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Das jüdische Echo · 1914-03-01 · 3 (März 1914) · p. Seite 30

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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?.() Das Jüdische Echo Nr. 3 blieben. Dieser Zionismus aber ist nichts anderes als der Wille, daß das Judenvolk ein stolzes freies Volk dereinst werde. Dr. W. Zum Judenedikt von 1813 Von Jakob Fränkel-München. Neben den Hundertjahrfeiern, welche im vorigen Jahre so viele Gemüter erregten, gibt es noch eine ganze Anzahl Erinnerungen, von denen für die Juden Bayerns das bekannte „Juden- Edikt von 181 3", das heute noch für die religionsgesellschaftlichen Verhältnisse der bayerischen Judenheit maßgebend ist, wohl das größte Interesse beansprucht. Dieses Gesetz war in den letzten Jahren in der politischen wie besonders jüdischen Presse so vielfach Gegenstand von Auseinandersetzungen, daß dessen wesentlicher Inhalt als bekannt vorausgesetzt werden kann. Daß ein Gesetz, dessen Promulgierung auf das Jahr 1813 zurückzuführen ist, im Jahre 1913 nicht mehr Geltung haben kann, bedarf wohl keiner näheren Begründung; der Streit der verschiedenen Parteien, seien es Liberale, Orthodoxe, Rabbiner oder Lehrer, kann sich nur darum drehen, in welcher Richtung sich das revidierte Judengesetz bewegen soll. Wie in den politischen Gemeinden so haben sich in den jüdischen die Verhältnisse in den letzten Jahrzehnten bedeutend geändert. Die Landflucht war bei den Juden viel größer als bei der nichtjüdischen Bevölkerung, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß bei der letzteren immerhin der Ah^ng durch natürlichen Zuwachs oder Zuzug einigermaßen ausgeglichen wurde, während bei Juden der Rückgang in keiner Weise Ersatz fand. So konnte es kommen, daß Gemeinden wie z. B. Bayersdorf, Hürben und andere, so reduziert sind, daß von ehemals 100 Familien kaum mehr der fünfte Teil daselbst zu finden ist; andere Gemeinden haben kaum mehr ein Minjan oder sind vollständig verschwunden. Wie durch diesen Umschwung die finanziellen Verhältnisse der Gemeinden auf dem Lande beeinflußt wurden, dürfte ohne nähere Begründung wohl klar sein. Die Besoldung von Lehrern und Rabbiner«, die Aufrechterhaltung der rituellen Einrichtungen erfordern Summen, welche den Leistungsfähigkeiten der Gemeinden nicht mehr entsprechen. Die minimale Unterstützung des Staates sowohl wie die Beiträge des Landesvereins sind duchaus unzulänglich für die Deckung der Bedürfnisse; hier kann die Gründung einer Zentralkasse für das ganze Land Abhilfe schaffen. Wie diese zu organisieren sei, dürfte die wichtigste und dringendste Aufgabe des neuen Judengesetzes sein. Eine weitere Regelung bedarf das Verhältnis innerhalb der Großgemeinden, wo zwei Richtungen — die konservative und die liberale — vorhanden sind. Hier muß ein Weg gefunden werden, der den richtigen Ausgleich gestattet und den verschiedenen religiösen Anschauungen gerecht wird. Bei einigermaßen guten Willen auf beiden Seiten kann die Einheit in den Gemeinden gewahrt werden und dies zu erzielen dürfte eine Hauptaufgabe des Gesetzgebers sein. Die Einführung der Verhältniswahl bei den Kultusgemeindewahlen ist ein Punkt, der für die friedliche Entwicklung in den Großgemeinden nicht ohne Belang sein dürfte. Wenn im neuen Gesetze diese Hauptpunkte geregelt sind, dann werden auch die anderen, zu denen vor allem die Regehing des Verhältnisses der Rabbiner und Lehrer zu den Gemeinden zählt, leicht ausgeglichen werden. Ein neues Judengesetz, welches auf diesen Grundlinien basiert, muß kommen. Es wäre nur wünschenswert, wenn die verschiedenen Richtungen sich einigen, damit die Staatsregierung nicht über deren Köpfe hinweg zu handeln gezwungen ist. Was innerhalb der Gemeinden, nach Erlaß eines neuen Judengesetzes, geschehen sollte, darüber wird ein späterer Artikel sich aussprechen. Zionistische Propagandareise Herr Jakob Reich aus München hielt in der Zeit vom 28. Febr. bis 7. März an mehreren Orten Bayerns Lichtbildervorträge über seine vor einem Jahre durch ganz Palästina unternommene Reise. Die Ereignisse in jüngster Zeit, Sprachenkampf und der Annoncenangriff des Antizionistischen Komitees machten es jedoch notwendig, das ursprünglich gestellte Thema zu erweitern. Der Redner befaßte sich bei seinen Vortagen, die er in Erlangen, Günzenhausen, Fürth Ansbach, Kitzingen und Nördlingen hielt, zuerst mit den vom Antizionistischen Komitee beliebten Kampfesmethoden und gab hierauf einen Überblick über die materielle und geistige Judenfrage in Ost und West, verbunden mit einer Darstellung der zionistischen Idee. In den meisten Orten entwickelte sich eine rege Diskussion, die dem Redner Gelegenheit gab, zusammenfassend die gestellten Fragen zu beantworten. Insbesondere gab die Behandlung des Sprachenkampfes Anlaß, den grundlegenden Unterschied zu zeigen zwischen der Aussichtslosigkeit philantropischer Kolonisation und einer nationalen Kolonisation, die nationale Kultur und deren Vorbedingung nationale Einheitssprache erfordere. Nur die letztere, die jetzt unter zionistischer Leitung in Palästina immer festereu Fuß fasse, würde nach den Erfahrungen, welche die philantropischen Versuche der Barone Hirsch in Argentinien und Rothschild in Palästina gezeitigt hätten, wegen des ihr inne wohnenden Idealismus zum Erfolge führen können. Die neue Arbeit unter zionistischer Ägide habe Palästina einen außerordentlichen, noch vor wenigen Jahren kaum zu erwartenden raschen Aufschwung gebracht, der zu den weitestgehenden Hoffnugen berechtige, besonders seitdem sich beim Sprachenkampf ein so starkes selbständiges Leben und Wollen in Palästina gezeigt habe. Diesen Teil seiner Darlegungen unterstützte Herr Reich trefflich durch Vorführung von etwa 100 äußerst interessanten Lichtbildern. Das Publikum folgte den Ausführungen des Redners stets mit größtem Interesse, das durchwegs bis zum Schluß anhielt, obwohl bei dem umfangreichen Thema die Aufmerksamkeit ziemlich lange in Anspruch genommen wurde und es meist fast Mitternacht war, als die Versammlungen geschlossen wurden. In N ü r n b e r g veranstaltete die Ortsgruppe einen internen Diskussionsabend, bei dem Herr Reich über Palästina-Angelegenheiten und die Aufgaben des Zionismus referierte. Die äußerst angeregte Aussprache — bei der die regelmäßige Wiederholung solch interner Diskussionen beschlossen wurde — dauerte bis halb 1 Uhr Nacht. Abgesehen von der Gründung einer Ortsgruppe in Nördlingen gelang es Herrn Reich, die zionistischen Positionen überall durch Gewinnung neuer Gesinnungsgenossen zu stärken.

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