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Das jüdische Echo · 1914-06-01 · 6 (Juni 1914) · p. Seite 69

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
6 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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w ass heu v «ssss H **vS Nr. 6 Das Jüdische Echo 69 Sfes -Äs AÖ -rr u^or •Meinung daß * ner '1 s? näI* feineren Ge. 2Chr in h &*»5 "'«el sich zu ve;. kd,e P'loty gelten; non m der „Frank- BSt 1910 •.....- -h folgende Ausiü srwähnten Aufsätze aon 4 Jahre alt sind Aktualität verloren Judenedikt erlasse: :hen Juden noch iE Lande. Damals n tahl von 50 Familie: 't sich die jüdischr irzugsweise in der ligreichs. So habe: entwickelt, daß« nur noch 30, i l Edikt erforderliche: auiweisen und jü xis bereits im P 1 sah. daß unter bei schon die gj gemeinden (4 ndcnl nicht mehr . '"„ diesen 61 noch <f„d die Zahl 50 IM 100 nicht gmm "r~ M [ ■ioJen? 3 "ICS: i z«*2T w*Ä« rfg.Sft ( «* 1(0» v»«« 10 Mitglieder, aber aufzuweisen haben 500—1000; 74 : 10ÜO 6:3000—5000 Mark der Denkschrift des *0 y'": Gemeinden, die mehr als weniger als 50 Familien — unter ihnen erheben 91 bis 2000; 14 : 2000—3000; Gemeindeumlagen — nach Lehrervereins noch zahlreiche sind, die bis zu 600 Prozent (!) Zuschläge zur Staatssteuer verlangen müssen, so kann man sich vorstellen, welche Opfer von dem einzelnen Steuerzahler gebracht werden müssen. Die Hilfe, die der Landesverein als eine freiwillige mit ungenügenden Mitteln ausgestattete Organisation gewähren kann, ist nicht ausreichend. Sie vermag nicht zu verhindern, daß 82 (d. h. 70 Prozent) von den 119 jüdischen Religionslehrern des rechtsrheinischen Bayerns sich mit einem Jahreseinkommen von weniger als 1000, 15 davon sich sogar mit einem solchen unter 500 Mark begnügen müssen! So erscheint, wenn der finanzielle Ruin der kleinen Gemeinden, der durch die fortgesetzte Abwanderung nach den Städten sonst unvermeidlich wird, vermieden werden soll, die Gründung einer Zeutralkasso. einer Landeskirchenkasse als conditio sine qua non. Da die Gründung einer solchen Kasse aber in der Weise, daß die leistungsstarken Gemeinden einen Teil der Lasten der leistungsschwachen Gemeinden mittragen, nur auf Grund eines gesetzlichen Vorbehalts möglich ist, so ist die Reform des Judenedikts schon aus diesem Grunde allein eine zwingende Notwendigkeit. Demgegenüber erscheint es, so wichtig es auch ist, fast von untergeordneter Bedeutung, daß das neue Edikt orthodoxen oder neologen Minderheiten die Möglichkeit der weiteren Gemeindebildung in ein und derselben Gemeinde und im Falle religiöser Bedenken auch die Möglichkeit des Austritts aus der Gemeinde des Wohnorts gewähren soll, und selbst die endgültige Regelung des Besteuerungswesens tritt an Wichtigkeit stark in den Hintergrund. So sollte man denn meinen, daß, nachdem sich Orthodoxie und Neologie geeinigt haben, nachdem die Großgemeinden bereit sind, die finanziellen Opfer für die Kleingemeinden zu bringen, sich überhaupt niemand im bayerischen Judentum fände, der sich gegen die Revision wendet." Seit jener Zeit, da ich diese Ausführungen niedergeschrieben habe, hat sich nicht viel geändert. Floren wir darüber Dr. Heimberger in seinem klassischen Werk über die staatskirchenrechtliche Stellung der Israeliten in Bayern: „Zu Anfang des Jahres 1912 fand in Nürnberg eine Versammlung von Abgeordneten jüdischer Kultusgemeinden statt, bei welcher wiederum über die Revision des Judenedikts verhandelt wurde. Auch hier gingen die Meinungen über die Notwendigkeit der Revision vollständig auseinander, und schließlich wurde eine Kommission gewählt, welche die Frage prüfen soll, ob eine Revision notwendig sei." Hoffentlich ist die Kommission bald in der Lage, einen brauchbaren Vorschlag zur Revision in Vorlage zu bringen, denn so wie die Dinge jetzt liegen, kann es nicht länger mehr weiter gehen. (Anm. d. Red.: Wie wir hören, sind die Arbeiten der Kommission, die am 14. 