Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 2 (15.1.1915)
- Date
- 1915-01-15
- Page
- Seite 13 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 18 zuteil, was uns ihn glücklich preisen heißt. Er hatte eine schöne Jugend, einen erfolgreichen Aufstieg, ihm flogen die Herzen all derer zu, die ihm näher traten, sein Leben erhielt die Weihe durch seine Liebe zu Österreich, durch seine Dichtung; möge seine letzten Stunden der Gedanke verklärt haben, daß er sich als Dichter in das Herz der Mitmenschen hineingesungen hat. Über seinem Wesen liegt für uns der Schimmer jener großen Tage der frühzionistischen Bewegung gebreitet, die, weil sie starke Menschen brauchte, sie schuf und großzog — Jünger und Paladine Theodor H e r z 1 s. * * * Die Israelitische Kultusgemeinde in Eger hat sein Andenken dadurch geehrt, daß sie ihm in W'ürdigung seines Lebens und Wirkens ein Ehrengrab errichtete. Norbert Weldler. Von der Kriegshilfe jüdischer Frauen in München. In den Räumen der München-Loge in der Kaufingerstraße il ist seit Beginn des Krieges ein reges Leben erwacht . Den ganzen Tag steht die Türe nicht still von Leuten, die kommen und gehen, — und fast alle gehen freudiger, als sie gekommen. Denn jede — meist sind es ja Frauen — hat ein Anliegen, das sie herführt. Die eine braucht einen Rat, es ist eine schwere Zeit, die ganz andere Anforderungen stellt als frühere Zeiten, da ist's oft unmöglich sich allein zurechtzufinden. Und die Damen des jüdischen Frauenbundes hören freundlich zu und sprechen mit einem und raten. Und sie raten nicht nur, sie helfen auch, wo es nötig ist! Da gilt's einer Stellenlosen einen neuen Posten zu verschaffen, da einer Mutter die Sorge für den Unterhalt der Kinder abzunehmen, dort Kleider und Schuhe zu schaffen, die alten sind zerrissen und für neue reicht das Geld nicht. Für alle Fragen und Klagen gibt's ein williges Ohr. Nur muß alles klar und richtig angegeben werden, — für jeden einzelnen Fall wird ein Bogen ausgefüllt, der in die Ordner eingereiht wird. Manche Hilfesuchende wird an einen der anderen jüdischen Vereine verwiesen, mit denen der Frauenbund Hand in Hand arbeitet. Bald wird diese oder jene Helferin angerufen, die dem besonderen Fall ihren Schutz angedeihen lassen soll. So wird vieles zur Zufriedenheit erledigt. — Aber immer schwerer wird es, all die Frauen und Mädchen, die stellenlos geworden sind, unterzubringen, ihnen Arbeit und Verdienst zu verschaffen! Da ist's denn ein besonders Glück, daß der Frauenbund selbst fast immer Arbeit zu vergeben hat. Näh- und Stickarbeit. Eine ganze W'erkstätte ist dahinten in dem geräumigen Saal entstanden! Ballen von Stoffen liegen da, die für Soldatenhemden verarbeitet werden sollen, Stöße von Flanell für Leibbinden, Haufen von dicken Wollstoffen für Jacken, dort feldgraues Leinen für Helmüberzüge, hier besonders dicke Tuche für Fausthandschuhe. An dem langen Tisch stellen zwei Zuschneiderinnen die Arbeit bereit, für all die Frauen, die sie holen, um sie daheim fertig zu stellen . Draußen liegen hoch aufgestapelt die fertigen Waren, gebügelt — von der eigens dazu angestellten Büglerin — und gezählt zur Ablieferung bereit. Wohl 15 Nähmaschinen stehen im Saal, an denen fleißige Hände nähen. Die Leiterin geht umher und zeigt und richtet und lehrt; denn wer noch nicht nähen kann, wird hier erstaulich schnell und geschickt mit dieser Kunst vertraut gemacht, und nach wenigen Tagen schon hat er mit klingender Münze den Beweis, daß seine Arbeit etwas wert ist. Es sind nicht „Wohltätigkeitslöhne", die hier gezahlt werden! Sondern der ortsübliche Lohn für Heimarbeit. Keine glänzende Bezahlung, aber bei Fleiß und Übung ein auskömmlicher Tagesverdienst! — Fleißig und ruhig und ökonomisch wird gearbeitet. Kein Fetzchen geht verloren. Denn selbst die kleinsten Schnipfel werden zerzupft, als Füllung für Kissen verwendet, die unsern Verwundeten und Kriegern zugute kommen. Wenige Tage nur ist in der Arbeitsstube des Frauenbundes von unbezahlten Helferinnen gearbeitet worden. Als erste von allen Münchener Institutionen hat der Frauenbund unbezahlte Kräfte ausgeschaltet, und, um der Arbeitsnot zu steuern, nur noch bezahlte Arbeit abgegeben. Zu Anfang wurde aus Mitteln des Frauenbundes, einiger anderer Vereine und privater Spender (Ausgabe von Arbeitsbons!) Material angeschafft und Arbeitslöhne bezahlt. Alles, was gearbeitet wurde, wurde als Liebesgaben an Lazarette, Rekrutendepots und auch direkt ins Feld geschickt. Bis zum Dezember waren dies nach Angaben der Leiterin etwa 100 Dutzend Hemden, 45 Dutzend Socken, 20 Dutzend Leibbinden. Aber erst als verschiedene Geschäfte und auch das Bekleidungsamt selbst, große Lieferungen der Arbeitsstätte übertrugen, konnte sie sich zu dem bedeutenden Umfang entwickeln, in dem sie heute so segensreich arbeitet. Bis Anfang Dezember hatte sie 500 bis 600 Arbeiterinnen beschäftigt. Diese umfassende Organisation zu schaffen, war die Ortsgruppe des jüdischen Frauenbundes besonders geeignet. Hatte sie doch schon über ein Jahr eine gutarbeitende Stellen- und Arbeitsvermittlung mit täglicher Sprechstunde; hatte also das Bureau und geschulte Arbeitskräfte, hatte außerdem durch ihr System der „Helferinnen" eine Schar fleißiger Mitarbeiterinnen zur Hand. Da war es fast eine Selbstverständlichkeit, daß bei Ausbruch des Krieges die Ortsgruppe des jüdischen Frauenbundes es war, die den Opferwillen so vieler und die Hilfsbereitschaft, die alle jüdischen Frauen und Mädchen ergriffen hatte, zusammenfaßte, sie organisierte und zentralisierte und so die Arbeit leistete, die der Augenblick erforderte. R. St. H' Feuilleton Die Flucht der van Spandows Eine Novelle von Arnold Zweig*) 3. Sie fühlte sich sehr als Jüdin. Sie war die Tochter des ältesten und auserwähltesten Volkes, das stark und zäh auf der Erde lebte, ein unzerstörtes Zeugnis aus der Zeit, in der die Pyramiden aufgetürmt wurden und das; zuchtlose Babylon die Welt beherrschte. Nicht, daß sie je hätte empfinden müssen, wie sehr dieses Volk zugleich das verachtetste war; man lebte in Frieden und Duldsamkeit mit den christlichen Mitbürgern zusammen, von der Wirkung der Aufklärung, des gro- *) Der Verfasser der Novelle wünscht den in der ersten Nummer irrtümlich gebrachten Titel durch den oben angeführten ersetzt zu sehen.