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Das jüdische Echo · 1914-08-01 · 8 (August 1914) · p. Seite 90

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
8 (August 1914)
Date
1914-08-01
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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Aber Judas sprach: Es kann wohl geschehen, daß wenige einen großen Haufen überwinden; denn Gott kann eben sowohl durch wenige Sieg geben als durcn viele. Denn der Sieg kommt vom Himmel und wird nicht durch große Menge erlanget., aus trotzen auf ihre Macht und wollen uns, unsre Weiber und Kinder ermorden und berauben. Wir aber müssen uns wehren und für unser Leben und Gesetz streiten. Darum wird sie Gott vor unseren Augen vertilgen; ihr sollt sie nicht fürchten. i. Makk. Kap. 3, v. 18-22. Der Krieg und wir Juden Der größte Krieg aller Zeiten ist ausgebrochen. Nicht aus geringfügigen Anlässen, wenn wir nach den tieferen Ursachen forschen. Nein, es ist der sich schon lange vorbereitende Kampf zwischen Barbarei und Unkultur gegen Zivilisation und Fortschritt, wobei Rußland, der Hort einer Rückständigkeit, die nicht einmal mit dem Mittelalter verglichen werden kann, es verstanden hat, seine natürlichen Feinde im Westen, zwei Reiche, die sich ihrem Wesen nach weit eher zu uns rechnen müßten, auf seine Seite zu ziehen. Mehr denn je wird fühlbar, wie weit die Internationalisierung des Lebens vorgeschritten ist. Die Flucht Vieltausender von Ausländern kreuz und quer durch die Fremde in ihre Heimat kurz vor und nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten haben augenfällig gezeigt, wie die Nationen eigentlich schon heute eine Gemeinschaft höherer Ordnung bilden, wie notwendig die Erhaltung des Friedens für die Weltwirtschaft im weitesten Sinne gewesen wäre. Wir Juden haben stets — mag es auch von antisemitischer Seite bestritten werden — mit Treue und Hingebung den Ländern gedient, in die uns ein hartes Schicksal der Zerstreuung geworfen hat. Trotz allen Beschränkungen, Bedrückungen, Raub und Mord, Hunger und Verzweiflung kann ja nicht einmal den ärmsten aller Juden, den russischen, die sich nach Amerika flüchteten, die Heimatssehnsucht geraubt werden. Wie viele davon kehren wieder in das Land ihrer Verfolgungen zurück, weil ihnen, so unbegreiflich wir es finden, die Freiheit in der Fremde nicht die Liebe zur heimatlichen Scholle ersetzt! Dieses sonderbarste aller Beispiele mag beweisen, daß die Juden allüberall ihre Pflicht tun werden aus dem elementaren Gefühl der Vaterlandsliebe heraus. Wir deutsche Juden fühlen uns mit allen anderen Bevölkerungsschichten einig in dem Wunsche, für des Reiches Sache alles, was wir haben, hinzugeben. Und wir setzen, wie sich schon jetzt erwiesen hat, aus innerstem Triebe unsere ganze Persönlichkeit dafür ein, sei es auf dem Schlachtfeld, sei es im Innern des Landes, wo für die Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Ordnung, die Unterstützung der Notleidenden, die Pflege der Verwundeten zu sorgen ist. Aber es gilt noch mehr als unsere eigene Zukunft. Dieser Krieg ist für uns deutsche Juden in zweiter Linie auch ein jüdischer Krieg. Die denkbar schwersten Zeiten ziehen für unsere Brüder jenseits der Grenze herauf. Pöbel und Soldateska werden an den russischen Juden ihr Mütchen kühlen, mögen sie sich noch so loyal verhalten. Hat die Proklamation des Zaren an die Juden vielleicht nicht den gewünschten Erfolg — wir glauben zwar das Gegenteil, weil sie schon aus Furcht vor der Zukunft „freiwillig" zu den Waffen eilen werden — dann wird die russische Regierung ihren wilden Instinkten mehr denn je die Zügel schießen lassen und es wird ein Rauben und Morden beginnen, wie es noch nie dagewesen war. Wenn wir erwägen, in welcher Lage sich die Juden Rußlands seit mehr als einem Menschenalter befinden, müssen wir gestehen: Neigt sich die Wage zugunsten Rußlands, so bleiben die Versprechungen des Zaren unerfüllt wie immer — wer zweifelt daran? —; unterliegt es, so werden es die Juden büßen, indem sie wiederum zur Ablenkung der Volkswut namhaft gemacht werden für das Unglück, in das sich das russische Reich selbst gestürzt hat. Wir können für unser deutsches Vaterland und unsere unglücklichen Brüder im Osten nichts sehnlicher wünschen, als daß sich der Zarismus an dem freventlich angefachten Weltbrand die Flügel versenge. Denn nur durch seine Demütigung wird Rußland lernen, seine „Fremdvölkeru menschenwürdiger zu behandeln und mit größeren Freiheiten auszustatten zum Aufbau einer neuen Ära, die ihm selbst und Europa Frieden geben wird. In diesen Zeiten, wo es den Schutz von Heim und Herd gilt, wo alle Menschen zu Wesen mit einheitlichem Willen zusammengeschweißt werden, schweigen auch alle Interessen der inneren Politik. Das heißt aber, wie die Aufforderungen des „Verbandes der Deutschen Juden" und des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" lehren, nicht an das Korn-

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