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Das jüdische Echo · 1915-01-29 · 4 (29.1.1915) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
4 (29.1.1915)
Date
1915-01-29
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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s Nr. 4 Das Jüdische Echo 27 R *tek K.;.;";.: J^< £' «toT "—7 W Ifc *m *£ «tßfcafc: Bttiawvfcfc* cäe Sack£ od »ir- V Ganz von selbst aber wird sich nach einem für die deutsche Gruppe siegreichen Kriege das freundschaftliche Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei auch in wirtschaftlicher Beziehung derart betonen, daß die europäische Beteiligung an der Hebung der türkischen Länder im wesentlichen Deutschen und Österreichern zufallen wird. Andererseits hat auch Deutschland ja ein sehr wesentliches Interesse daran, daß die Türkei nicht nur in Heer und Flotte sich an das überlegene deutsche System anlehnt, sondern auch wirtschaftlich und kulturell sich von Frankreich und England zugunsten Deutschlands abwendet. Für diese zweifellos deutsch-türkische Interessengemeinschaft eignet sich sowohl vom deutschen, wie vom türkischen Standpunkt aus kein Element besser als das jüdische. Wohl mögen deutsche Fachleute in kleinerer Anzahl und für die leitenden Stellungen „ohne Unterschied der Konfession" (d. h. hierbei selbstverständlich der Mehrzahl nach nichtjüdische) zur Verwendung kommen. Aber sobald ein zahlreicheres Element in Frage kommt, scheiden sowohl Deutsche wie Österreicher aus, die für die eigensten Bedürfnisse ihrer Länder, besonders nach einem Kriege, der soviel Aufbauarbeit erfordert, dringlicher gebraucht werden. Nun ist wundervollerweisc das jüdische Element — auch das osteuropäische bisher russischer Staatsangehörigkeit — kulturell und wirtschaftlichdurchausaufDeutschland eingestellt, und auch die Sprache der Juden ganz Rußlands ist ja zu 97% (d. h. für die w e s t russischen Gebiete 100%) eine deutsche Mundart, die in den Berichten deutscher Konsulate immer mehr als eine wesentliche Erleichterung auch aller deutschen Wirtschaftsinteressen gerade im Orient bestätigt wird. Wenn wir nun noch' in Betracht ziehen, daß mit der Befreiung der westrussischen Juden eine neue Judenfrage auftaucht, die auch für Deutschland und Österreich zahlreiche Schwierigkeiten in sich birgt, so treffen so viele Vorteile einer verstärkten Kolonisationstätigkeit im Orient zusammen, daß unserem Palästinawerk viel eher eine Förderung als eine Abschwächung bevorsteht. Schon jetzt ist die jüdische Einwanderung nach der Türkei bei aller Kleinheit doch bereits die zahlreichste und auch qualitativ wichtigste, und eine baldige Vervielfachung wird ihre günstige Beeinflussung des türkischen Wirtschaftswesens und besonders auch der deutsch-türkischen Beziehungen noch viel wirksamer in die Erscheinung treten lassen. Schließlich sei noch erwähnt, daß eine derartige Kolonisationstätigkeit dazu helfen kann, der Türkei Grundlagen der Kolonisation und besonders der subtropischen Agrikultur zu bieten, die für wesentliche Teile des Reiches von Bedeutung werden können. Und zu allerletzt mag noch erwähnt werden, daß derartige koloniale Erfahrungen auch für Deutschland mit seiner bevorstehenden neuen kolonialen Entwicklung außerordentlich wertvoll werden können. Von subtropischen Gebieten aber liegt keines für Deutschland so nahe und günstig wie manche Teile der Türkei, die beispielsweise mit Deutschsüdwestafrika in klimatischer Hinsicht die allergrößte Ähnlichkeit haben, sodaß die hier gemachten Erfahrungen auch der dortigen Arbeit zugute kämen. Die erwähnte deutsch-jüdisch-türkische Interessengemeinschaft ist also kein Phantom, sondern eine Wirklichkeit — mindestens eine von morgen — die jedenfalls in hohem Maße geeignet erscheint, unserem Palästinawerk zur Förderung zu dienen. Die in Palästina bereits ansässigen Juden dürften ebenfalls von dem Kriege Vorteil haben. Ihre bisherige fragliche Stellung gegenüber der türkischen Staatszugehörigkeit wird verschwinden. Der wieder zu unzweifelhafter Großmachtstellung gelangten Türkei werden die Russen auch die in Masse erfolgende Aufnahme russischer Juden in ihren Untertanenschaftsverband nicht verwehren können. Damit aber würden die in Palästina bereits angesiedelten Juden politisch viel besser dastehen. In wirtschaftlicher Hinsicht wird auch die voraussichtliche Wiedereinbeziehung Ägyptens in den großen türkischen Bereich dem so eng benachbarten Palästina großen Nutzen bringen. Dann würde ja auch der Verbesserung der Verkehrsverbindungen zwischen Ägypten und Palästina nichts mehr im Wege stehen. Die Eisenbahnverbindung mit dem Suezkanal und mit Kairo würde den wachsenden Strom der Ägvoten-Reisenden weniger an Palästina vorübergehen lassen als bisher, die mannigfachen Fremden-Industrien würden aufblühen, Palästina käme in einen viel lebhafteren Verkehr mit Europa, dessen Vorposten Ägypten ja in so vielfachen Hinsichten darstellt. Auch der Seeverkehr würde viel reger werden. Die bisherigen politischen Bedenken der Türkei gegen die Vergebung von Hafenkonzessionen usw. an europäische Mächte oder deren Finanzgruppen werden mit der voraussichtlichen Etablierung einer fraglosen Vormachtstellung Deutschlands schwinden, und sowohl diese wie auch zahlreiche andere öffentliche Arbeiten und sonstige großzügigere -Unternehmungen dürften dann innerhalb des deutsch - türkisch - jüdischen Kreises (unter Einbeziehung politisch einwandfreier Unternehmergruppen, wie z. B. amerikanischer) zur Durchführung gelangen. Auch hierin aber liegt — neben der großen Förderung der Landesentwicklung — ein außerordentlicher Vorteil für eine wohldurchdachte jüdische Kolonisation größeren Stiles, die durch kein anderes Mittel so sehr begünstigt werden kann, wie durch derlei große Unternehmungen, an denen sich jüdische Kapitalisten, jüdische Fachleute und vor allem jüdische Arbeiter hervorragend beteiligen könnten. Gerade in solchen Arbeiten aber liegt die beste Überleitung einer jüdischen Einwanderung zu den eigentlichen Formen der Kolonisation. Vom ersten Tage an beschäftigt, gewöhnen sich die Einwanderer in mehr oder weniger langer Übergangszeit als Arbeiter an die Landesverhältnisse, wie Klima, Lebensweise, Sprache usw., und bilden dann ein viel besseres Kolonistenelement, als bei jeder bisher üblichen Art des Vorgehens. Alles in allem: Der Krieg und seine zahlreichen voraussichtlichen Folgen und Begleiterscheinungen ist voller Möglichkeiten auch für unser Palästinawerk, und es kommt nur darauf an, daß möglichst viele unter uns sich beizeiten auf diese großen Möglichkeiten einstellen und ihre Vorbereitungen treffen. Dies gilt sowohl für die Einzelnen wie für die Organisationen.

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