Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 8 (August 1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Das Jüdische Echo 93 mit den Bestrebungen der polnischen Nation solidarisch fühlen und alle Vorsorge für die im Felde stellenden Truppen treffen werden. Der Aufruf ist unterzeichnet von den angesehensten jüdischen Burgern Krakaus. Diese gehören sämtlichen jüdischen Parteien an, von den Zionisten bis zu den jüdischen Sozialdemokraten und den jüdischen Orthodoxen. (Dieser Aufruf ist bemerkenswert, da die Juden in Qalizien einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung ausmachen, der bisher mit den Polen nicht immer im besten Einvernehmen lebte.) Die redaktionelle Bemerkung der „M. N. N." erweckt den Eindruck, daß die Juden Qaliziens die Friedensstörer waren. Wer die Verhältnisse etwas kennt, weiß sie richtigzustellen. Das „Berliner Tagblatt" erhielt folgende am 14. August veröffentlichte Zuschrift: „Wo ist Max Nordau? Max Nordau, der hervorragende Schriftsteller, der in Paris lebte, ist seit dem Ausbruch der Feindseligkeiten verschollen. Nordau hielt sich bis zum Sennabend der deutschen Mobilmachung in Paris auf. Er mußte dann in ein französisches Seebad reisen, um seine dort weilende ahnungslose Familie heimzuholen. Es fehlt seitdem jede Spur von ihm. Man weiß nicht, ob er die Seinen erreicht hat, und ob es ihm gelungen ist, den Feindseligkeiten gegen die Deutschen zu entgehen. Er hatte die Absicht, nach dem Zusammentreffen mit seiner Familie nach der Schweiz zu reisen. Da aber zu dem Zeitpunkt, an dem er sich frühestens nach der Schweiz hätte begeben können, bereits eine Reise dahin nicht mehr möglich war, ist mit der Befürchtung zu rechnen, daß er in Frankreich zurückgehalten worden ist." Egj Gemeinden-Echo B3 ^^^^^iii im in Hl n Iii Ii ni in ii um ii in iiiiii iii im ii Iii inuiiininiiiiiimW^^Wr Kriegsbericht vom Lande. Der Krieg hat natürlicher Weise alle unsere öffentlichen Angelegenheiten erstickt. Der Anteil der Juden an der bayerischen Armee ist unverhältnismäßig groß. Viel größer als der prozentuale Einwohnersatz. Das ist erfreulich. In fast allen Synagogen werden Bittgebete verrichtet. Fast jedes Distrikts-Rabbinat hat andere Anordnungen getroffen. Auch in dieser wichtigen äußeren Angelegenheit hat sich die Fiktion durchgesetzt, daß kein Rabbiner nach dem andern etwas zu fragen hat. Allenthalben wird der Krieg als ein „heiliger Krieg" — in religiösem Sinne — betrachtet. Die Begeisterung der jüdischen Krieger und die Hilfsbereitschaft der Familien ist erhebend und der großen Sache würdig. Der Wunsch, im Interesse der Kultusgemeinden die Unabkömmlichkeit der Rabbiner und Kultusbeamten zu beantragen, wurde von den beteiligten Beamten- Kriegern nicht geteilt. Sie wollen ausziehen zur Ehre der Nation; sie fühlen sich unabkömmlich — im Felde. Die nichtfelddiensttaugliche Beamtenmannschaft bringt gerne die Opfer der Aushilfe — alles zur höheren Ehre des Vaterlandes. Der Geist der Zusammengehörigkeit aller Stämme und Stände beherrscht auch das bayerische Judentum. Siegen - - und nicht unterliegen — ist die Parole. Traurig ist es bestellt mit den russischen und polnischen Wanderarmen. ^ie füllen die Gefängnisse der Landstädtchen. Wer kann ihnen Hilfe bringen? Würzburger Echo. Eine stattliche Zahl Kriegsfreiwilliger kontingentiert aus der jüdischen Gemeinde; besonders haben sich fast alle jüdischen Schüler der oberen Klassen der höheren Lehranstalten zur Fahne gemeldet. In der Synagoge wurde ein feierlicher Bittgottesdienst abgehalten; tief ergreifend wirkte die Predigt, in der der greise Rabbi den aufgezwungenen Krieg voll feuriger, geradezu jugendlicher Begeisterung als einen heiligen Krieg darstellte. Die goldene Jubelfeier der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt, die am 9. und 10. August festlich begangen werden sollte, mußte natürlich auch verschoben werden. Ein erheblicher Teil der Schüler der oberen Jahrgänge wird mit ins Feld rücken. Die jüdische Lehrerschaft ist überhaupt in den Reihen der deutschen Fechter in stolzer Zahl vertreten, zum größten Teil sogar in gehobenen Stellungen. Ein älterer jüdischer Lehrer in Würzburgs Nähe schickt vier Söhne und 2 Schwiegersöhne zum Heer. Daß sich die jüdischen Einwohner Würzburgs im einzelnen sowie die verschiedenen jüdischen Vereine und Gesellschaften in den Dienst der Liebestätigkeit für die Krieger im Feld wie deren Familien in der Heimat mit heiligem Eifer stellen, bedarf als selbstverständlich eigentlich kaum der besonderen Erwähnung. Auch eine unschöne Blüte treibt der Baum der nationalen Erregung mitunter. In den ersten Kriegstagen, als die Spionenriecherei in höchstem Grade grassierte, entstand in Würzburg plötzlich das Gerücht, ein jüdischer Warenhausbesitzer, dessen Name etwas östlichen Klang hat, beherberge russische Spione. Der Janhagel wollte sich natürlich eine solch schöne Gelegenheit zu Exzessen nicht entgehen lassen. Doch die besonnenen Elemente ließen es nicht dazu kommen. In kürzester Frist war alles als ein unsauberes Konkurrenzmanöver erklärt. Ist ja auch der betreffende Kaufmann trotz des Namens geborener — nicht erst naturalisierter — Deutscher und ist seine große Wohltätigkeit, sein gemeinnütziges Wirken allgemein bekannt und anerkannt. Daß die Affäre etwas für die Bierbankpolitiker war, läßt sich denken. „Wenn es wahr gewesen wäre, dann wäre es euch Juden in Würzburg schlecht gegangen", meinte solch ein Bierbankheld. Da erhob sich vom nächsten Biertisch ein hünenhafter Droschkenkutscher: „Red' kein solches Wörtle mehr, sonst fliegste raus; jetzt gibts ke Jude und ke andere; jetzt gibts nur Deutsche." Und kleinlaut gab der erste bei: „Ich hab's nicht so gemeint." Ja, die Not eint! Ein herzerhebendes Bild der Einheit zeigte dieser Tage auch die wahrste Stätte des Friedens, der jüdische Friedhof. Ein jüdischer Unteroffizier war tötlich verunglückt. Ein sehr großer Leichenzug gab ihm das letzte Ehrensreleite. Und am Grabe sprachen die berufenen Vertreter des Judentums wie die Vertreter der staatlichen und militärischen Hoheit. Ein tröstlich Bild in schwerer Zeit. Am 9. Ab rollten die Kries:swürfel. Der Ab aber heißt der Trosttnond. Hoffen wir! Walters. Nürnberger Echo. Mitten in unsere Vorbereitungen für die jüdische Herbstarbeit flog die Kriegsfackel. Was blieb, war nur der eine Gedanke: Das Vaterland ist in Gefahr! Auf zu den Fahnen! Und wie