Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 3 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 31 Gemeinden-Echo Abschied von den Palästinafahrern Vor 8 Tagen trafen sich etwa 30 jüdische Studenten und Turner in München, um wie im Vorjahre mit Rucksack und Wanderstab das altneue Land zu durchziehen. Am Mittwoch, den 11. März fand eine Vorbesprechung mit Sachenappell statt, auf der die Gruppenführer und der Hauptführer der Fahrt gewählt wurden; diese Vorbesprechung wurde von Herrn Dr. Rosenbaum (V. J. St.), dem Führer der vorjährigen Fahrt geleitet, der eigens zu diesem Zweck von Breslau gekommen war. Am Abend desselben Tages wurde durch eine Kneipe im Heim des „Vereins jüdischer Studenten" der Abschied gefeiert. Auf diesem von etwa 70 Personen besuchten Abend sprachen die Vertreter der zionistischen Ortsgruppe München, des Jüdischen Turn- und Sportvereins München, der Makkabaea, des Jüdisch-akademischen Kulturvereins und die Vertreterin des jüdischen Wanderbundes „Blau-weiß". Am folgenden Morgen geleiteten wir, die wir zurückbleiben mußten, unsere glücklicheren Kommilitonen zur Bahn. Mit einem Gefühl, gemischt aus Wehmut, Stolz und Freude sahen wir sie hinausziehen; mit Wehmut, daß wir nicht mit ihnen ziehen konnten, mit Stolz, da diese Wanderer den Zweiflern hier und unseren Pionieren ■ drüben ein lebendiges Zeugnis sind, daß der Geist der zukunftsfreudigen Hoffnung auch bei uns noch oder wieder lebt, und mit Freude, weil wir wissen: bei ihrer Rückkehr werden sie aus dem palästinischen Herzen einen belebenden Strom selbstsicheren Jungjudentums in das müde Judentum des Westens leiten. M—s. München. Dieser Tage erschien der Bericht der hiesigen Kultusverwaltung über die gemeind- Photographische Apparate eic. SoennecKenkCo. München Kaufingerstr. 31,1. Stock, Schätzenstr. 2, Augustenstr. 15 Theresienstr. 21 Fernruf: 1704 Kaufingerstr. 11 der Zionistischen Organisationen genießen laut Vertrag jederzeit auf FMVM2iftiHiiMMAM den ab Triest nach Palästina fahrenden H r|T|fllll 11HMMIfl Dampfern d. Oesterr. Lloyd bedeutende LI 1I1U1J11J Ullljbll Auskünfte, Platzbelegung und Fahrkarten durch die Generalagentur des Österr. Lloyd Weinstraße 7 München Telephon 962 Allgemeine Elektrizitäts- Gesellschaft München t:l München, Liebherrstr. 5 empfiehlt sich zur Ausführung elektr. Lichtanlagen, aut. Treppenbeleuchtungen etc. Telefon 492, 493, 1355, 1365. liehen Angelegenheiten für das Jahr 1913. Von 'allgemeinem Interesse 'dürften folgende Zahlen sein: Die Zahl der einen Kultusbeitrag zahlenden Gemeindemitglieder betrug 2644, ein Zuwachs von 44 gegen das Vorjahr; der Zugang an neuen Mitgliedern war zwar höher, wurde jedoch durch Tod, Wegzug usw. wieder ausgeglichen. Die Ausgaben der Gemeinde betrugen circa 190 000 Mark; die Gemeindesteuern 142 000 Mark. Die Zahl der israelitischen Schüler an den Volks- und Mittelschulen betrug 1572; für deren Religionsunterricht hat die Kultusgemeinde zu sorgen. Die Kosten hiefür fallen zum größten Teil der Gemeinde zur Last (vgl. Nr. 1, S. 5); Sterbefälle ereigneten, sich 142. An Stiftungen besaß die Gemeinde Ende 1913 die Zahl von 137, welche ein Kapital von 2 400 000 M. umfassen. Eine große Stiftung, deren Erblasser erst 1913 starb, konnte noch nicht in Geltung treten, da die Nachlaßverhandlungen noch nicht abgeschlossen sind. (Wie man hört, dürften 'Vi Millionen hiefür in Aussicht stehen.) Außer den verschiedenen privaten Wohltätigkeitsanstalten besteht hier eine gemeindliche Wohltätigkeitskasse, aus welcher ungefähr 22 000 M. an Unterstützungen bewilligt wurden. Ende des Jahres 1914 wird für ein Drittel der Verwaltungsmitglieder Neuwahlen anberaumt, dieselben finden nach dem alten System des Majoritätsprinzips statt, das die Berliner jüdische Gemeinde eben aufzugeben sich anschickt! Vereins- und Versammlungs-Echo München Krankenfürsorge israelitischer Vereine Nachdem in früherer Zeit die Fürsorge für arme kranke Israeliten in Händen der Gemeinde und einzelner Vereine lag, haben sich auf Veranlassung des inzwischen verstorbenen Herrn Sigmund Raff (der sich um die israelitische Wohltätigkeitspflege große Verdienste erworben hatte) vor einigen Jahren eine Anzahl israelitischer Vereine zu einer Art Verband zusammengeschlossen, um die Krankenfürsorge in geordnete Bahnen zu bringen. Da die Tätigkeit sich immer umfangreicher gestaltete, wurde in abgelaufenen Jahre aus der bisher losen Vereinigung ein eingetragener Verein gebildet, welcher jetzt auch schon außer den beitragenden Wohltätigkeitsvereinen eine Anzahl Mitglieder aufzuweisen hat. Der Rechenschaftsbericht für 1913 zeigt, in welch starkem Maße der Verein in Anspruch genommen wurde. Die Ausgaben betrugen nahezu 8000 Mark, wobei zu berücksichtigen ist, daß die ganze Verwaltung von den Leitern der Vereinsvorstandschaft, den Herren Rentier Raphael E. Landauer, Justizrat Leo Oppenheimer und Kaufmann Bernhard Raff direkt besorgt wird und Regiesoesen nicht existieren. Es wäre zu wünschen, daß der Verein auch ferner sich der Unterstützung weiter Kreise erfreue. Generalversammlung der Ortsgrimpe statt. Zionistische Ortsgruppe- Am 5. März fand die Aus dem Bericht des Vorsitzenden entnehmen wir, daß im Jahre 1913 folgende Vorträge stattfanden : Im Februar: Herr cand. med. Schkodnik. hier: ..Zionismus als Volksbewegung". Herr Julius Simon, Heidelberg, „Der Zionismus und die deutschen Juden". Im März: Herr Dr. Martin Buber, „Der Mythos der Juden".