Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 10 (Okt. 1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- Seite 114 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Das Jüdische Echo Nr. 10 Einen Tag hinter uns war eine zweite Gruppe aus Jaffa und Jerusalem aufgebrochen, um unserem Weg zu folgen, wieder einen Tag später eine dritte. Alle sind glücklich angelangt, zusammen 150 Mann. Unter diesen waren 15 deutsch e Juden, eine recht stattliche Ziffer. Wir kamen freudig, weil nicht nur die Pflicht, sondern vor allem die Liebe zu unserem Geburtslande uns rief, wir Zionisten, die wir unser Leben auf Palästina gestellt haben. Ich meine, würdiger als durch lange Reden haben wir gezeigt, wie verächtlich das Gerede unserer lieben Anti-Zionisten ist, die uns diese Gefühle abstreiten wollen. Sie kennen unser Herz wirklich nicht. Unser Leitsatz — möge er bald auch der ihre sein — ist und bleibt: In allen jüdischen Fragen sind wir Juden, in allen deutschen Deutsche. Eiserne Kreuze Bamberg. Der Einjährige des 5. Infanterie- Regiments, Emil K o h n, Sohn des hiesigen Viehhändlers Herrn Heßlein Kohn, hat das Eiserne Kreuz bekommen und wurde gleichzeitig zum Unteroffizier befördert. Der mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnete Organisator sozialdemokratischer Jugendvereine, Herr Michael Schwarz, ist entgegen der Annahme einiger jüdischer Blätter kein Jude. Jebenhausen. Der Sohn des Kaufmanns Naphtali Reichenberger i. Fa. Gebr. Sulzer, Einjährig- Gefreiter Hermann Reichenberger, hat das Eiserne Kreuz erhalten. Er dient im 6. bayerischen Feld-Artillerie-Regiment. München. Der Einjährig - Freiwillige - Gefreite Hermann Rosenau, Sohn des Hofjuweliers Rosenau, hat für einen Radfahrer-Meldedienst mitten durch ein brennendes Dorf, wobei ihm die Uniform versengt wurde, das Eiserne Kreuz erhalten. München. Unser Gesinnungsgenosse E m a - n u e 1 Röhr, Mitglied der Jordania, ist durch Verleihung des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet worden. München. Der Assistenzarzt d. R. Dr. Max Kirschner aus München, Sohn des Herrn Prof. Oberkantor E. Kirschner, der kürzlich bei heftigstem Granatfeuer ca. 100 Verwundeten in einem Walde die erste Hilfe leistete, bevor ihre eigene Sanitätsabteilung herankam, hat sich weiter dadurch ausgezeichnet, daJ3 er bei einem nächtlichen Patrouillenritte in einem brennenden Dorfe aus einem brennenden Hause sechs verwundete Franzosen dem Verderben entriß, indem er sie hinausbefördern ließ und verband. Er wurde dafür mit dem Eisernen Kreuz belohnt. München. Herr Max Niedermeier, Sohn des Herrn Kommerzienrates Hermann Niedermeier, hat sich das Eiserne Kreuz erworben. Nürnberg. Der Unteroffizier Leo Mohr erhielt für freiwillige, unter heftigstem Kugelregen stattgefundene Melderitte zwischen der Führung und Feuerlinie das Eiserne Kreuz und die Ernennung zum Vizewachtmeister. Beim fünften der Ritte, von denen ihm die letzten drei freigestellt waren, wurde dem kaltblütigen Soldaten das Pferd unter dem Leib erschossen. Nürnberg. Her Julius Graf, Sohn des Kaufmanns Adolf Graf, hat das Eiserne Kreuz erhalten. Er dient im 8. bayerischen Feld-Artillerie- Regiment. Frankfurt a. M. Rechtsanwalt Lucian Kahn, Reserveleutnant im 10. Bayerischen Reserve- Infanterieregiment, hat das Eiserne Kreuz erhalten. Eschweiler. Herr Fritz Mordechai Kaufmann aus Eschweiler i. Rhld., Redakteur der alljüdischen Revue „Die Freistatt", erhielt das Eiserne Kreuz ,weil er eine sehr gefährliche und wichtige Patrouille gegen die Engländer erfolgreich durchführte. Augsburg. Die jüdische Gemeinde wetteifert mit denen anderer Orte in der Beteiligung an Spenden und Mitarbeit für die verschiedenen Zweige der Kriegsfürsorge. Zur Bürgerwehr haben sich 30 Juden gemeldet. 45 jüdische Soldaten besuchten anläßlich ihrer Vereidigung die Synagoge. Bechhofen. Unsere alte, ganz aus Holz gebaute Synagoge, ein kulturhistorisches Denkmal von bedeutendem Werte, sah am ersten Selichoth- Tage eine stattliche Anzahl Menschen unter ihrem Dache. — Synagogeneinweihung. —In viermonatlicher Arbeit hatte Kunstmaler P f 1 e i d e r e r vom Kgl. Konservatorium München meisterhaft die aus dem Jahre 1732 stammenden Malereien des ausgemalten Gotteshauses restauriert. Dem Ernst der Zeit entsprechend, ging die Feier schlicht und würdig vor sich. Nach kurzer Ansprache im bisherigen provisorischen Betlokale schritt man unter Absingen der Psalmen 24 und 29 (Lehrer S c h a p i r o) mit sämtlichen Thorarollen zur Synagoge. Herr Distriktsrabbiner Dr. Kohn aus Ansbach hielt die Weiherede. Er dankte der Kgl. Regierung für tatkräftige Unterstützung (4500 Mark Zuschuß zur Restaurierung) und dem Künstler für seine vortreffliche, kunstverständige Arbeit. Das Königsgebet beschloß die Feier. L. S. Günzenhausen. In der jüdischen Gemeinde wurde eine nochmalige Sammlung für die Verwundeten- und Hinterbliebenenfürsorge eingeleitet, die eine ansehnliche Summe erbrachte. Auch für die Hilfsmarken des Jüdischen Nationalfonds gingen bis jetzt 25 Mark ein. Kitzingen. Zu Beginn des Monates September wurde eine Schule der Kultusgemeinde eröffnet, an der zwei Lehrer und eine Lehrerin angestellt wurden. München. Am 4. Oktober ist in München im 64. Lebensjahr Frau Anna Feucht wanger nach kurzer Krankheit gestorben. Die Entschlafene wohnte bis zu dem vor 8 Jahren erfolgten Ableben ihres Gatten, des Bankiers Benjamin Feuchtwanger in Fürth und ist dann in ihre Vaterstadt München zurückgekehrt. Für die zionistische Sache hat sie ebenso wie ihr Gatte lebhaftes Interesse bekundet. Sie hat zwei Reisen nach dem heiligen Lande unternommen und dem Andenken ihres Gatten ein Armenhaus in Jerusalem gestiftet. Die Bestattung erfolgte ihrem Wunsche entsprechend in Fürth. München. Bei den schweren Kämpfen im Oberelsaß in den ersten Septembertagen ist leider