Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1914-05-01 · 5 (Mai 1914) · p. Seite 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
5 (Mai 1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9102850-9113275--00063-9072891
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

62 Das Jüdische Echo Nr. 5 Zum Bundestag des „Wandervogels" in Frankfurt a. O. Von Dr. Emil Frankel Vorsitzender des Jüdischen Wanderbundes „Blau-Weiß" München Die durch die Tagespresse bekannt gewordene Resolution des Bundestags des Wandervogels in Frankfurt a. O. hat wohl jetzt auch die hartgesottensten Assimilanten unter den Glaubensgenossen davon überzeugt, daß ein Verbleiben unserer Kinder in einem dieser Organisation unterstehenden Verein mit jüdischem Ehrgefühl schlechterdings unvereinbar ist. Und da es alle Zeit einen jüdischen Ehrbegriff gegeben hat, der „aus dem Tiefsten des jüdischen Wesens hervorgegangen ist und in jüdischer Vergangenheit wurzelt", so erscheint es mit demselben unverträglich abzuwarten, ob in einem lokalen Verein unsere Kinder vorläufig noch , geduldet werden. Überdies besteht die pädagogische Pflicht, dieselben vor tiefster Enttäuschung und demütiger Kränkung zu schützen. Der Standpunkt des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, daß auch jetzt und trotz alledem die jüdischen Mitglieder in den Vereinigungen bleiben sollen, in welchen sie kameradschaftlich behandelt werden oder gar, wie der phantasievolle Optimismus des Artikelverfassers im Maiheft „Im deutschen Reich" sich ausdrückt, in welchem sie als jüdische Mitglieder geradezu gewünscht werden, wird sicherlich in allen bewußt jüdischen Kreisen als unbegreiflich betrachtet werden. Die Entwicklung der jüdischen Wanderbundbewegung zeigt in erfreulicher Weise, daß sich immer mehr von unseren Glaubensgenossen von dem Wandervogel abkehren und den jüdischen Vereinigungen zuwenden; aber auch diejenigen, welche sich noch nicht von dem Vorurteil gegen die sogenannte konfessionelle Scheidung in Dingen, welche mit der Religion an und für sich nichts zu tun haben, losreißen können, mögen beherzigen, daß es allerdings nicht notwendig ist, einem Wanderbund anzugehören, wohl aber gegen jedermann jüdische Ehre und jüdischen Anstand zu bewahren! Vervollkommnung der eigenen Rasse in leiblicher und geistiger Hinsicht ist das erhabenste Ziel, das eine Nation sich geben kann. Dazu bedarf es aber einer Höherentwicklung des herrschenden sittlichen Bewußtseins in der Richtung, daß auch die Fürsorge für die späteren Generationen unseres Volkes als eine nationale und humanitäre Pflicht allgemein Anerkennung finde. A tw c u n .» \t u a a i i & & Aus w. Schallnrayers Vererbung und Auslese als Faktoren zu Tüchtigkeit und Entartung der Völker. Die Juden und der Sport Von Dr. med. J. S p i e r - München Weniger soll hier auseinandergesetzt werden, was die Juden im Sport leisten, als was der Sport für die Juden sein muß. Auch wollen wir hier nicht die körperlichen Vorzüge, welche der Sport übermittelt, in den Vordergrund schieben. Zweifellos macht er seine Anhänger stärker, gerader, schneller, gesünder, ruhiger und befreit sie von Nervosität und anderen Degenerationserscheinungen. Aber er besitzt eine Eigenschaft, die er vor allen andren Regenerationsmitteln voraus hat. Er kann uns die Instinkte wiedergeben, ohne welche die Menschen nur Qeistesmaschinen ohne Trieb und ohne erdverwandte Impulse sind. Wir Juden leiden unter der Überfülle des Geistes, der körperliche Harmonie nicht die Wage hält. Wir Juden haben wenig Menschen, die in sich Geist und Kraft. Gesundheit, Mut vereinigen. Wir haben einen Überschuß, der uns ängstigt, an Dialektikern, Cafehausliteraten und solchen Individuen, bei denen die geistige Seite des Wesens ohne Äquivalent ausgebildet ist. Was wir aber brauchen, wenn das Volk sich vollkommen regenerieren soll, sind die Instinktmenschen: Einseitig geistig Überbildete haben wir reichlich, Draufgänger und Triebindividuen besitzen wir zu wenig. Deshalb fehlen uns die großen Künstler, die mitreißenden elementaren Schöpfer. Und wir benötigen Männer, welche die Gefahr verachten, welche verschmähen, alle Kämpfe auf dem Papier und im Mundgefecht auszutragen. Wir brauchen eine Garde von furchtlosen Neuwesen, welche dem Volk einen Bestandteil triebhafter Energien zuführen werden, die wir bitter entbehren. Hier soll der Sport eingreifen. Hier heißt es Hemmungen zu bezwingen, die Furcht zu bannen, die Gefahr zu verlachen und das letzte von Körperlichkeit herauszuholen. Der Sport soll also nicht nur wegen seiner rein physischen Folgen gepflegt werden, sondern auch deswegen, weil er die aufsteigenden Gefühle der Zweckdialektik: „Wozu", „weshalb", „warum soll ich mich in Gefahr begeben" dämpft und zuletzt eliminiert. Wir müssen Männer haben, welche sich im Alpinismus auszeichnen; wir haben einige, aber sie verschwinden in der Masse der andersvölkischen, wie ein Sandkorn am Strande. Wir müssen Pioniere im Skilauf produzieren, welche als Springer hervorragen, welche weder Gefahr noch Schwierigkeiten scheuen, welche einfach des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.