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Das jüdische Echo · 1914-05-01 · 5 (Mai 1914) · p. Seite 54

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
5 (Mai 1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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5 + Das Jüdische Echo Nr. 5 nung zusammenzufassen. Das Ministerium will den Grundsatz befolgen, die bei den Israeliten bestehenden Anschauungen zur Geltung kommen zu lassen; ohne in die innerkirchlichen Verhältnisse der israelitischen Kultusgemeinden einzugreifen, soll für die verschiedenen Richtungen soviel Bewegungsfreiheit geschaffen werden, daß keine über Gewissensbedrückung zu klagen Ursache habe. Das Ministerium will im weiterem Einvernehmen mit den in Frage kommenden israelitischen Kultusstellen und Gruppen die Sache zum Abschluß bringen. Die Absichten des Ministers wurden in den wesentlichen Grundzügen vom Finanzausschuß gebilligt. — In ähnlicher Weise wurde das Judenedikt im Plenum des Landtages am 9. Mai behandelt. Zum Juden-Edikt Nürnberg. Am 8. März fand hier eine Mitgliederversammlung des „Vereins für die Interessen des gesetzestreuen Judentums in Bayern" statt. Nach Referaten der Herren Dr. Max Feuchtwanger aus München und Rabbiner Dr. Klein in Nürnberg über die Revisionsfrage entwickelte sich eine lebhafte Debatte. Wenn der Gesetzgeber auf alle in dieser Debatte zum Ausdruck gebrachten Bedenken Rücksicht nehmen wollte, bliebe das veraltete Gesetz mindestens noch ein weiteres Jahrhundert in Geltung. Es wurde folgende Resolution angenommen: „Die am 8. März 1914 zu Nürnberg tagende Mitgliederversammlung des „Vereins für die Interessen des gesetzestreuen Judentums In Bayern" betont wiederholt den Standpunkt, daß bei einer Neuregelung der staatskirchenrechtlichen Verhältnisse der israelitischen Privatkirchengeseilschaft in Bayern die Trennungsmöglichkeit aus Gewissensbedenken gegeben werden muß. Sie betont ferner, daß auch trotz dieser Trennungsmöglichkeit unbedingt für jede Kultusgemeinde die in Ziffer 4 der M.-E. vom 29. Juni 1863 angegebenen Einrichtungen und die in Ziffer 5 der M.-E. festgelegten Rechte des Rabbiners für das neue Gesetz gefordert werden müssen. Sie betont endlich, daß der Verein für die an sich durchaus notwendieg Einrichtung einer gemeinsamen finanziellen Organisation nur unter der Voraussetzung eintreten wird, wenn Gewähr dafür geleistet ist, daß bei ihrer Verwaltung jede Entwicklung zu einer Oberbehörde ausgeschlossen ist." b. 1. Nürnberg. Am 20. April 1914 tagten die Vertreter einer Anzahl von mittleren Gemeinden (Ansbach, Bamberg, Bayreuth, Günzenhausen, Ichenhausen, Kissingen, Kitzingen, Neustadt a. S., Nördlingen und Treuchtlingen). Einstimmig haben sie sich gegen die Austrittsmöglichkeit, Proporzwahl und Zentralkasse ausgesprochen, nur eine Gemeinde wollte die Austrittsmöglichkeit in Großgemeinden zugestehen. Würzburg. Auch in Würzburg nahmen die konservativen Kreise Veranlassung, sich über die Revision des Edikts auszusprechen. Der Staatsrechtslehrer Univ.-Prof. Dr. P i 1 o t y hielt das Referat und stellte sich auf die Seite derer, die eine Trennung der Gemeinde für geboten halten, wenn an einem Ort eine orthodoxe und liberale Richtung vorhanden sei. In der Diskussion trat Rechtsanwalt Dr. R o s e n t h a 1 trotz seiner sonstigen liberalen Grundsätze mit sehr illiberalen Gedanken der Forderung einer Revision entgegen, ohne von Freundes- oder Gegnersseite Zustimmung: zu finden. Ihm erwiderte Kommerzienrat Siegmund F r ä n k e 1 aus München, indem er auf den Widerspruch eines Liberalismus extra und eines Absolutismus intra muros hinwies und u. a. die Einführung progressiver Steuern in den Kultusgemeinden befürwortete. Bamberg. Der Verein für jüdische Geschichte und L i t e r a t u r lud am 25. März seine Mitglieder zu einem Vortrage über die Revision des J u d e n e d i k t s. