Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 2 (15.1.1915)
- Date
- 1915-01-15
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Das Jüdische Echo Nr. 2 national-antisemitischen Übermacht am wenigsten bange machen ließen. In allem, darf man sagen, war er nicht durch Worte, sondern durch sein Beispiel ein Erzieher seiner Altersgenossen und der nachrückenden Jugend, der er sich als einem bieg- und lenksamen Material besonders eingehend widmete. Er wies ihr nicht nur Wege durch sein Wissen, lenkte ihre Blicke nicht nur auf die Schönheiten der Schöpfungen jüdischen Geistes, lehrte sie nicht nur die Hingabe an das Ideal der jüdischen Befreiung, sondern übertrug auf sie auch die Sehnsucht, nach eigenem Glück und Frieden zu streben. So gab es unter seiner Führung, lange bevor in nichtjüdischen oder jüdischen Kreisen die Naturbewegung einsetzte, für seine aus dem Wiener Großstadtreservoir kommenden, naturfremden Freunde Ausflüge und Wanderungen, hinaus ins Freie, in den Wienerwald, ins Donautal, wo sich Brust und Herz dehnen konnten. Denn auch die Seele muß gesunden, lehrte sein Meister Theodor H e r z 1, indem der Einzelne wie das Volk sich zurückfinde zu Boden, Feld, Bäumen und Blumen, die für jüdisches Geblüt bald zu Begriffen verblaßt waren. Zuckermann hinderte seine poetische Neigung nicht, auch praktische Arbeit zu leisten. Er ist der Anreger und Mitbegründer einiger Vereine, die noch heute in der zionistischen Organisation mit Ehren bestehen, des durch seine lokalen Leistuneen rühmlich bekannten „Jüdischen Volksvereins" in Prag, des Vereins „Ahavath Zion" in Eger, der vorbildlichen oder zum Vorbild gewordenen Studentenvereine „Bar Kochba" in Prag und „Theodor Herzl" in Wien, welch letzterer unsere Beziehungen enger knüpfte. Auch nach Beendigung seiner Studien hörte Zuckermann nicht auf, seine Fähigkeiten der Wiederbelebung eines dahinsiechenden Judentums zu widmen. Er gehörte widerholt zur Leitung des zionistischen Distrikskomitees von Innerösterreich; er war nach seiner Übersiedlung nach Meran, wo er sich als Advokat niederließ, einer der eifrigsten Befürworter der Errichtung einer israelitischen Kultusgemeinde in Meran, wurde auch in deren Vorstand gewählt und zwar, ein Zeichen seiner Überzeugungstreue, auf seinen Wunsch ausdrücklich als Zionist. In seinem Amte legte er den Grund für die Meraner „Chewra Kadischah", in der er selbst bereit zu tun, was er von anderen forderte, die Pflichten eines Bruders miterfüllte. * * * Kaum ein Jahr in Meran ansässig, durfte sich Dr. Hugo Zuckermann der Sympathien aller jüdischen und nichtjüdischen Kreise erfreuen. Von dort eilte er als Leutnant zu den Waffen, zum „Rachezug für Kischenew", wie er es nannte. Vier Monate stand er im Felde, und obwohl er sich eine schwere Lungenentzündung holte, kehrte er, kaum hergestellt, auf seinen Posten zurück, machte auf dem serbischen Kriegsschauplatze und in den Karpathen 31 Gefechte mit, dann suchten die Kugeln auch in ihm ihr Opfer. Zu Tode getroffen, dichtete er sein Schwanenlied. Mit den wie aus einer schweratmenden Brust kurz hervorgestoßenen Sätzen, mit dem ehernen Haß, den Kommandos gleichmutenden Apostrophierungen: mit dem strengen Rhythmus, der immer zu mächtiger werdenden Akkorden anschwellenden Steigerung gehört es zu den kostbarsten Erzeugnissen der jungjüdischen Poesie. Es verdient, wie das Reiterlied, unvergänglich zu sein. Es ist das letzte Zeugnis seiner Liebe zum jüdischen Volke, sein Vermächtnis an uns Lebende. Makkabäer 5 67 5. Heute darf ich den Genossen Makkabäerlieder sagen, Weil ich selbst ein Schwert getragen Und mein rotes Blut vergossen. Heute keine Siegeslieder, Heute keine Freudenkerzen, Beugt euch mit zerrissnem Herzen Zur entweihten Erde nieder. Noch ist nicht die Zeit vollendet, Noch ist nicht das Land gereinigt, Noch wird unser Volk gesteinigt, Unsere Tempel sind geschändet. Keiner festlich hellen Stuben Siebenarmig Lichterschimmern, Über Scherben, Schutt und Trümmern Raufen sich zerlumpte Buben. In den weihedunklen Schulen Stampfen die Kosakenrosse, Nach dem Lied der letzten Posse Walzen zwei betrunkne Buhlen. Unter der Granaten Pochen, Die den Friedhof gut getroffen — Alle Gräber gähnen offen — Speit die Erde Totenknochen. Darum keine Siegeslieder, Darum keine Freudenkerzen, Beugt euch mit zerrißnem Herzen Zur entweihten Erde nieder. In die harten Fäuste pressen Sollt ihr fest zwei Erdenbrocken, Meine Rechte werde trocken, Könnt ich deiner je vergessen, Deiner Seufzen, deiner Tränen, Deiner Schwären, deiner Schande, Judenvolk im Polenlande, In dem Rachen der Hyänen. Wer ein gutes Schwert kann schwingen, Wer noch kann die Büchse tragen, Wer da kann die Trommel schlagen, Soll den Arm zum Opfer bringen. Wer die Berge kann bezwingen, Wen ein flinkes Roß getragen, Wer sich auf den Mast will wagen, Soll die Beine uns verdingen. Eure Künste, euer Streben, Eure festen Daseinsplätze, Eure Häuser, eure Schätze Heischen wir und: Euer Leben. Euer Leben, daß nicht sterbe Väterart und Vätererbe. Macht den Tempel wieder rein, Laßt uns Makkabäer sein! Vom Schlachtfeld wurde er in sein Elternhaus nach Eger verbracht. Die Nachricht von seiner Beförderung traf ihn nicht mehr am Leben. Am 23. Dezember hauchte er seine tapfere Seele aus. Nun ist er dahin. Ein Gedanke, an den sich seine Freunde, so viele auch jetzt aus unserem nahen Umkreise entrafft werden, nur schwer werden gewöhnen können. Sei's drum! Ihm wurde