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Das jüdische Echo · 1914-06-01 · 6 (Juni 1914) · p. Seite 68

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
6 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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68 Das Jüdische Echo Nr. f, vogel nie gestrebt. Das Programm des Wandervogels aber war an sich dazu angetan, auch uns .luden für die Erziehung unserer Kinder neue Wege zu weisen. Um so energischer aber müssen wir gegen die antisemitische Entwicklung des Wandervogels Stellung nehmen. Wir erheben öffentlichen Protest gegen die unerhörten Beschimpfungen, denen das Judentum in der Presse des Wandervogels ausgesetzt war und sprechen unsere Empörung über die Versuche aus, den jüdischen Nationalgedanken zur Begründung ärgsten Radau-Antisemitismus heranzuziehen-4" Die Diskussion beschäftigte sich am zweiten Tage sehr eingehend mit diesem Thema. Insbesondere wurde die Trage, ob und inwieweit sich die Mitarbeit von Zionisten in neutralen Jugendorganisationen empfehlen ließe, einer zeitweilig sehr leidenschaftlichen Erörterung unterzogen. Es gelangte schließlich eine Resolution Hans Goslars zur Annahme, die in erster Linie die Förderung der zionistischen und nationaljüdischen Jugendorganisationen den Zionisten ans Herz legt, daneben aber die Teilnahme an den Arbeiten der neutralen Jugendvereine für zuläßig erklärt. Die Diskussion des ersten Verhandlungstages war hauptsächlich ausgefüllt mit einer Aussprache über die Methode de r zionistischen Propaganda. Hier trafen sich die gegensätzlichen Anschauungen der Herren Dr. Franz Oppenheim er und Dr. Adolf Friedemann einerseits, die der Herren Kurt Blumenfeld und einer Reihe anderer Zionisten in prägnanter Formulierung andererseits aufeinander. Der Zionismus als politische Beweg u n g soll in der Arbeit für sein politisches Ziel seine einzige Aufgabe sehen und nicht in der Propagierung des „Prinzips des jüdischen Nationalismus" sich zu einer Sekte umgestalten: so Franz Oppenheimer. Demgegenüber die andere, sicherlich von der überwiegenden Zahl der Zionisten geteilte Anschauung, daß der jüdische Nation algedanke als die ideelle Grundlage der Bewegung zugleich deren stärkste Triebkraft sei. Immerhin wurde von keiner Seite bezweifelt, daß im Rahmen des Basler Programm es die verschiedensten Anschauungen sich zu gemeinsamer politischer Arbeit vereinigen können. Einen sehr interessanten Punkt der Verhandlungen bildete der von Dr. Theodor ZIocisti vorgetragene Plan einer nach amerikanischem Muster geschaffenen sogenannten A ch usa. Die Achusa ist eine auf genossenschaftlicher Basis arbeitende Siedlungsgenossenschaft, die den in Europa und Amerika lebenden Zionisten gestattet, sich durch eiuen jährlich zu zahlenden Prozentsatz ihres Einkommens allmählich ein in wirtschaftsfähigen Zustand versetztes Stück Land in Palästina zur eigenen Bewirtschaftung zu erwerben. Der Plan wurde von der Tagung akzeptiert, nachdem auch der aus Palästina zurückgekehrte Leo Motzkin- Berlin ein für die Zionisten erfreuliches Bild der fortschreitenden jüdischen Kolonisation in Palästina entworfen hatte. Einen glänzenden Ausdruck fand die Palästinastimmung in der Sammlung für die P.L.D.C. (Palästina-Land-Entwicklungs-Gesellschaft, deren Ergebnis die Zeichnung von 700 Aktien im Betrage von 14 000 Mark war. So