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Eckstein eingehend die Geschichte des Judenedikts behandelte, sprach Herr Justizrat Dr. Werner zur Frage selbst. Er äußerte sich gegen die Revision und wies auf die Gefahren hin, die sie mit sich bringen könnte. Es fand keine Diskussion statt, weshalb sich die Stimmung der Versammlung nicht feststellen ließ. Gemeinden-Echo Offizielle Mißbilligung der airitelonistischen Erklärung Die staatliche Vertretung der großherzoglicholdenburgischen Synagogengemeinden hat in der Tagung vom 19. April einstimmig folgende Resolution angenommen: „Der Jüdische Landesgemeinderat spricht sein tiefes Bedauern und seine Mißbilligung aus über die vor kurzem in den nichtiüdischen Tageszeitungen veröffentlichte Erklärung einer Anzahl Juden, welche geeignet war, das Ansehen der deutschen Juden in den Augen Andersgläubiger herabzusetzen und den Zwiespalt innerhalb dar Judenheit zu erweitern und zu verschärfen." Ein Idyll vom Lande. Von einem Herrn, den wir gebeten hatten, die Berichterstattung für unser Blatt zu übernehmen, lief eine Antwort ein, die trotz ihrer Knappheit leider so vielsagend ist, daß wir sie in extenso wiedergeben wollen: „Eine Berichterstattung über die hiesige Gemeinde könnte nur negativer Natur sein, d. h. ich könnte nie irgend etwas mitteilen, das das geringste Allgemeininteresse hätte, hätte also eine völlig sinnlose, inhaltsleere Rolle zu spielen. Ich habe mehrere Jahre als Vorstand der jüdischen Gemeinde den völlig erfolglosen Versuch gemacht, hie und da Interesse und Verständnis für die Gegenwartsaufgaben des Judentums zu erwecken, mit dem Erfolge, daß ich lediglich mir persönliche Feindschaft und damit Verluste in meiner Praxis zuzog. Bei dem Mangel jeglicher Ideale der hiesigen Kreise, — es sind ja nur wenige Familien hier, die außer Gelderwerb für nichts Interesse haben — erübrigt sich jegliche Berichterstattung." El Vereins-Echo ESI "WWWI111111H...........ii"iii"ii«i«»iiiuiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiimiimiiBB Der Hilfsverein der deutschen Juden hielt am 26. April seine ordentliche Hauptversammlung in Berlin ab. In den Berichten des Vorstandes wurde die Hilfstätigkeit im letzten Jahre eingehend geschildert und insbesondere das Schulwerk im Orient besprochen. Mit Bezug auf den Sprachenkampf wurde ausgeführt, daß die Leitung des Hilfsvereins an ihren bisherigen Grundsätzen festhalten werde, im übrigen ehrlich den Frieden wolle. Auch in der Debatte, an der von zionistischer Seite Rechtsanwalt Dr. Hantke teilnahm, wurde allseitig das Verlangen nach friedlicher Beilegung des Schulstreites ausgesprochen. Im deutlichen Gegensatz hierzu richtete nach Schluß der Debatte der Vorsitzende des Hilfsvereins Dr. James Simon scharfe Angriffe gegen die zionistische Leitung und die zionistische Presse. So endete die Tagung trotz des friedfertigen Tones, auf den die ganze Debatte abgestimmt war, mit einem unverkennbaren Mißklang. Die Schlußworte wurden auch von Münchner Mitgliedern dFes+ Zentral-Ausschusses als unnötige ,.Entgleisung" empfunden.

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