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Das jüdische Echo · 1914-08-01 · 8 (August 1914) · p. Seite 91

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
8 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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Ist uns auch heute noch zum großen Teil die militärische Laufbahn verschlossen, so werden wir als gewöhnliche Soldaten wiederum durch Kühnheit, Disziplin und Intelligenz genügend Beispiele dafür erbringen, daß wir im Krieg und Frieden in allen Chargen den Dienst versehen können nicht besser und nicht schlechter als die Nichtjuden. Mit aller Deutlichkeit wird noch einmal in Erscheinung treten, daß wir vor keinem Opfer fürs Vaterland zurückschrecken, und würdig sind, einer uneingeschränkten Gleichberechtigung teilhaftig zu werden. Wir hoffen, daß der Geist, der stets bei den Armeen im Felde geherrscht hat, neidlos und ohne Ansehung der Person Mut und Verdienste anzuerkennen, später auch seine Früchte tragen wird zum Wohl des ganzen Reiches. Die Liebe zum Vaterland und zu den Stammesbrüdern wird die , jüdischen Soldaten Deutschlands und Österreichs anfeuern, Gut und Leben für die gerechteste Sache der Welt, den Sieg der Verbündeten, zu opfern. Auch ein Äufruf an die deutschen Juden*) Von Dr. Josef Schönemann, München Das Vaterland ist in unerhört schamloser und frivoler Weise angegriffen worden. Seine Söhne rüsten sich, die Schmach zu sühnen, fordern blutige Genugtuung. Keiner lebt, der nicht aus innigstem Gefühl heraus zum Schwert greifen möchte, keiner lebt, der es im Dienste des Vaterlandes nicht auch müßte. Es ist selbstverständlich, daß wir Juden in den ersten Reihen stehen und stehen wollen, schon um den alten Beweis unserer stetigen und unverbrüchlichen Treue und Hingabe für das Vaterland zu erbringen. Diese Selbstverständlichkeit aber als etwas besonderes hervorheben, sie dick und fett und immer wieder unterstreichen und die Tatsache besonders notieren, heißt sie in Frage stellen, e r - weckt unberechtigt es Mißtrauen. Unsere Pflicht und mehr noch tun wir, haben wir stets getan. Dies wird auch an zuständiger Stelle ohne Hinweis nicht anders beobachtet, *) Herr Direktor Dr. Josef Schönemann schreibt uns: „Ich bitte Sie beifolgendes Offene Schreiben in Ihrem geschätzten Blatte zu veröffentlichen: selbst für den Fall, daß Sie sich mit meinen Ausführungen nicht in allen Punkten einverstanden erklären." Unserem Grundsatz, die Freiheit des Wortes zu wahren, öffnen wir ihm gerne die Spalten. Dazu kommt, daß er sich nach unseren bisherigen Beobachtungen im Kern seiner Ausführungen zum Dolmetsch einer grossen Anzahl von Juden macht, gleichgültig, welche Stellung sie in anderen Punkten zu jüdischen Fragen nehmen. Schreibt doch ein zionistischer Gesinnungen gewiss unverdächtiges Blatt in Oesterreich, dem sich gewissermas*en schon judische Zeitschriften in Deutschland angeschlossen haben, „Dr. Blochs Wochenschrift«, mit Hinweis auf den Aufruf des Verbandes der deutschen Juden und des Zentralvereins: „Wenn wir für uns Ausnahmeverpflichtungen statuieren, stellen wir uns selber auf den Standpunkt jener, die uns unter Ausnahmebestimmungen gestellt wissen wollen." u- Kwenn auch ganz anders als von uns gewollt und vielleicht als gerecht eingeschätzt. Dazu aber tragen die deutschen Juden und hauptsächlich deren papierene Erklärungen bei. Muß es nicht als eine Art uns oft angedichteter Spekulation aufgefaßt werden oder wenigstens aufgefaßt werden können, wenn man den von jüdischer Seite aufgebrachten Tatenpatriotismus fort und fort und zwar höchsteigenhändig anpreist und ihn gewissermaßen als ein Angebot für die völlige Gleichberechtigung ansieht. Die guten Taten werden so um ihren sittlichen Wert gebracht. Und zudem ist es nur in den Wünschen jener überlauten Rufer vielleicht so; wir deutschen Juden denken an nichts als an Deutschland. Gerade jene sonst in jüdischen Fragen äußerst müden und gleichgültigen Kreise, die sonst kein Band mit Juden anderer Länder verbindet, die das Gespenst eines Weltjudentums hassen, die jede fremdländische Judenangelegenheit nicht kennen, belügen sich selber und verleugnen ihr früheres Wollen, wenn sie die Formel eines heiligen Krieges aufstellen, eines heiligen Krieges gegen die Bedrücker ihrer russischen jüdischen Brüder. Es ist nicht wahr, daß der Krieg und die Begeisterung für ihn unserer jüdischen Rache entspringt. Es ist nicht wahr, daß wir einen jüdischen Befreiungskrieg kämpfen. Alles dies ist kleinlichen Gemütern, ihren eigenen Verstand überschreienden Überpatrioten entfahren, die, nur um deutsch zu sein und zu scheinen, deutscher Sache zu dienen, sich selbst und russischen Juden unwahres nachsagen. Der heilige Zorn, der uns Juden gleich allen anderen das Schwert in die Hand drückt, richtet sich gegen die Feinde und Hasser unseres deutschen Landes, gegen die Gefahr, unsere Kultur und Weltmachtstellung zu verlieren, gegen die schimpfliche Anmaßung, das deutsche Volk knechten und kommandieren zu wollen. Wir wissen nicht, wer in den Reihen unserer Feinde steht, Wissens nicht, sinds Juden oder echt russische Leute, wir brauchen und wollen es nicht wissen. Es gibt hier keine jüdischen Sonderinteressen, keine jüdische Angelegenheit. Unser Feind ist, wer gegen Deutschland ist. Doch sie haben eine Rechtfertigung, sich zu freuen, daß die russischen Juden — nach ihrer Ansicht — sich wohl den lügenhaften Lockrufen ihres Zaren gegenüber passiv verhalten werden. In grausamster und schamlosester Weise hat Rußland seine Juden bis auf die Stunde gefoltert und sie nur als Freibeute betrachtet. Alle Versprechungen des Zaren aller Reußen erwiesen sich als abgefeimte Lügen. Die Juden müßten das wissen und jetzt daraus die Folgen ziehen. Man hat ihnen im Frieden kein Vaterland gegönnt, warum sollten sie es jetzt verteidigen. Und dann; verteidigen gegen Deutschland, das den russischen Juden doch stets die erwünschte humanste Zufluchtsstätte schien. Das werden sie nicht, niemals, rufen die deutschen Juden; nicht, weil sie ihre russischen Glaubensbrüder kennen und erprobt haben, sondern nur, weil sie wollen, daß Deutschlands Sache dadurch gedient werden könne. Wißt ihr nicht deutsche Juden, daß ihr die in Rußland lebenden Juden mit euren Meinungen anklagt, anklagt im Sinne unserer Feinde. Vielleicht wissentlich anklagt? Denn ihr müßt wissen, wie wir Juden trotz aller Bedrückung und Mißachtung, trotz aller Entrechtung in allen Ländern, unsern Schmerz vergaßen im

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