Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1914-04-01 · 4 (April 1914) · p. Seite 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
4 (April 1914)
Date
1914-04-01
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9102850-9113122--00049-9072877
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

!5S* Nr. 4 Das Jüdische Echo 3a tsgrupn. Sust|» S? * Sci' & It « '^«EngeS»'- Sä-ö er Wahl i ihinom Landesanigruppe r irung «jj die Lektüre iolludischen Verlag (Ber- Konnen: it. Merkbuch. 20 Pfg. 1 Programm des Zioa als Judenland. 30Pig. :he Schritten. 3.50 Ml e Schriften. 2 Mk. n d. Gegenwart. 4 ML n Dr. Theodor Herzl-»1 _ Der Rücktritt N i politischen i Motive vorführte, ( entwickeln. Inf Ichlagworte au D wyföis* * ^eVÄ jfcKS*5 rffÖÖ « e »f"B,V o\en, < V6' Ajo2*J5> tjfl^! derten - *Ä m Inland fes fcsSr .,i -taatei ftS**! Ai und zu Vereinen zusammen, um aus der Ferne die palästinensischen Siedelungen der jüdischen Pioniere zu unterstützen. Das geschah ohne einheitlichen Plan und ohne klare Erkenntnis der Ziele und Wege. Die Vereine waren sich nicht bewußt, daß sie zionistisch fühlten und handelten. Sie sahen nicht den Zusammenhang zwischen der Besiedelung Palästinas mit Juden und der Zukunft des ganzen jüdischen Volkes. Es war bei ihnen mehr eine instinktive Regung, in die alle möglichen dunklen Gefühle hineinspielten: Frömmigkeit, archäologisch-historische Sentimentalität, Wohltätigkeit, genealogischer Stolz. Immerhin waren die Geister vorbereitet, es lag Stimmung in der Luft, das Judentum war reif für eine Wendung. Wie immer in solchen geschichtlichen Augenblicken, erschien nun auch der Mann, dem es gegeben war, den von vielen unklar geahnten Gedanken klar zu fassen, das von vielen erwartete Wort laut auszusprechen. Dieser Mann war Dr. Theodor tierzl. Er veröffentlichte im Herbst 1896 ein knapp gefaßtes Buch, „Der Judenstaat", das mit einer bis dahin nie gekannten Bestimmtheit die Tatsache verkündete, daß die Juden ein Volk sind, für sich alle Volksrechte fordern und ein Land besiedeln wollen, wo sie ein freies und vollständiges Staatsleben führen können. „Der Judenstaat" ist der eigentliche Ausgangspunkt des politischen Zionismus geworden. Der Ausgangspunkt, nicht das Programm. Herzls Buch ist noch das subjektive Werk eines Einsamen, der im eigenen Namen spricht. Viele Einzelheiten darin sind Literatur. Es ist nicht leicht, überall eine scharfe Grenze zwischen dem nüchternen Ernst des Sozialpolitikers und der Phantasie des prophetischen Dichters zu ziehen. Das eigentliche Programm mußte eine Kollektivarbeit werden, die wohl auf Herzls Buch fußte, von Herzls Visionen inspiriert war, aber alle phantastischen Einzelheiten ausschied und sich nur aus Elementen der Wirklichkeit aufbaute. Herzls Buch wurde sofort von Zehntausenden Juden, hauptsächlich der Jugend, als eine Erlösungstat begrüßt. Es sollte nicht geschwärztes Papier bleiben, sondern in praktische Schöpfung umgesetzt werden. Der national-jüdische Hochschülerverein „Kadimah", der beim Auftreten Herzls auf ein mehrjähriges Bestehen an der Wiener Universität zurückblicken konnte, teilte Herzl durch eine Abordnung in aller Form mit, daß er ihn als Führer anerkenne. Überall entstanden neue Vereine, nicht mehr für langsame, kleine Besiedelung Palästinas mittels einschleichender jüdischer Gruppen, sondern für die Vorbereitung einer jüdischen Masseneinwanderung in das heilige Land auf Grund eines förmlichen, von den Großmächten garantierten Vertrages mit der türkischen Regierung, der den Besiedlern des Landes Selbstverwaltungsrechte zugestehen sollte. Die Voraussetzung des politischen Zionismus ist, daß es ein jüdisches Volk gibt. Das gerade leugnen die Assimilationsjuden und ihre Rabbiner. Dr. Herzl erkannte, daß die erste Aufgabe, die