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Das jüdische Echo · 1914-05-01 · 5 (Mai 1914) · p. Seite 53

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
5 (Mai 1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5 Das Jüdische Echo b3 zwingenden Triebes halber, der sie hinauswirft in die Winterwelt der drohenden Lawinen und Abstürze, sich dem Bergsport ergeben, welche nicht die Rationalität, sondern die Lust an der Gefahr aufs Schild erheben. Als Lassalle von den Greueln in Damaskus hörte, als er las, daß die Juden sich wehrlos abschlachten ließen, rannen ihm blutige Tränen der Scham aus den Augen und er, der Jude, schrieb: „Nur e i n Volk sei so degeneriert durch das Gettho, so feig und entnervt, daß es nicht mal sein Leben verteidige, daß es nicht für seinen Tod den der Angreifer bezahlen mache, die Juden." 0, wie recht hat Lassalle! Wir haben keine Männer, wir haben Diskussionsredner und vielwisserische Alleskönner, wir haben aalglatte Sophisten und Rhetoren, welche in jeder Situation den Ausweg finden können — mit dem Worte. Aber wir haben keine Helden, keine Verächter der Gefahr, welche jubelnd sterben können für ihr Volk. Diese Helden soll uns der Sport erziehen helfen. Und wir wollen den Sport pflegen, weil er die Gefahr lieben und verachten lernt, weil er die Seele stählt und die Instinkte erwachen läßt. Wir wissen, daß wir solche Bestandteile brauchen, wenn unser Volk ein erdnahes, ein urwüchsiges wieder werden soll, wie es einst war, als die Makkabäer kämpften und die jüdischen Soldaten von den Kolonialherrschern als die Elitetruppen in die gefährlichsten Wetterwinkel des weiten Reiches geschickt wurden, wie der Papyrusfund von Elefantine lehrt. Ja, wir haben einige Mutige. Wo gibt es sie nicht? Aber das Volk ist nicht mutig, das Volk ist verschüchtert und beengt, durch die Fessel der Jahrtausendgetthi. Wir wollen diese Fessel, die unser Herz, unsere Seele noch einschnürt, abwerfen, und dazu brauchen wir Opfer. Wir müssen Sport treiben, wo er am schärfsten ist, wo er am schlimmsten gegen unsere Hemmungen ficht. Wir müssen boxen und ringen, Kampfsport treiben, der uns Triebe heiß glühen läßt, und die Tat, nicht das Wort voranstellt. Rudern und schwimmen, fliegen und reiten, alles was Gefahr und Regeneration bedeutet, muß unser Sehnen sein. Es werden einige fallen, in diesem Kampfe um die Regeneration. Aber welch hohes Ziel wurde nicht unter Opfern errungen? Es werden Verwundungen entstehen, es werden Tränen in Familien fließen, aber das Volk steht höher als das Einzelwesen. Wir wollen uns freimachen von der Herrschaft der Dialektik, des Feuilleton- Mannentums, wir wollen ganze Männer und Jünglinge, welche sich dem Volke schenken, welche vorangehen um der großen Sache willen, wie die zweite Generation in Palästina, die schon wieder Instinkte erhalten hat. Und der Sport, der Kampfsport, das Ringen mit den Grenzen der Persönlichkeit, mit Gefahr und Hemmungen, das soll uns erziehen und den Nachkommen ein Erbe übergeben, das zu vervollkommnen ihre Aufgabe sein wird. Wir wollen wieder die würdigen Gegner unserer Feinde sein, wir wollen harmonisch Körper und Geist, Vernunft und Trieb, Instinkt und Bewußtsein ausgleichen. Wir wollen Menschen werden mit allen Fehlern und Vorzügen einer Edelrasse. So sehe ich die Aufgabe des Sportes in der Erziehung der Juden. Er soll ihn härten. Allzuviel Sensibilität verweichlicht und entnervt. Mehr Instinkte, weniger Rationalität, das ist meine Devise. Im „März" vom 2. Mai liest Ulrich Rauscher den Wandervögeln in einem Brief, betitelt „Liebe Wandervögel", ob ihrer famosen Resolution am Bundestag zu Frankfurt a. 0. die Leviten. In der „Bayerischen Staatszeitung" vom 11. April kommt Dr. L. Wassermann bei Besprechung der Broschüre „Im Kampf um die hebräische Sprache" nochmals auf die Vorgänge der letzten Monate zurück mit dem Ergebnis: „Uns dünkt, der Zionismus hat hier — wenn auch unbeabsichtigt — mit großem Nutzen für die deutschen Orientinteressen gewirkt, indem er die jüdisch-nationale Forderung für die hebräische Sprache energisch vertrat und so einen gefährlichen „Kampf um die europäischen Sprachen" abwendete". Zum Judenedikt findet sich im liberalen Wochenblatt „Fortschritt" (Nr. 50 vom 13. Dez. 1913) ein Judaeus gezeichneter Beitrag, der in den Forderungen gipfelt: 1. Hochhaltung der Einheit des Judentums. 2. Vermeidung eines Gewissenszwanges. 3. Stärkere Belastung der zahlungsfähigen Schultern. 4. Größerer Staatszuschuß. 5. Gleichmäßige Bezahlung der Beamten (-Kategorien). 6. Sparsamkeit in der Verwaltung. In den von R. John von Gorsleben herausgegebenen Allgemeinen Flugblättern deutscher Nation, München-Leipzig-Berlin, deren erste Nummer vor kurzem erschienen ist, findet sich eine Betrachtung über „Ritualmord und Judent u m" .von Hans Baas, die mit den Worten schließt: „Das Judentum wird solange unfruchtbar bleiben, als es nicht ein Volk geworden ist, anstatt von fremder Art zu leben." Parlaments-Echo Am 12. Februar beschäftigte sich der Landtag mit der Frage der Sonntagsruhe, wobei sich die Zentrumsabgeordneten S ä c k 1 e r und S c h e f - b e c k und der Liberale Haeberlein energisch für den umstrittenen § 3 der Novelle zur Gewerbeordnung einsetzten. — Am 20. Februar führte der liberale Abgeordnete Löweneck bezüglich der Einbürgerung u. a. aus: „Nun liegen mir die Fälle vor, in denen Bekenner der jüdischen Religion, geschäftsfähige und unbescholtene Leute, ohne Angabe des Grundes abgewiesen wurden. Man sollte doch die etwaigen Gründe der Abweisung dem Betreffenden auf Anfrage mitteilen, weil sonst letzten Endes die Vermutung auftaucht, daß lediglich ihr religiöses Bekenntnis der Hinderungsgrund gewesen ist. — In der Sitzung des Finanzausschusses der Abgeordnetenkammer teilte Kultusminister Dr. v. K n i 11 i n g mit, daß die Neuregelung der kirchlichen Verhältnisse der Israeliten durch Gesetz nunmehr greifbare Formen angenommen habe, und daß man noch in diesem Jahre mit einem Entwurf zustandezukommen hoffe, der dann bei der nächsten Landtagssession der Volksvertretung vorzulegen wäre. Der Minister wies auf die Hemmungen hin, welche die verschiedenen kirchlichen und religiösen Strömungen unter den Israeliten mit sich bringen, und auf die Schwierigkeiten, die verschiedenen Gruppen in einer gemeinsamen kirchlichen Ord-

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