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Das jüdische Echo · 1914-10-01 · 10 (Okt. 1914) · p. Seite 113

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
10 (Okt. 1914)
Date
1914-10-01
Page
Seite 113 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 113 Äufruf! Palästina ist von einer schweren wirtschaftlichen Krise heimgesucht. Obwohl auch bei uns infolge des Krieges große Not herrscht, ist es doch unsere Pflicht, der wackeren Pioniere in Palästina nicht zu vergessen, welche nunmehr unter doppelten Schwierigkeiten ihre Arbeit zu leisten haben. Jeder von Euch wird die Notwendigkeit einsehen, das begonnene Kolonisationswerk ietzt nicht im Stiche zu lassen. Jeder spende daher für unseren Fonds nach seinem Vermögen! Jeder spende rasch und reichlich! Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds. Eine Kriegsfahrt aus Palästina Von Dr. Elias Auerbach aus Haifa, z. Zt. Oberarzt d. R. im Lazarett Fürth. Als die deutsche Mobilmachungsorder am 3. August in Haifa eintraf, stellten sich 36 deutsche Reservisten und Landwehrleute dem Konsulate, unter ihnen außer mir noch zwei Juden, Dr. Treidel, Chemiker an der landwirtschaftlichen Versuchsstation Atlit, und Oberlehrer Tac h a u e r von der hebräischen Realschule in Haifa. Die gewöhnliche Route über das Mittelmeer hätte uns in die sichere Gefangenschaft geführt, und so entschlossen wir uns nach einigem Zögern, die schwierige Reise zu Land durch Syrien und Kleinasien nach Konstantinopel zu machen, ein Weg, der wohl bisher überhaupt nur von einigen reisenden Forschern gewählt worden ist. Niemand konnte uns Auskunft über die Dauer der Fahrt, ja auch nur über den Weg selbst geben. Am 8. August führte uns die Hedschasbahn nach Damaskus. Vorbei am Tiberias-See, in mühsamem Aufstieg das Jarmuktal hinauf, über die großartige Landschaft des Antilibanon, und oben weiter durch die glühende Basaltebene westlich des Hauran und die trostlose Hochwüste, die sich bis kurz vor Damaskus hinzieht. In der sinkenden Sonne bot uns dann die paradiesische Oase von Damaskus einen bezaubernden Anblick. Nur wenige Stunden weilten wir hier. Um Mitternacht fuhren wir weiter nach Aleppo, mit einem Empfehlungsbrief des türkischen Eisenbahn- Kommandanten. Wieder lief der Zug Stunde auf Stunde (recht langsam, denn die türkische Mobilisation hatte begonnen) durch Einöde, die nur bei Horns und Hama durch märchenschöne Gärten unterbrochen wurde, bis wir am nächsten Abend in Aleppo anlangten. Hier wurden wir aufs herzlichste von der deutschen Kolonie, die durch den Bau der Bagdadbahn in Aleppo entstanden ist, empfangen, gelabt, beraten und weitergesandt. Und nun begann der schwierigste Teil der Reise. Bald hinter Aleppo ist die Bagdadbahn vorläufig zu Ende und es galt zunächst, das Amanus- Gebirge (auch Antitaurus genannt) zu Fuß zu überqueren, um nach Alexandrette am Mittelmeer zu gelangen. Mit frischem Mut zogen wir los, das Gepäck auf Tragetieren, die Schuhe genagelt, einen kleinen Wasservorrat in Ziegenschläuchen, mit Mundvorrat versehen. Wegen der gewaltigen Hitze rasteten wir nach kurzem Marsch den ganzen Nachmittag, um dann eine ganze silberhelle Mondnacht zu durchwandern. Bis zum Morgen hatten wir 52 Kilometer hinter uns gebracht, bis zu einer elenden Raststätte („Han"), el Hammam. Sie führt ihren Namen, das Warmbad, nach einer