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Das jüdische Echo · 1914-07-01 · 7 (Juli 1914) · p. Seite 81

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
7 (Juli 1914)
Date
1914-07-01
Page
Seite 81 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 81 Gläubigen lag selbstverständlich eine außerordentliche Stützung der türkischen Herrschaft, ein Freundschaftsbeweis für die mohammedanische Welt, wie er seit Jahrhunderten nicht mehr gegeben worden war. Und aus dieser neu gegründeten Freundschaft zwischen Deutschen und Osmanen mußte sich ein starker Einfluß des Kaisers auf den Sultan ergeben. Herzl war es schon früher gelungen, den ersteren für seine Pläne zu interessieren. Er wünschte aber auch eine öffentliche Bestätigung dieses Interesses zu erlangen, indem ihn der Deutsche Kaiser auf dem Boden des alten Judenlandes empfing und seine Bitte um Hilfe entgegennahm. Nachdem die nötigen einleitenden Schritte erledigt waren, begab sich Herzl, begleitet von Schnirer, Wolffsohn, Bodenheimer und dem Ingenieur Seidener nach Konstantinopel. Dort wurde Herzl am 18. Oktober zunächst vom Kaiser im Yildiz Kiosk in Gegenwart Bülows empfangen und in ein ausführliches Gespräch gezogen. Sodann reiste die Abordnung am 19. Oktober über Ägypten nach Palästina und erwartete in Mikweh Israel den nach Jerusalem wallfahrenden Zug. Als der Kaiser den das Spalier um Haupteslänge überragenden Führer der Zionisten erblickte, ließ er halten, ritt an Herzl heran, reichte ihm die Hand und begrüßte ihn laut mit freundlichen Worten. Dann unterhielt er sich mehrere Minuten mit ihm über seine Eindrücke vom Lande und verabschiedete sich sehr freundlich. Die Deputation folgte nach Jerusalem und ward dort am 2. November in feierlicher Audienz empfangen. Der Minister von Bülow war anwesend. Von Böswilligen ist später oft genug gespöttelt worden, die Audienz habe einen Mißerfolg bedeutet, denn praktische Erfolge sind nicht ersichtlich gewesen. Wenn einmal der Zeitpunkt für eine rückhaltlose Klarlegung der Tatsachen gekommen sein wird, die heute unmöglich erscheint, wird man den Irrtum einsehen. Lag schon in der bloßen Tatsache des offiziellen Empfanges gerade an dieser Stelle und unter diesen Verhältnissen eine bedeutungsvolle Erklärung, so mußte jeder Zweifel schwinden, wenn man Herzl gestattete, in seiner Ansprache geradezu um die Vermittlung des Kaisers zu bitten. „Für so gut halten wir diese Sache, für so wert der Teilnahme der Großmütigsten, daß wir Ew. Kaiserliche Majestät um Ihre hohe Hilfe zu dem Werke bitten." So spricht man zu den Großen dieser Erde nur dann, wenn man vorher weiß, daß man es darf, und daß sie helfen wollen, wenn sie selbst es vermögen. Der Kaiser hat eingehend und in freundlichster Weise erwidert. Sogleich nach dem Empfang reiste die Deputation ab. In einem Artikel der „Welt" sagt Herzl in Erwiderung der oben erwähnten törichten Spötteleien: „Es ist uns gelungen, das Interesse zweier Herrscher für unsere gerechte Sache zu erwecken. Und sage oder glaube niemand, daß diese Großen dabei etwas Unfreundliches im Sinne führen. Die öde Selbstbespöttelung mancher Juden, durch die wir alle in Verruf kommen, kann ja auch für eine solche Teilnahme die hämische Erklärung finden: sie wollen uns los haben! Aber in Wirklichkeit liegt die großmütigste Absicht vor, Kultur zu verbreiten, unglücklichen, herumirrenden Menschenmassen eine Heimstätte zu verschaffen, Wohlfahrt in eine verwahrloste Gegend zu bringen, und durch all dies den Besitzstand der Menschheit an Glück und Gesittung ein wenig zu vermehren. So ist die Teilnahme gemeint und so haben wir sie dankbarst verstanden." Die nächste Nummer der „Welt" enthielt noch eine Danksagung. Sie war an die Adresse des greisen Großherzogs Friedrich von Baden gerichtet, dem die Bewegung bereits Großes verdankte und dessen tatkräftiges und warmherziges Eintreten für unser Volk alle Zeit unvergessen bleiben wird. Theodor Herzls Feuilletonkunst Von Privatdozent Dr. Jonas Fränkel in Bern Es klingt wohl kleinlich und literatenhaft, wenn man bei einem Manne, dessen Leben einen so heroischen Ausgang hatte und auf dessen Stimme ein ganzes Volk aufhorchte wie auf den ersehnten Ruf des Messias — wenn man bei einem solchen Menschen von weit in die Zukunft ragender Bedeutung nach seiner Betätigung auf einem so beschränkten und kleinen Gebiete fragt, wie es das für den „Tag" geschriebene und vom „Tag" verdrängte Feuilleton ist. Doch das Feuilleton begleitete ja das Leben dieses Mannes, der aus einem Journalisten über Nacht ein Volksführer geworden; ja, selbst nachdem er seinem Leben ernste, heilige Zwecke gesetzt hatte, die über den Tag hinausführten, hat er das Feuilleton nicht wie eine lästige Vergangenheit abgeschüttelt, sondern blieb ihm treu wie ein Dichter, der gewohnt ist, seine Gefühle in zarten Gedichten auszuströmen und der, auch nachdem er den Weg zu umfassenderen Kunstformen gefunden, immer wieder zur Lyrik zurückkehrt. Lyrik — das war es, was den meisten Feuilletons Theodor Herzls eignete; sie waren Erzeug-

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