er zu erfüllen hatte, die Organisierung einer Manifestation war, welche in moderner greifbarer Form der Welt und dem jüdischen Volke selbst die Tatsache seiner nationalen Existenz vor Augen führen sollte. Er berief einen zionistischen Kongreß ein, der den wütendsten Anfeindungen und unskrupulösesten Gewalttaten zum Trotze Ende August 1897 zum erstenmal in Basel zusammentrat und aus 204 gewählten Vertretern der zionistisch gesinnten Juden beider Welten bestand. Der erste Zionistenkongreß proklamierte feierlich im Angesichte der aufhorchenden Welt, daß die Juden ein Volk sind und daß sie nicht den Wunsch haben, in den anderen Völkern aufzugehen. Er gelobte, an der Befreiung des in unverdientem Elend schmachtenden, rechtlosen Teiles des Judenvolkes zu arbeiten und ihm eine bessere Zukunft zu bereiten. Er faßte seine Bestrebungen in einem mit höchster Begeisterung einstimmig angenommenen Programm zusammen, das wörtlich lautet: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Zur Erreichung dieses Zieles nimmt der Kongreß folgende Mittel in Aussicht: 1. Die zweckdienliche Förderung der Besiedelung Palästinas mit jüdischen Ackerbauern, Handwerkern und Gewerbetreibenden. 2. Die Gliederung und Zusammenfassung der gesamten Judenschaft durch geeignete örtliche und allgemeine Veranstaltungen nach Maßgabe der Landesgesetze. 3. Die Stärkung des jüdischen Selbstgefühles und Volksbewußtseins. 4. Vorbereitende Schritte zur Erlangung der Regierungszustimmungen, die nötig sind, um das Ziel des Zionismus zu erreichen." Der erste Kongreß ging nicht auseinander, ohne eine dauernde Organisation geschaffen zu haben. Er wählte nämlich ein „großes Aktionskomitee", worin alle Länder mit stärkerer jüdischer Bevölkerung vertreten sind und das seinerseits einen engeren permanenten Ausschuß mit dem Sitz in Wien unter dem Präsidium Herzls bestellte. Es folgten ihm in den nächsten drei Jahren drei weitere Kongresse, und zwar 1898 und 1899 wieder in Basel, 1900 dagegen in London. Die Zahl der Mitglieder stieg 1898 auf 280, 1899 auf 370, 1900 auf 420. Bei jedem folgenden Kongreß wurden die Wahlregeln strikter gehandhabt, die Mandate schärfer geprüft und zurzeit kann der Kongreß, der eine dauernde Einrichtung der zionistischen Judenschaft geworden ist, mit Recht den Anspruch erheben, der wirkliche Vertreter seiner Wähler zu sein, die in manchen Kongreßjahren die Zahl 180.000 erreicht haben und nie unter 80.000 gesunken sind. Zu den ersten Kongressen entsandten je hundert zionistische Wähler einen Vertreter, zu den späteren dagegen nur je zweihundert. Bis zum Jahre 1901 einschließlich fand der Kongreß jährlich statt, von da ab alle zwei Jahre, und zwar 1901, 1903 und 1905, wieder wie 1897 bis 1899, in Basel, 1907 im Haag, 1909 in Hamburg, 1911 aufs neue in Basel, und der elfte Kongreß vom Jahre 1913 hat in Wien getagt. In den ersten sechs Kongressen, bis 1903, führte Dr. Theodor Herzl den Vorsitz, wie er auch all die Zeit der Vorsitzende des Engeren Aktionskomitees und der Leiter der zionistischen Bewegung war. Am 3. Juli 1904 wurde er durch einen vorzeitigen Tod weggerafft, und die ihn gekannt, haben nicht aufgehört, um ihn zu trauern. Der erste Kongreß, der seinem Tode folgte, der siebente von 1905, wählte zum Führer der Bewegung D. Wolffsohn, der mit starker Hand das ledige Steuerruder erfaßte und das Schiff des Zionismus treu und fest zwischen Klippen und Untiefen hindurchführte. Er verlegte den Sitz der Leitung von W'ien nach Köln und behielt sein Amt bis zum zehnten Kongreß von 1911, also sechs Jahre lang, wo er freiwillig zurücktrat. An seine Stelle trat ein Kollegium von (seit 1911) sechs Mitgliedern mit Professor O. Warburg als Vorsitzendem und dem Sitze in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.