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Das jüdische Echo · 1914-08-01 · 8 (August 1914) · p. Seite 92

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
8 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
Seite 92 (sequence 4)
Language
German
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92 Das Jüdische Echo Nr. 8 Augenblick der vaterländischen Gefahr; vielleicht diesen Schmerz zusammenschweißten mit dem Zorn gegen den Feind und unsere Helden in allen Zeiten stellten. Durchblättert die Geschichte, blickt in euch selbst, deutsche Juden und ihr erfahret, wie falsch euer Tun ist. Menschlich berechtigt und begreiflich wäre es, wenn russische Juden dem Zaren nicht freiwillig folgen sollten. 'Menschlich begreiflich bei allen Volksgruppen Europas, nicht aber bei Juden. Sie werden, dessen bin ich sicher, trotz und trotz, dem Rufe ihres Kaisers folgen, freiwillig folgen, wie sie es stets getan. Sie werden damit unsere unversöhnlichen Feinde, aber unsere und aller Achtung haben sie. Zum erstenmal in der Geschichte wäre es geschehen, daß Juden aufgehört hätten, die zuverlässigsten Stützen ihres Landes zu sein. Und wäre es in Rußlands Grenzen, daß die Juden sich ihrem Henker entfernten, so wäre es der deutschen Sache, die stets und stets auch unsere ist, gut; der jüdischen Sache dürfte es kaum Früchte tragen. — Sie begreifen mich. — So falsch aber die Formel von einem jüdischheiligen Krieg ist, so falsch ist die scheinbare Strategie der deutschen Juden in ihrem überlauten Helfen und Helfenwollen. Wir haben ein gutes Gewissen. Niemand hätte erwartet, unsere schlimmsten Feinde nicht, daß es in den Reihen der deutschen Juden eines besonderen Rufes bedurft hätte, um Jung-Juda an seine Pflicht zu erinnern. Sie alle, ausnahmslos, die jüdischen Wanderer, die Jugendvereine, die akademischen jüdischen Verbände im Kartell zionistischer Verbindungen, im Kartellconvent deutscher Studenten jüdischen Glaubens, im Bund jüdischer Korporationen usw. stellten sich dem Vaterlande nach bestem Können zur Verfügung. Wer hätte je etwas anderes erwartet! Auch jene Verbände nicht und jene einzelnen Rufer. Wollten sie das Auffallende? Auffallend ist, was seltsam, unerwartet, ungewöhnlich.--- Hätten nur die Verbandsblätter und internen Organe jenen Aufruf gebracht, so wäre das genug gewesen. Falsch, aufdringlich und fast beleidigend für viele waren jene schwulstigen Imperative im bezahlten Inseratenteil der deutschen Tagesblätter. Daß es des Weckens nicht bedarf, wußten sie alle, also wozu? Sie verstehen auch dieses Fragezeichen. Wir werden unsere Pflicht tun, verlangen aber auch anzuerkennen, daß wir sie nicht auf Geheiß einiger Prediger getan haben. Die schweren Tage sind es für uns Juden ohne Unterschied nur, weil es Deutschlands schwere Tage sind, der Lohn des heißen Ringens nur Deutschlands Freiheit u. Größe. Darum weg künftighin mit den breiten, auffälligen Registern, weg mit den geschmacklosen aufdringlichen Sermons. Diese Zeilen entspringen einem beleidigten Stolz, mich öffentlich monieren zu lassen, entspringen einer kurzen Frage an die Zukunft der deutschen und der Juden aller Länder, entspringen einem Bedenken, die Juden möchten sich zu vertrauensvoll an den Glauben der Versöhnlichkeit und Biederkeit ihrer Feinde klammern. Unsere Feinde werden auch nach dem Kriege ihre Sprache nicht verloren haben. Wir werden als gute, beste Bürger unsere Pflicht voll und ganz tun, „mit ganzem Herzen, ganzem Vermögen und ganzer Seele" einstehen für unsere deutsche Sache. Wir wollen dies aber tun in würdevoller Ruhe und Schlichtheit. Die Rechnung, die d a n n gemacht wird, wollen und müssen wir mitmachen. Aufruf des Jüdischen Nationalfonds Zentrale für Deutschland Die ungeheure allgemeine Not, die der ausgebrochene Krieg mit sich bringt, legt uns die Pflicht auf, im Interesse der Menschlichkeit nach Kräften zur Linderung dieser Not beizutragen. Wir ermächtigen deshalb unsere Sammelstellen, Spenden für die Pflege der im Kriege Verwundeten und für die Unterstützung der durch den Krieg notleidenden Familien entgegenzunehmen. Mit Bezug hierauf ersucht die unterzeichnete Sammelstelle sämtliche Vertrauensmänner oder, im Falle ihrer Einberufung, deren Vertreter, eifrigst für die Sammlungen zu diesem Zwecke bemüht zu sein. Die Veröffentlichung der Spenden erfolgt in unseren Ausweisorganen, nach Bedarf auch in den Tagesblättern. Wir werden die gesammelten Beträge der allgemeinen Zentralstelle für dieses Hilfswerk in Deutschland überweisen. Die Einsendung der Spenden durch die Vertrauensmänner erfolgt unter der Bezeichnung „Für die Notleidenden im Kriege" an Herrn Max Wollsteiner, Charlottenburg, Roscherstraße 5. Für die deutsche Sammelstelle: gez. Justizrat Dr. Bodenheime r. Das Hauptbureau des J. N.-F. hat mit folgendem Begleitschreiben die Genehmigung zur Bekanntgabe dieses Aufrufs erhalten: Köln, den 6. August 1914. Mit lebhafter Teilnahme habe ich Einsicht von der Bekanntmachung genommen, die das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds zu veröffentlichen beabsichtigt, um zu Sammlungen anzuregen, deren Erträgnis für die Pflege der im Kriege Verwundeten und für die Unterstützung der durch den Krieg notleidenden Familien Verwendung finden soll. Ich wünsche aufrichtig diesem schönen und edlen Unternehmen Erfolg und bin gern bereit, soweit es mir möglich ist, es zu unterstützen. Der Regierungspräsident: gez. Steinmeister. Mitteilung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsiche Strasse 8. Wir fordern unsere Freunde auf, uns genaue Mitteilungen darüber zu machen, welche Gesinnungsgenossen eingezogen worden sind und welche sich freiwillig gemeldet haben. Zeitungs-Echo In den „Münchener Neuesten Nachrichten" stand am 16. August zu lesen: Die Juden Galiziens solidarisch mit den Polen. Krakau, 15. August. In Krakau wurde an allen Litfassanlen ein Aufruf der jüdischen Bevölkerung angeschlagen, der erklärt, daß die Juden Krakaus und ganz Galiziens sich ohne jede Einschränkung

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