Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 3 (22.1.1915)
- Date
- 1915-01-22
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/9072829-9102856-9114195--00190-9073017- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 3 Das Jüdisch© Echo 19 politischen Gemeinden in Bayern zu den Kosten des jüdischen Religionsunterrichtes" hat unter diesem Titel Herr Lehrer Simon Dingf e 1 d e r in München erschöpfend in einem Referate behandelt, das er in der Ausschußsitzung des „Landesvereins für israelitische Kultusgemeinden in Bayern" am 22. Mai 1913 gehalten hat. Er weist darin an Hand statistischer Erhebungen nach, daß in Bezug auf Zuschüsse der politischen Gemeinden „München, die Landeshauptstadt, unter den bayerischen Groß- und Mittelgemeinden an letzter Stelle steht — und sogar von K 1 e i n gemeinden übertroffen wird." Herr G.-B. Siegel hat mit wünschenswerter Deutlichkeit darauf hingewiesen, daß es für die Juden Münchens noch einen Ausweg gebe, den sie betreten könnten, wenn ihr Ansuchen als unbegründet angesehen würde: Die Errichtung eigener Volksschulen. Jedenfalls werden durch die Beharrlichkeit der Stadtgemeinde viele von der Gegnerschaft gegen die jüdische Volksschule abkommen und die Reihen ihrer Freunde verstärken. Was die Persönlichkeit für den Einzelnen, ist die Nationalität für ein Volk; sie verleiht ihm selbstbewußte Kraft. Und wie der Einzelne, damit er ein echtes Mitglied der angestammten Familie werde, ihr in Treue und Liebe anhangen muß, so müssen die Einzelnen Treue und Liebe auch ihrer Nation erzeigen. Denn auch die Nation stellt, ähnlich wie die Familie, ein ethisches Ganze dar, das seine Festigkeit nicht so sehr in Gesetzen und wirtschaftlich gleichartigen Bedürfnissen findet, sondern in einer Herz und Willen erfüllenden Anhänglichkeit an den gleichen Geist, an die gleiche Geschichte, an die gleiche Sprache, an das gleiche Land. Graf Paul von HoensLroech, 14 Jahre Jesuit, S. 151. Wochen-Echo Das Kuratorium des „Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina" in Berlin hat Konkurs angemeldet. Das Technikum in Haifa soll am 1. März freihändig verkauft werden. Diese Folge des Sprachenstreits hätte vermieden werden können, wenn man die organisatorische Forderung des Hauptstifters, Herrn Wissotzky, der ein selbständiges Bureau und Sekretariat wünschte, erfüllt hätte. Die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Frankfurt a. M. gibt in einem Rundschreiben bekannt, daß bei der Herstellung von Mazzos überall strenge auf den Zusatz von 30% Roggenmehl geachtet werde, eine Beimischung, der zurzeit nach eingeholten autoritativen Gutachten keinerlei religiöse Bedenken entgegenstehen. Österreichische Juden in Bern haben sich beim dortigen Gesandten über die antisemitische Hetzarbeit der „Reichspost" durch Übergabe eines Memorandums, das an die österreichische Regierung weitergeleitet werden soll, beschwert. Am 2. Januar starb in Wien Karl Goldmark, der Komponist der „Königin von Saba". Er wurde unter Beteiligung aller Kreise zu Grabe getragen. Am 2. Januar konstituierte sich in Budapest ein aus Vertretern der Orthodoxie und Ncologie bestehendes Zentralkomitee für die galizischen Flüchtlinge. Die Kunde ist umso erfreulicher, als sie einer Verständigung beider Richtungen nur förderlich sein kann. In dem Komitee ist auch die zionistische Organisation vertreten, deren wertvolle Vorarbeiten für die Aktion verwertet werden sollen. Die „Voss. Zeitung" berichtigte die allerdings unter Vorbehalt durch deutsche Tagesblätter gegangene Nachricht, daß Max Nordau im „Temps" Deutschland angegriffen habe, dahin, daß die Mitteilungen des Pariser Blattes nichts anderes als Entstellungen seien. Unser Gesinnungsgenosse, Feldrabbiner Dr. Arthur L e v y, z. Z. in Lodz, erläßt einen — in den meisten jüdischen Blättern veröffentlichten — Offenen Brief an „The American Hebrew", worin es heißt: „Die Pogrome früherer Zeiten sind ein Nichts gegen die rasende Vernichtung jüdischer Häuser und jüdischen Lebens, die mit dem russischen Heere sich durch ganz Polen wälzt". Die Angriffe der griechischen Presse gegen die Juden in Saloniki haben einen solchen Grad erreicht, daß der griechische Premierminister sich veranlaßt sah, im Parlament dagegen sehr energisch Verwahrung einzulegen. Er hob die Bedeutung der Juden für die Entwicklung der griechischen Industrie in Saloniki hervor und betonte, daß in ihre Loyalität gegen Griechenland kein Zweifel gesetzt werden könne. Er schloß mit der Aufforderung, sich um ein friedliches Verhältnis zu den Juden zu bemühen. Der Chacham Baschi Nachum in Konstantinopel gewährte dem Korrespondenten des „Pesti Hirlap" eine Unterredung, in der er wörtlich sagte: „Wir Juden sind vor allem Juden. In der Türkei bestehen wir nicht nur als Konfession, sondern auch als Nation. Der Chacham Baschi ist nicht nur das religiöse, sondern auch das politische Haupt dieser Nationalität". Er erklärte, daß auch bei den Juden der Türkei der Krieg außerordentlich populär sei, da es gegen Rußland gehe, „wo das Los unserer jüdischen Brüder das denkbar trostloseste sei". Ende Dezember fand in Jerusalem ein Verbrüdeningsfest zwischen Juden und Arabern statt, an dem sich die angesehensten Männer beteiligten. ElieserBen Jehuda hielt eine hebräische. David J e 11 i n eine arabische Rede. Der einflußreiche Scheich Abdul Kader El M u z g a r erklärte von seiner Gegnerschaft gegen das jüdische Element abgekommen zu sein. Man beschloß die Gründung eines jüdisch-arabischen Komitees zur Durchführung der beabsichten Annäherung. Die „Guerre Sociale" teilt mit, daß die algerischen Juden im Feldheer als „Opfer des dummen