wissen. Nun, als er gesund war, war Er bereits in Sankt Helena, Ney hatte man füsiliert ... so findet Wolf, daß ihn die Sache nichts mehr angeht. Alle Offiziere denken wie er. Murat ist übrigens wirklich tot, schade, nicht?" „Und Wolf?" fragte Ostertag und entleerte die Asche aus seiner Pfeife. „Er kommt nach Hause!" rief die Mutter jauchzend vom Fenster heu „Wahrhaftig?" fragte Ruth. „Ja, Ruthchen, es ist wahrscheinlich." „Sage nicht wahrscheinlich, Alter, sage gewiß." Er wollte zuerst nach Helena, aber das Gefolge ist schon zu groß für die Herren Briten, dann dachte er an Amerika, aber dort ist nur Freiheit, und was ist Freiheit ohne Ihn? Und ich schwöre euch —" und plötzlich wurde der alte und kluge Herr heftig, rot und schlug mit der Faust auf den Tisch — „ich schwöre euch bei meiner Seligkeit, daß wir Ihn wieder hier haben, ehe fünf Jahre um sind! Was ist denn dieser Mister Low? Eines Tages wird ein Schiff in Helena landen, meinetwegen mit amerikanischer Flagge, man wird diese Engländer ausrotten, ersäufen, was weiß ich, und Er wird Europa wieder bei der Hand nehmen, so wahr ich hier sitze!" „Hoffen wir und warten wir ab," begütigte Ostertag mit einem Blicke auf Ruth, welche eifrig genickt hatte. „I c h glaube es, Onkel Spandow," sagte sie überzeugt. „Nicht wahr, kleine Ruth, wir verstehen uns," damit nahm der alte Herr, der sich wieder ein wenig beruhigt hatte, ihre Hand in die seinen. „Aber warum ist er damals nicht auf den Amerikaner echappiert, sondern wählte den Engländer?" „Bellerophon" hieß das Schiff, ein Dreimaster," antwortete Ostertag; „übrigens ich weiß wirklich nicht . . . ." Und sie erörterten diese Frage des längeren. Frau Malwine zählte an ihrem Strumpf und Ruth sah verschämt auf Sein Bildnis, in grüner Uniform, ohne Orden und ohne Stern, den Hut über den stillen Brauen, eine Hand m der Weste und eine auf dem Rücken. 4. An einem schönen Tage, einem blaßblauen Frühlingstage der Mark, sprang Wolf van Spandow aus der Kalesche und fing seine alte Mutter in den Armen auf. Er war braun und hager wie ein Heide, denn er hatte den ganzen spanischen Feldzug mitgemacht; und somit galt es den Oranienburgern als bewiesen, daß er bis jetzt in den Kolonien geweilt hatte, als Kaufmann versteht sich, weil er augenscheinlich noch lebte. Nachdem die ganze Stadt bei Spandows gewesen w ar, um zur Heimkehr Glück zu wünschen — denn es war ein Glück, daheim zu sein — den Sohn zu betrachten und nebenbei ein Zipfelchen von den sinnbetörenden Kostbarkeiten und Juwelen zu Gesichte zu bekommen, die er sicherlich mit heimgebracht haben mußte — hatte man die Pferde gesehen, die vor der Kalesche gegangen waren? Herrliche Rappen, so wahr Gott im Himmel lebt, und ihre 100 Thaler preußisch jeder wert, ohne das Geschirr — machte sich am Sonntag das alte, glückliche Ehepaar bereit, bei Ostertags vorzusprechen, und Wolf kam mit, einigermaßen verwundert. „Ostertag? Gewiß, ich erinnere mich: dein Freund. Hatte er nicht einen schwarzen

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