1. M. in Nürnberg tagte, schon ziemlich weit gediehen. Übrigens hat der Kultusminister in diesen Tagen im Ausschuß der Reichsratskammer neuerdings in Aussicht gestellt, daß dem nächsten Landtage der Entwurf eines neuen Judengesetzes vorgelegt wird.) ,,Die zionistische Utopie44*) Eine Entgegnung von Sehna Blumberg, München (Fortsetzung und Schluß.) Nun noch einiges zur Frage der Assimilation selbst. Die wissenschaftliche Seite dieser Frage können wir in diesem Rahmen nicht berühren. Wir wollen sie auf ihre Wahrscheinlichkeit prüfen. Die Verhältnisse der Assimilation liegen in Deutschland derart, daß anzunehmen ist: die paar hunderttausend Juden assimilieren sich dem siebzig Millionen starken deutschen Volk. Kann nun bei einer derartigen Ungleichheit der Teile von einer Fortexistenz oder „Flöherentwicklung" der Juden geredet werden? Aller Wahrscheinlichkeit nach nicht. Zwar können Energien nicht verschwinden, aber sie können in ihrer Wirksamkeit gehemmt werden. Ein nennenswertes Resultat kann sich für die Juden bei dieser erdrückenden Mehrheit des sie aufnehmenden Volkes keinesfalls ergeben. Zudem ist das deutsche Volk eine solch einzigartige, in sich geschlossene widerstandskräftige Individualität, daß es fremde Einflüsse neutralisieren, fremde Kräfte zu einem latenten Dasein herabdrücken würde. Der Schluß ist der: Durch die Assimilation hören die Juden auf zu existieren, ohne daß diesem negativen, ein gleich starker positiver Effekt gegenübergestellt werden kann. Die Assimilation löst den Knoten nicht, sondern durchhaut ihn. Nehmen wir einen Augenblick an, dem sei nicht so: was ist es doch für eine sonderbare, einzigartige Erscheinung in der Geschichte, daß ein Volk seine Sonderexistenz aufgeben will! Der Assimilationswille der westeuropäischen Juden ist ein fast unbegreifliches Phänomen, doppelt unbegreiflich in einer Zeit wie der gegenwärtigen. Wir erleben heute das wunderschöne Schauspiel, daß die kleinsten Völker auf dem Balkan ihr Gut und Blut für die Erkämpfung und Behauptung ihrer Existenz hingegeben haben. Kein Stamm wollte sich dem anderen assimilieren; sie haben ihr Leben eingesetzt für ihre Existenz, bis sie sie errungen. Dieses Ringen um ihr Dasein, dieser hohe sittliche Ernst der Selbstbejahung hat diesen Völkern unstreitig Sympathien und Achtung der westeuropäischen Völker abgerungen. Und kein Zweifel, der Assimilationswille der Juden bedeutet nur Wasser auf die Mühle des Antisemitismus. Und warum sollten wir uns assimilieren? Welche wichtigen Gründe, welch innere Notwendigkeit zwingt uns denn dazu? Warum sollten wir das reine Judentum aufgeben? Was ist denn in ihm Unüberwindliches, Hoffnungsloses? Ist es sein Wesen? Sind es seine Eigenschaften? Wenn wir vom Wesen eines Volkes reden, dann meinen wir nicht diese oder jene Eigenschaft, sondern jenes Absolute, das die Grundlage einer besondern Art bildet. Wie man dieses Absolute deutet, ob philosophisch mit Kant als das innere Prinzip der Existenzmöglichkeit, oder einfach als die besondere Art des Sein und Könnens, immer ist es jene Einheit, auf Grund dessen ein Volk von Anfang seiner Existenz bis zu Ende sich selbst gleich bleibt. Dieses bestimmte Wesen gibt sich kund in den manigfachen Geistesprodukten eines Volkes, bezw. in seinen großen Männern. Diese Männer gehen, wie die Geschichte lehrt, ebensowohl aus *) Von Dr. Karl Landauer und Dr. Herbert Weil. Verlag Hugo Schmidt, München. 8°. 80 S. M. 1.20.

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