hat der Delegiertentag bewiesen, daß die zionistische Organisation in jeder Beziehung auf ihre Anhänger zählen kann und sich im jüdischen Leben Deutschlands eine steigende Anerkennung erringt. Die finanzwirtschaftlichen Gründe für die Revision des Judenediktes Von Rechtsanwalt Dr. Rudolf Wassermann in München. Der bekannte bayerische Staats- und Kirchenrechtslehrer Professor Piloty veröffentlichte in der „Deutschen Juristen-Zeitung" vom 1. April einen Artikel zur Revision des bayerischen Judenedikts, in dem er entschieden für die Revision eintritt. . , Man wird im allgemeinen den Ausführungen des Herrn Prof. Piloty nur beipflichten können. Ist man sich doch mit Ausnahme von einigen bayerischen Rabbinern*) einig, daß das Judenedikt dringend der Revision bedarf. Ganz besonders bedeutungsvoll ist nach meiner Meinung das wirtschaftliche Argument, daß nämlich ohne eine Revision des Edikts die kleineren Gemeinden Bayerns bald nicht mehr in der Läse sein werden, die für ihre Lehr- und Kultusbedürfnisse erforderlichen Geldmittel sich zu verschaffen. Auch die Gründe, die Piloty geltend gemacht hat, sind, wie ich schon in der „Frankfurter Zeitung" vom 16. August 1910 ausgeführt habe, durchschlagend. Zum Beweis hiefür setze ich folgende Ausführungen aus meinem schon erwähnten Aufsatze hieher, die, obwohl sie fast schon 4 Jahre alt sind, leider noch immer nicht an Aktualität verloren haben: „Als im Jahre 1813 das Judenedikt erlassen wurde, lebten die bayerischen Juden noch in ihrer Gesamtheit auf dem Lande. Damals war es zeitgemäß, w enn die Anzahl von 50 Familien zur Gemeindebildung für erforderlich gehalten wurde. Heute zentralisiert sich die jüdische Bevölkerung Bayerns vorzugsweise in den größeren Städten des Königreichs. So haben sich die Verhältnisse dahin entwickelt, daß von den 311 Kultusgemeinden nur noch 30, d. h. 9,6 Prozent den nach dem Edikt erforderlichen Bestand von 50 Familien aufweisen und daß sich die ministerielle Praxis bereits im Jahre 1863 zu erklären genötigt sah, daß unter bestimmten Voraussetzungen schon die Minjan (zehn jüdische männliche Gemeindemitglieder) für den Fortbestand einer Gemeinde ausreichend sei. Allein auch dieses bescheidene Erfordernis w ird heute von 61 Kultusgemeinden (d. h. 19,6 Prozent aller Kultusgemeinden) nicht mehr erfüllt! Bedenkt man, daß zu diesen 61 noch 64 treten, deren Mitgliederstand die Zahl 50 nicht erreicht, und 109, die die Zahl 10Q nicht überschreiten, so daß 234 Kultusgemeinden (d. h. 75,2 Prozent) einen Mitgliedcrstand von nicht mehr als 100 Mitgliedern aufzuweisen haben, so ist ohne weiters klar, daß mehr als die Hälfte aller bayerischen Kultusgemeinden den finanziellen Anforderungen einer modernen Verwaltung nur mühsam oder überhaupt nicht zu genügen vermag. Unter den 61 Zwerggemeinden (mit weniger als 50 Mitgliedern) sind nur 23, die infolge Einnahmen aus anderen Fonds mit einem Gemeindeumlagenertrag von 100 Mark S k°mmcn; 16 brauchen zwischen 100 und 300 Mark; 9 bis zu 500 Mark; 9 weitere bis zu 1000 und 4 gar zwischen 1000 und 2000 Mark. Welche finanzielle Lasten das für den einzelnen Steuerzahler bedeutet, ist wohl ohne weiteres Klar. Die amtliche Statistik schweigt darüber. __Wenn man aber bedenkt, daß auch unter den der ZS&tS^xSlts& 2?.iC Staatskirchenrechtliche Stellung

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