Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 5 (Mai 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Das Jüdische Echo 55 München JüdischerWanderbund„Blau-Weiss" Unsere Winterfahrt ins Gebirge 19 Leute waren wir, und was für welche! 8 Mädels und 11 Buben. Ich weiß zwar nicht, ob sich einige der letzteren das Wort Buben gefallen lassen, sie müssen es aber, wenn sie „Wanderbündler" heißen wollen. Endlich hatten sowohl wir, als auch unsere Skier und Rodel im Zug, der uns nach Miesbach führte, Platz gefunden. Am Ziel angelangt, suchten wir erst Quartier. Für so viele war das sehr schwer, aber bald fanden unsere Führer etwas, das zwar mehr Löchern als Zimmern glich. Nun gingen wir auf den Stadelberg; da wars nun wirklich fein! Die einen rodelten, die andern liefen Ski. Um 4 Uhr kamen wir wieder zurück, und nun gings ans Kochen. Wir Mädeln hatten was gar Feines: Nämlich Makkaroni mit Eiern, Aprikosenkompott und Tee. Die Buben — nein, ich will lieber nichts sagen, weil mir sonst die elf die Augen auskratzen, und ich die doch wirklich noch notwendig brauche. Wir sangen, spielten, und einige trugen auch noch Gedichte vor. — Dann sollten wir uns schlafen legen, was aber nicht so einfach vor sich ging, da wir 8 Mädels nur 4 Betten hatten. Ich, die ich 1,75 m groß bin, sollte mit der Henny, die 1,735 m groß ist, in einem 1,32 m langen Bett schlafen. Diese Beschreibung genügt, um zu wissen, daß wir natürlich meistens den Boden als Lager hatten. Am nächsten Morgen trennten wir Skiläufer uns von den Rodlern und fuhren nach Fischhausen. Beim schönsten Sonnenschein stiegen wir zum Bodenschneidhaus auf. Ich habe wirklich in meinem Leben, das schon sehr lang ist, keinen solch wunderbar herrlichen Wintertag erlebt. Der tiefblaue Himmel, der funkelnd weiße Schnee und die verschneiten Bäume erhöhten noch unsere Stimmung. Von Osten her winkte der Wendelstein mit seinem durch die Sonne vergoldeten Gipfel. In der Bahn trafen wir mit den Rodlern zusammen, die uns versicherten, es sei unmöglich, daß es bei uns so fein gewesen wäre wie bei ihnen; sie waren nämlich auf dem Spitzingsattel. Bei wem wars wohl schöner? Martha Feuchtwanger. Unsere Purimfeier fand am 15. März in Solln statt. Sie war von Mitgliedern und Freunden gut besucht. Nach einer Aussprache des Führers cand. arch. Freud erhielten die fleißigsten Teilnehmer an den Wanderungen Auszeichnungen. Hierauf wurde ein Festspiel aufgeführt, wofür die belustigten Zuhörer den jungen Darstellern viel Beifall spendeten. Der Wanderbund hatte seine Mitglieder zum Mittwoch, den 1. April, zu Herrn Jacob Reichs Lichtbildervortrag über Palästina eingeladen. Das war eine schöne Wanderung durch das jüdische Land. Käte Freyer. Die zionistische Ortsgruppe hatte am 7. April das Vergnügen, Herrn Dr. H a n t k e, Mitglied des E. A. C, in ihrer Mitte begrüßen zu können. In mehr als einstündiger Rede setzte er den derzeitigen Stand der zionistischen Bewegung auseinander, hierbei die gesamte Organisation sowohl in Palästina wie in der Diaspora ins Auge fassend. Wenn man auch im allgemeinen sowohl durch die Presse wie durch die Mitteilungen des E. A. C. von den Vorgängen innerhalb des Zionismus unterrichtet ist, so ist es doch von großer Bedeutung, daß ab und zu Mitglieder der