Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 12 (Dez. 1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- Seite 135 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Das Jüdische Echo 135 Sinn dieses Kampfes. Und was tun wir aus eigener Kraft zur Erreichung des hohen Zieles? Ich finde das Beste, was wir tun können: uns in jedem unserer Vaterländer als ein zuverlässiges, treues Element zu erweisen, das genug Zucht in sich trägt, um selbst den eigenen jüdischen Volksgenossen, wenn das Schicksal es ihm auferlegt, als einen Feind zu behandeln. Hier gilt nicht Kleinmut und Sentimentalität! Dieser jüdische Bruderkrieg ist nicht so schrecklich und unmenschlich wie der des Juda Makkabi gegen seine jüdischen Feinde! Er ist ein Unglück für unser Volk, aber keine Schmach! Aber ihm fehlt die innere Reinigung, die seelische Erhebung des Makkabäerkampfes. Vergessen wir nicht, daß wir als Juden im Grunde doch nur für äußere Befreiung kämpfen, für die Aufhebung eines überlebten mittelalterlichen Erbes. Juda Makkabi rettete das Judentum von innen heraus. Dieser Krieg gibt uns im besten Falle die äußeren Vorbedingungen für eine gedeihliche Friedensarbeit. Er schafft uns vielleicht die langersehnten menschlichen Fundamente, auf die gestützt das Volk endlich zur normalen Fruchtbarmachung der in ihm schlummernden Kräfte gelangen wird. Das Tapferkeitsideal der Hasmonäer leuchtet in diesen Tagen im Auge eines jeden jüdischen Kriegers. Sein Schwertstreich gilt seiner Befreiung von vampyrhafter Umklammerung (in Rußland) und der Beseitigung überlieferter Vorurteile. Aber seine Freiheit, die wahre Wende seines Schicksals erkämpft Ahasver heute nicht durchs Schwert, auch ist sie nicht das fertige Geschenk politischer Machtverschiebungen und internationaler Abkommen. Die Freiheit, die Juda Makkabi meinte, wird, so seltsam es klingen mag, heute nur durch eine sinnvolle Erneuerung unseres kulturellen Gutes auf jüdischem Boden sich vollenden lassen. Da der Fortschritt sich nicht zuerst an der Menschheit im ganzen, sondern zuerst in den Nationen vollzieht, so ist es unmöglich, ihm anders zu dienen, als indem jedermann Ärbeit innerhalb seines Volkes tut. Äus Paul Rohrbachs Buch „Der deutsche Gedanken in der Welt" Der Zic Von Max Die Gegner des Zionismus — Persönliche Gegner -- Gegner aus Unverstand oder schlechtem Glauben — Der Geist, der stets verneint — Die jüdische Nationalität conditio sine qua non — Die Assimilanten — Zwei Millionen gegen zehn — Die Wiedervereinigung in Palästina und die Lage der Zurückbleibenden — Ueberwindung von Schwierigkeiten — Unsere Zuversicht V. Ich habe mich bemüht, so kurz und objektiv wie möglich zu zeigen, was der Zionismus ist, was er will, wie er entstanden ist und wie er sich bisher entwickelt hat. Ich habe auch wiederholt erwähnt, daß ihm aus der Judenschaft heraus überaus heftige Gegner erwachsen sind. Mit diesen zu polemisieren, betrachte ich nicht als die Aufgabe dieser leidenschaftslos referierenden Studie. Eine bloße Polemik vor Lesern, die sich bloß orientieren wollen, wäre unfruchtbar und geschmacklos. Es seien den Gegnern des Zionismus deshalb bloß einige rasche Bemerkungen gewidmet. Viele von ihnen beschränken sich darauf, die Führer der zionistischen Bewegung zu verleumden und zu beschimpfen. Diese Art der Anfeindung können die Begeiferten verachten. Gegner, die mit solchen Waffen kämpfen, stehen sittlich so tief unter ihnen, daß sie gar nicht in ihren Gesichtskreis hineinragen. Männer, die, ohne den leisesten Vorteil für sich zu erwarten, aus reinster, uneigennützigster Liebe zu ihren unglücklichen Stammesgenossen, aus Ehrfurcht vor ihren Vorfahren im Grabe, aus allgemeiner Menschenfreundlichkeit die schwersten Opfer an Geld, Zeit, Kraft und Gesundheit für die Hebung ihres Volkes und für die Befreiung von Millionen schuldlos verfolgter Menschen aus bitterstem Elend bringen, haben das Recht, lächelnd die Achsel zu zucken, wenn unzurechnungsfähige Fanatiker oder bemit- N o r d a u leidenswerte Lohnschreiber ihnen Eigennutz oder Eitelkeit vorwerfen. Neben diesen untergeordneten Gegnern gibt es auch solche, die nicht lediglich lügen oder verleumden, sondern auch zu argumentieren suchen. Sie vergleichen gern die Apostel des Zionismus mit den falschen Messiasen von der Art des berüchtigten Sabbathai Zewi, die in der jüdischen Geschichte eine nur allzuhäufige Erscheinung sind und die über das von ihnen betörte jüdische Volk immer das schwerste Urteil gebracht haben. Den Zionismus mit den Schwärmereien oder Betrügereien der falschen Messiase vom Schlage eines Sabbathai Zewi zu vergleichen, setzt sehr viel Unverstand oder schlechten Glauben voraus. Den Zionismus kennzeichnet gerade die Abwesenheit jedes mystischen Elements. Er verspricht seinen Anhängern keine Wunder, er schärft ihnen vielmehr immer ein, daß ihre Befreiung aus einer als unleidlich empfundenen Lage nur ihr eigenes Werk, nur die Frucht einer langen, schweren, allgemeinen Anstrengung sein könne. Man nennt den Zionismus einen Traum und bestreitet, daß seine praktische Verwirklichung möglich sei. Auf die Einwände dieser Kategorie ist von den Zionisten hundertmal überzeugend geantwortet worden. Diese einfach verneinende Kritik kann man auf sich beruhen lassen. Ihre einzig richtige Widerlegung sind Taten, wie der Zionismus sie schon getan hat und weiter zu tun gedenkt. Der eine Punkt, der die Möglichkeit einer Verständigung zwischen Zionisten und nicht zionistischen Juden wahrscheinlich für immer ausschließt, ist die Frage der jüdischen Nationalität. Wer behauptet und glaubt, daß die Juden kein Volk