Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 3 (22.1.1915)
- Date
- 1915-01-22
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 21 Gefallene jüdische Krieger Herr Rechtsanwalt Dr. Hugo Ascher, Unteroffizier der Reserve des Garde-Infanterie- Regiments Nr. 15, Alter Herr der V. J. St. „Kadimah", München, starb auf dem östlichen Kriegsschauplatz den Tod fürs Vaterland. Herr Fabrikbesitzer Martin Bacharach, München, Oberjäger beim 17. Reserve-Infanterie- Regiment erlag am 19. November seiner auf dem Schlachtfelde in Flandern erlittenen Verwundung. Assessor Dr. M. Weinberg aus Coburg, beim 3. bayr. Armeekorps, war zur Beförderung zum Offizier vorgeschlagen, fiel auf dem Felde der Ehre, noch bevor ihn die in Aussicht gestellte Beförderung erreichte. Staatsminister von Bassewitz, Stabsarzt Dr. Quarck sowie der Major seines Regiments drückten seinen Angehörigen in herzlichen Worten ihr tiefes Beileid zu dem herben Verluste aus. Rechtspraktikant Robert Ottensooser, Leutnant der Reserve, Sohn des Bankiers Wilhelm Ottensooser in Nürnberg, ist gefallen. Kurz zuvor hatte er sich die Auszeichnung des Eisernen Kreuzes erworben. Kriegsfreiwilliger Hugo Steinberger, Sohn des Herrn Moritz Steinberger, Würzburg, fiel am 10. November bei Ypern fürs Vaterland. Beförderungen Paul Josefsthal. Sohn des verstorbenen Geheimrats Gustav Josefsthal, Nürnberg, wurde vom Oberleutnant der Landwehr zum Hauptmann befördert. Zu Leutnanten wurden ernannt die Herren Gustav Einstein, Artur Hirschberg und Karl L ö f f 1 e r aus München. Zum Leutnant befördert wurde Benno G e r s 11 e , München, Sohn des Herrn Gerson Gerstle. Zum Leutnant wurde befördert Herr Mühlenbesitzer Benno Schwabacher, Sohn des Herrn Adolf Schwabacher, Würzburg. Palästina im Kriege Von Davis Trietsch, Berlin. (Fortsetzung.) Soviel über die direkten Kriegsgefahren der Städte und Kolonien mit jüdischer Bevölkerung. Was die jüdischen Bewohner selbst betrifft, die früher vom türkischen Militärdienst ausgeschlossen waren, so hat sich das in den letzten Jahren geändert, und im gegenwärtigen Kriege wird bereits eine große Zahl von jüdischen Soldaten und Freiwilligen im osmanischen Heere mitfechten. Dieses Kriegsrisiko haben die Juden aber überall, in andern Staaten sogar in wesentlich höherem Maße, und die Heeresfolge, die hier im türkischen Reiche geleistet wird, das von seinen ersten Anfängen an gerade den Juden gegenüber so viel mehr Wohlwollen und Gerechtigkeit gezeigt hat als alle Staaten des christlichen Kulturkreises, ist jedenfalls vom jüdischen Standpunkte aus erfreulicher als der Kriegsdienst unter Rußland, wo im gegenwärtigen Kriege die meisten Juden unter den Fahnen stehen, um als Kanonenfutter für eine antijüdische Sache zu dienen. Allgemeiner ist die wirtschaftliche Kriegsgefahr für die jüdische Position in Palästina. Handel und Wandel waren bereits vom ersten Tag des europäischen Krieges an erheblich gestört. Das Land war von der Geldzufuhr aus Europa abgeschnitten. Die Warenzufuhr stockte ebenfalls bald. Die Lebensmittel wurden knapp oder wenigstens vom Markte zurückgehalten, sodaß eine große Teuerung einsetzte. Vor allem aber drohte die Unmöglichkeit der Ausfuhr gerade für die Hauptartikel der jüdischen Landwirtschaft in Palästina, nämlich für Orangen und den Wein, wozu als neuestes Ausfuhrprodukt noch die Mandeln kamen. Besonders bezüglich der Orangen besteht eine arge Kalamität. Die Jaffa-Orange ist eine Qualitätsfrucht und als solche eine Art Luxusware, für die man jetzt weniger Verständnis hat als sonst. Zudem war der Hauptmarkt Großbritannien (eigentlich sogar London), das jetzt wesentlich andere Sorgen hat. Zudem ist die Frucht empfindlich und nach den üblichen Methoden nicht konservierbar. Von dem Orangengeschäft hängt ein nicht unbeträchtlicher Teil der wichtigen judäischen Kolonien ab, und da die Ernte — und damit die Geldoperationen — bereits im September und Oktober zu beginnen pflegte, so läßt sich denken, daß die Schwierigkeiten bereits sehr groß sind. Aber das wichtigste ist doch die Lebensmittelversorgung der ungefähr 120 000 Seelen betragenden jüdischen Bevölkerung Palästinas. Unter den abnormen Verhältnissen konnte nur eine besondere Organisation helfen. Diese Organisation aber ist geschaffen worden und funktioniert wenigstens soweit, daß die unmittelbarste Not abgewendet ist, und daß alle Fürsorge getroffen wurde, um den Hilfsaktionen, die zum Teil bereits im Zuge sind, zur größtmöglichen Wirksamkeit zu verhelfen. Was dem jüdischen Kolonisationswerk bisher an allen Ecken und Enden gefehlt hat, war eben die zweckmäßige Organisation. Es war schwer, die äußerst verschiedenartigen und oft sogar einander entgegengesetzten Einzelinteressen zu gemeinsamem Vorteil aller in ein System zu bringen. Jetzt zwingt der Krieg dazu, alle Kräfte zusammenzufassen und das allgemeine Hilfswerk zu vereinheitlichen. Diese Organisation aber wird sicherlich den Krieg überdauern oder zumindestens zu neuen Formen überführen, auf die man ohne den Krieg in absehbarer Zeit kaum gekommen wäre. In der Tat sollte längst die palästinensische Judenschaft sich über Stadt und Land und über die verschiedenen Berufszweige in einer Weise verteilen, die von der Bildung eines geschlossenen Wirtschaftsgebietes nicht allzuweit entfernt wäre. Dann würden im Notfall geringfügige Zufuhren von außerhalb dieses Wirtschaftsgebiets hinreichen — ähnlich wie wir es m ganz großem Maßstabe jetzt an Deutschland sehen —. Einstweilen aber ist unser Wirtschaftswesen in Palästina noch so wenig systematisiert, daß selbst unsere Kolonien auf den Zukauf von Gemüse aus arabischer Hand angewiesen sind! Es steht zu hoffen, daß bei der Rührigkeit unseres dortigen Elements die Absatz- und Verpflegungsschwierigkeiten wenigstens zum Teil doch noch behoben werden. Auch die Kriegslage kann sich für dort ja eigentlich nur zum besseren wenden. Nicht unmöglich ist es sogar, daß für den Ausfall Londons der Kriegsbedarf der türkischen Armee bis zum gewissen Grade Ersatz schafft. Für alle Fälle wird man hoffen dürfen, daß für die palästinensische Judenheit der Krieg ohne Katastrophen vorübergehen und für eine gedeihliche Fortentwicklung manche neue Vorbedingungen schaffen wird. (Ein weiterer Artikel folgt.)