Schwefelquelle von etwa 32° C, die uns wundervoll erfrischte. Wieder brachen wir abends auf und durchquerten ein gewaltiges Sumpfgebiet, das heute die einst so fruchtbare Ebene des alten Antiochia füllt. Am dritten Tage, nach kurzer Ruhe in den frühen Morgenstunden, überschritten wir in glühendem Sonnenbrande den Amanus im Passe von Beilan, auf den Spuren Xenophon's, durch die „syrischen Tore". Das entzückend gelegene Städtchen Beilan trieft von rieselnden klaren Quellen, und wir tranken uns satt und voll nach den kärglichen Rationen, die uns bisher von Wasser zugemessen waren. Am Abend waren wir in Alexandrette. Eine Tagrast, ein Meerbad, Orientierung über den Weg und weiter gings. Wieder ein Stückchen Bahn, 4 Stunden, bis an den Fuß des Taurus, dessen Schneehäupter nicht gerade verheißend grüßten. Kurz nach Mittag begannen wir den mühsamen Aufstieg von Dorak aus, der letzten Bahnstation, wieder in sengender Hitze und drückendem Wassermangel. Hier lernten wir deutsche Kulturarbeit schätzen. Wir folgten der von der Bagdadbahn zur Materialbeförderung gebauten Straße, die in kühner Linie höher und höher steigt, in eine Landschaft von alpiner Großartigkeit. Gerade, als die Dunkelheit sich herabsenkte, erreichten wir Hadjkörö, die erste Bausektion der Bagdadbahn, eine kleine Kolonie von Baracken. Das war eine Labung im Hause des Ingenieurs (das übrigens mit geradezu erstaunlicher Behaglichkeit eingerichtet ist)! Eiskaltes Quellwasser, das bis hier herauf geleitet wird, ein Kalb, das uns zu Ehren geschlachtet wurde, und ein richtiges Bett! Weiter hinauf! In Kudjkular erreichten wir die Paßhöhe bei 1200 Meter, immer noch auf der Straße der Bagdadbahn, und nun ging diese hinab in die grandiose Schlucht eines tosenden Bergstromes, dem wir stromauf folgten. Noch eine Nacht in einer Bausektion der Bahn und am nächsten Vormittag trafen wir in Bosanti die erste Station der Anatolischen Bahn, die uns durch Kleinasien nach Konstantinopel führen sollte. Zwei Tage und zwei Nächte fuhren wir so, eng zusammengepfercht, mit 20 Kilometer Geschwindigkeit in der Stunde, denn immer massenhafter wurden die Truppenmengen, die nach der Hauptstadt hinströmten. Diese Mobilisation der Türkei vollzog sich, wenn auch natürlich unendlich langsamer als in Deutschland, mit staunenswerter Ordnung und Ruhe. Und es war für uns ein ermutigender Auftakt für das große Drama, dem wir entgegengingen, daß alle diese Massen durchaus für Deutschland gestimmt waren. Uberall wurden wir aufs freundlichste begrüßt. Endlich, nach 12 Tagen, trafen wir in Haidar Pascha, auf dem asiatischen Ufer des Bosporus, ein und setzten nach der Stadt am Goldenen Horn über. Werden wir weiterkommen? Gibt es noch neutrale Staaten? Es ging, und wir können das Weitere ganz kurz berichten. Wir fanden mühsam Seitenbahnen durch Bulgarien Und Rumänien, wir stiegen um, warteten, übernachteten auf Bahnhöfen, stiegen wieder um — endlich erreichten wir die ungarische Grenze und fühlten uns geborgen. Wir wurden mit Begeisterung empfangen, in Großwardein wurden wir der Gegenstand patriotischer Demonstrationen, in Budapest und Wien sahen wir die Wunden, die der Krieg schlägt, große Züge mit Verletzten, und endlich, in der Nacht vom 29. zum 30. August erreichten wir in Passau die deutsche Grenze.

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