Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 3 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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'28 Das jüdische Echo Nr. 3 Justizrat Dr. Emil Frankel dem Hermann Cohen auf seinen Offenen Brief im „Hamburger Israelitischen Familienblatt" geantwortet hat, repliziert in der „Jüdischen Rundschau" mit einem Artikel, aus dem wir den Teil abdrucken, der sich speziell mit den Wirkungen der zionistischen Idee befaßt: „Von meinem traditionell jüdischen Bewußtsein aus fühle ich mich nicht zu seinem (des Zionismus) Verteidiger ausersehen. Aber wer da im Morgengebete Gott dafür dankt, daß er als Jude geboren ist, muß doch gegenüber jedem Verdunkelungsversuch auf die großen Lichtseiten dieser aus Begeisterung geborenen Bewegung hinweisen, welche schon jetzt für das Gesamtjudentum sich als ethischer Kulturfaktor erwiesen hat. So betrachte ich es als einen großen Gewinn, wenn jetzt die Mehrheit unserer Glaubensgenossen die Bezeichnung „Assimilant" geradezu als eine Beschimpfung betrachtet. Und wenn man sich heute nicht mehr geniert, in der Trambahn eine jüdische Zeitung zu lesen selbst auf die Gefahr hin, daß der Nachbar den Leser als Juden erkennt, so ist auch das ein Gewinn der zionistischen Erziehung. Aber das sind nur nebensächliche äußere Momente gegenüber der Erhebung von bisher vollständig indifferenten jüdischen Familien zum selbstbewußten Bekennertum. Und darin liegt der Hauptwert dieser Bewegung, daß sich ihr Elemente und Kreise, und zwar besonders der idealen jüdischen Jugend beiderlei Geschlechtes, anschließen, deren Eltern längst jede jüdische Betätigung aufgegeben hatten. Es muß mit Bewunderung erfüllen, wie selbst- und zielbewußt diese Jugend nicht etwa nur in gedankenloser Phrase, sondern körperlich und geistig für die Ertüchtigung unseres Stammes arbeitend, all ihr Sinnen und Trachten jüdischen Ideen unterordnet. Die Kenntnis der hebräischen Sprache und Literatur ist den in dieser Bewegung Stehenden Ehrensache geworden. In jeder Kunstbetätigung ringt der eigenartige jüdische Styl nach Ausdruck. Freilich ist das offizielle Programm des Zionismus derzeit noch religionslos; aber es ist doch so wenig gegen das religiöse Leben gerichtet, daß tatsächlich ein sehr beachtenswerter Kreis traditionell denkender und lebender Juden sehr wohl seine religiöse Stellung mit der Zugehörigkeit zum Zionismus zu vereinigen weiß. Nicht nur dieser Kreis, sondern alle traditionell und konservativ gesinnten Glaubensgenossen müssen den Kampf gegen das liberale PJchtlinienjudentum als ein viel wichtigeres Ziel erachten, als den Versuch, diese große fortreißende Bewegung, welche eine neue Art jüdischen Lebens bereits in die Tat umgesetzt hat, eindämmen zu wollen. Der Zionismus erstrebt, daß die jüdische Idee überall neue Wurzel fasse: das Richtlinienjudentum mit seiner Tasso'schen Dogmatik: „Erlaubt ist, was gefällt", muß die Entwurzelung der jüdischen Idee zur Folge haben. — Nicht die weltlichen Ziele des Zionismus sind es, welche dem Außenstehenden die Sympathie zuwenden, sondern die Theorie und Praxis, .welche alles Denken und Handeln nur einem jüdischen Ideal widmet. Und in der Abwendung jedes Assimilantentums einerseits, in der Durchschütterung und Durchzitterung alles Denkens und Lebens von jüdischem Geiste andererseits, treffen sich allerdings das traditionell religiöse und das zionistische Judentum." Der Zionismus ist nicht eine nationale oder chauvinistische Marotte, sondern der Verzweiflungskampf der Juden gegen die sie bedrohende Vernichtung . . . Wollen die Juden ihre Existenz behaupten, so darf ihnen keine Mühe zu schwer, kein Opfer zu groß sein. Fester nationaler Wille ist unwiderstehlich und schafft sich, wenn auch oft erst im Laufe einer langen Entwicklung, schließlich Bahn. Aus Arthur Ruppins „Juden der Gegenwart", erschienen im Jüdischen Verlag, Berlin W 15. Zionismus und Vaterland Auszug aus einer Rede von Dr. Alfred Klee, Mitglied des Großen Aktionskomitees.*) Zwei Gedanken sind es, die eigentlich jeden Juden von selbst zum Zionismus führen müßten: die Überzeugung von der Existenz der Judenheit und die weitere Überzeugung, daß unsere Gebete keine leere Phrase enthalten, wenn sie von der Sehnsucht nach Zion sprechen. Das_ Primäre im Zionismus ist der Wille; aber der Arensch ist gewohnt, den Willen aus theoretischen Gründen zu erklären, nach ihnen zu suchen und die Wurzeln seines Wollens zu ergründen. Auch für den Zionismus lassen sich solche Wurzeln finden. Es sind vornehmlich drei, aus denen der Zionismus erwächst. Bei vielen ist es der religiöse Gedanke: Israel ist ein Volk; die Sehnsucht nach Zion kehrt *) Auf Einladung der Zionistischen Ortsgruppe in München sprach Rechtsanwalt Dr. Klee aus Berlin am 29. Dezember 1913 im Festsaale des Bayerischen Hofes vor zahlreichem Publikum über das Verhältnis von Zionismus und Patriotismus. Die Bedeutung des Themas, das für unsere Gegner noch immer nicht geklärt ist, veranlaßt uns, die leitenden Gedanken der mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Rede wiederzugeben. D. R. stets im Gebet wieder, das ja dreimal, nach Osten gewandt, täglich verrichtet wird. Und doch haben die Vertreter des streng religiösen Judentums anfangs den Zionismus bekämpft. Sie glaubten der Zionismus wolle den Messianismus ersetzen und diesem großen religiösen Hoffnungsgedanken schaden. Aber die Zionisten sind keine Mystiker. Und die Orthodoxen sahen ein, daß der Zionismus die Erhaltung des Judentums bedeute und der Kampf ward schwächer und ließ beinahe völlig nach. Schwieriger als mit der Orthodoxie ist es, sich mit dem liberalen Judentum auseinander zu setzen. Er wart dem Zionismus engherzigen Nationalismus vor, der sich nicht mit der Weltmission des Judentums vertrage. Schon Judas Propheten waren national. Großes kann überhaupt nur leisten, wer auf nationalem Boden steht; hier einzig und allein kann ein Volk Genies gebären Nationalismus ist darum nicht Engherzigkeit, nicht Kleinlichkeit, sondern er bedeutet auf eigenem historischen Boden einen festen Stützpunkt besitzen, den jeder braucht, der der Welt etwas geben will. Neben dem religiösen Ideal ist es d a s soziale Empfinden, das zum Zionismus führt.