Leitung den Gesinnungsgenossen mündliche Aufklärung erteilen; so konnten auch wir durch den Mund Dr. Hantkes manches hören, was die Ereignisse der letzten Monate erst ins richtige Licht stellte. Dem mit großem Beifall aufgenommenen Referate folgte eine rege Diskussion, wobei der Vortragende wiederholt durch ergänzende Ausführungen die Aufmerksamkeit der zahlreich Anwesenden fesselte. Jüdisch-akadem. Verein Makkabaea. Der bekannte Theoretiker des Poale-Zionismus, B. Boro c h o w aus Wien, hielt am 18. Febr. im „Reichshof" einen Vortrag über „Palästinakolonisation und ihre Zukunft". Im ersten Teile seines Vortrages legte der Referent die Begriffe „Emigration" und „Kolonisation" klar und kam in weiterer Entwicklung seines Gedankenganges auf die jüdische Kolonisation zu sprechen. Er schilderte in kurzen Worten die verschiedenen Kolonisationsversuche der Juden und ihre Mißerfolge, darunter die Kolonisation der Juden in Argentinien, die nicht glückte, obwohl sie systematisch vorgenommen wurde. Nachdem Borochow die Ursachen der Fehlschläge erklärt und die notwendigen Bedingungen für eine jüdische Kolonisation klargelegt hatte, ging er zum Hauptteil seines Referates über, zur palästinensischen Kolonisation. Kurz skizzierte er die Entstehung der jüdischen Kolonisation in Palästina, wies ihre frühere Systemlosigkeit nach und zeigte mit Tatsachen und Zahlen, daß sich heute trotzdem die Kolonisation in Palästina verhältnismäßig gut vollziehe. Wenn wir jetzt ein Aufleben des Landes schon verspürten, so sei es nur der jüdischen Kolonisation zu verdanken. Der Referent widerlegte die Einwände der Palästinagegner und entwickelte zum Schluß ausführlich seine Gedanken über die Gegenwart und die Zukunft Palästinas. J. F-m. Verein Bne Jehudah. Im Lauf d. Js. sprachen A. K o h n über den Sprachenstreit, J. T e i t e 1 über die Anfänge der jiddischen Literatur, M. Leipziger über Morris Rosenfeld. E. Schindler hielt ein Preßreferat. Außerdem fand ein Unterhaltungsabend zu Gunsten des hebräischen Schulwerkes statt; Ferner hielten Vorträge: Dr. R. Straus über die Pflichten der zionistischen Jugend, E. Schindler über Heines Stellung zum Judentum, J. R o p p e r über die Judenverfolgungen unter Chmelnicki. An einer Chamischo-Osser-Feier trug Frl. Adele Hecht jüdische Volkslieder vor. Ende April hielt Herr J. Reich einen Lichtbildervortrag über „Zionismus und das neue Palästina". — Für das Sommer- Halbjahr ist ein Vortragszyklus aus der jüdischen Geschichte unter Leitung von Herrn J. R o p p e r festgesetzt. Anfragen und Beitrittserklärungen sind zu richten an den Vorsitzenden des Vereins, Eliser Schindler, Buttermelcherstraße 14. Die Verbindung im K. Z. V. Jordania kann auf ein erfolgreiches Wintersemester zurückblicken. Eifrige Innenarbeit, die der geistigen, körperlichen und geselligen Ausbildung (der Aktiven diente, verband sich mit der Teilnahme an den Bestrebungen jüdischer Vereine in München. Dem Jüdischen Wanderbund gehören einige Jordanen als Führer an. Wir arbeiteten ir.i Jüdischen Seminar mit, turnten im Jüdischen Turn- und Sportverein, einige, deren Zeit es erlaubt, sind Mitglieder des Jüdischen Jugendbimdes. Die Veranstaltungen der zionistischen Ortsgruppe wurden offiziell besucht. Die Chargenwahlen für das 18.