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Das jüdische Echo · 1914-06-01 · 6 (Juni 1914) · p. Seite 67

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
6 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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Die zionistische Bewegung hat in Deutschland in dem letzten Jahrzehnt einen starken Aufschwung genommen und stellt mit fast 10000 organisierten Mitgliedern einen nicht unbeträchtlichen Teil der deutschen Judenheit dar. Die Organisation erstreckt sich auf 450 Orte Deutschlands, verfügt über 5 Zeitschriften und bringt für zionistische Zwecke jährlich ungefähr 240000 Mark auf: ein Zeichen für die außerordentliche Opferwilligkeit ihrer Anhänger. Mit Genugtuung konntc'der verdienstvolle Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Rechtsanwalt Dr." Arthur Hantke (Berlin) auf diese Zahlen in seiner Eröffnungsrede hinweisen, in der er einen Uberblick gab über die äußere und innere Entwicklung des Zionismus in in Deutschland während der beiden letzten Jahre. Er kennzeichnete sie „als eine Zeit des Kampfes, der Abwehr, aber auch des Erfolges"- Herr Dr. Hantke verwies auf die bekannte Resolution des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens vom März 1913, die den Zionisten die weitere Mitarbeit in diesem Vereine unmöglich machte; er schilderte den erfolgreichen Kampf um die hebräische Sprache in dem Erziehungswerk in Palästina. „Hier war uns ein Kampfobjekt gegeben, würdig der Größe unserer Organisation und der Kraft unserer klee und damit geeignet, höchste Anstrengungen zu heischen." Alsdann ging der Redner auf die Angriffe des Antizionistischen Komitees in den bekannten Zeitungsinseraten ein. „Über jedes Maß hinausgehend, jedem Juden unverständlich, der die Welt nicht mit den Augen einer engen, von der lebendigen jüdischen Entwicklung abgeschnittenen Parteigruppe ansieht, von der deutschen Öffentlichkeit teils direkt abgelehnt, teils mit Nichtachtung bestraft, hat diese Erklärung wenig Spuren hinterlassen. Die großen Organisationen des deutschen Judentums, die sich vom Kampf gegen den Zionismus fernhalten, der Verband der deutschen Juden, die Großloge des Ordens Bnei Brith, ja sogar der H i lf s v e r ei n der deutschen Juden haben sie für sich abgelehnt. Und die Unterzeichneter Erklärung sitzen weiter mit den angeblichen Feinden der Religion in allen möglichen Komitee s zusammen. . . Der Kampf hat auch nicht uns selbst verdorben, wie wohl dieser oder jener fürchten mag. Denn wir haben uns nie auf den Kampf beschränkt. Die Resolution des Zentralvereins beantworteten wir nicht nur mit einer Gegenresolution, sondern wir gründeten den Reichsverein der deutschen Juden und schufen uns und unseren nichtzionistischen Freunden so ein Instrument, um unseren Kampf gegen jüdischen und nichtjüdischen Antisemitismus zu führen. Ihm verdankt das deutsche Judentum den einzigen mannhaften Protest gegen den Beilis-Pfozeß und die Abwehr der Angriffe der Liberalen gegen das Wahlrecht der ausländischen Juden in Preußen, wobei sich der Reichsverein der tatkräftigen Unterstützung der Orthodoxie zu erfreuen hatte. Den Kampf um das Technikum beantwortete die zionistische Organisation mit der Schaffung eines autonomen hebräischen Schulsystems in Palästina. Den antizionistischen Annoncen folgte eine Versammlungsaktion, bei der in wenigen Tagen in 87 Städten Deutschlands in größter Öffentlichkeit die zionistische Idee dargelegt und tausenden deutscher Juden nähergebracht wurde. So führten wir unseren Kampf stets mit positiver Arbeit, so wurde jede Abwehr die Quelle neuen fruchtbaren zionistischen Tuns." Alseines der wichtigsten Felder der zionistischen Betätigung bezeichnete der Redner das jüdische Erziehungsproblem, die Frage der Gewinnung und Ausbildung der nächsten Generation zum Zionismus. Er fand treffliche Worte zur Charakterisierung des gegenwärtigen Standes der deutschen Erziehung und kennzeichnete mit Nachdruck die Bedeutung der Frage für einen glücklichen Fortbestand der zionistischen Bewegung wie des Judentums überhaupt. „Die Kenntnis der hebräischen Sprache wird immer geringer, weil Schule und Haus sie in immer magerer werdenden Portionen lehren. Selbst in der Geschichte unseres Volkes und seiner Literatur wird der Unterricht trotz aller in deutscher Sprache erschienenen Lehrbücher und Übersetzungen immer dürftiger. Das Bewußtsein der Einheit der Judenheit wird immer undeutlicher. Ganz bewußt wird die Kluft zwischen der Masse der Juden in Osteuropa und den westeuropäischen Juden vergrößert, die angebliche Eigenart des deutschen Judentums gegenüber den Anschauungen anderer Juden immer wieder betont. Die Liebe zu Palästina als der Wiege unseres Stammes und unserer Religion wird absichtlich unterdrückt, sodaß mancher Nichtjude dem Lande Israel mehr Ehrerbietung und innigere Liebe zollt als viele Söhne unseres eigenen Volkes. So werden die wichtigsten Grundlagen aller jüdischen Erziehung erschüttert. In nichtzionistischen Kreisen allerdings berauscht man sich gern an der zutage tretenden Stärkung des jüdischen Bewußtseins und weist auf das Blühen aller jüdischen sozialen Organisationen und eine stärkere Anteilnahme am religiösen Leben hin. Soweit hier nicht Fernwirkungen unserer zionistischen Propaganda, des jüdischen Nationalismus mit seiner Befruchtung aller jüdischen Interessen vorliegen, können wir leider nur eine arge Selbsttäuschung des offiziellen Judentums konstatieren. Die Begabung unseres Zeitalters für organisatorische Dinge hat wohl auch außerhalb des Zionismus ihre Früchte getragen und die jüdisch interessierten Kreise straffer als früher zusammengefaßt. Wohl erfreut sich auch dieser oder jener Verein — gar zu viele sind es nicht — einer lebendigen Anteilnahme seiner Mitglieder. Wohl hat der Staat durch Zwangsmaßregeln den Besuch des jüdischen Religionsunterrichtesgefördert. Aber Taufe, Abfall und Mischehe üben weiter ihre verheerenden Wirkungen aus, und der Kreis der Männer und Frauen, die am Leben der Gemeinden teilnehmen, reicht noch immer sehr knapp aus und zwingt gar manche Gemeinde, ihre Ehrenämter Männern anzuvertrauen, die recht ungeeignete Repräsentanten einer Gemeinschaft sind, welche das Judentum auch kommenden Generationen übermitteln will." Bezüglich des bekannten antisemitischen Beschlusses des Wandervogels erklärte Dr. Hantke: „Wir Zionisten haben von vornherein unsere Aufgabe in der Gründung eigener Jugendorganisationen gesehen, und nach Einfluß im Wander-

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