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Das jüdische Echo · 1914-03-01 · 3 (März 1914) · p. Seite 27

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
3 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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Fred i; der trotz seines Anteils an deutscher Publizistik, seiner Verdienste um die Organisierung deutscher Schriftsteller, sein jüdisches Bewußtsein nicht eingebüßt hat, findet zur Charakterisierung der „Erklärung" und der „Erklärer" treffende Worte von bezwingender Wirkung: „Sie fragen, was ich zu der „Erklärung" sage, die eine große Zahl von Justiz-, Sanitäts- und Kommerzienräten, Handels- und Amtsrichtern, Stadträten, Schuldirektoren, Hoflieferanten und anderen im bürgerlichen Leben erfolgreichen Männern in den Tageszeitungen veröffentlichten. Und Sie haben hinzugefügt, daß Sie über den Streitfall selbst keine Äußerung erwarten, sondern nur hören wollen, was ich über diese Form des Kampfes und diese Kämpfer meine. Die Erklärung ist im Inseratenteil der großen deutschen Blätter erschienen. Das bedeutet zumindest eines: Die Unterzeichner, sonst gewohnt, daß einer aus ihren Kreisen kommenden Meinungsäußerung über eine öffentliche Angelegenheit Raum und Wirkungsmöglichkeit im redaktionellen Teil gegeben wird, haben in diesem Fall selbst gewußt und zum Ausdruck gebracht, daß ihre Mitteilung auf jene Seiten gehöre, wo jeder, der dafür zahlt, drucken lassen darf, was er will, unter seiner eigenen Veranwortung — abgesehen von gewissen preßgesetzlichen Ausnahmen, die hier nicht in Frage kommen — und mit dem Gewicht, den seine Unterschrift, seine Firma usw. beim Publikum hat, aber ohne jene Stoßkraft, die ihr durch die Aufnahme in den redaktionellen Teil zuwachsen würde. Nun, die Erklärung ist unterschrieben von vielen Männern, deren Wort — jedes in seinem Kreise! — sicherlich Geltung verlangt und erhält. In wessen Auftrag oder sogar Namen sie handeln, ist nicht gesagt, und das soll wohl glauben lassen: „Wir repräsentieren auch ohne deutliches Mandat das deutsche Judentum, die in Deutschland lebenden und schaffenden Juden! Wir auf der einen Seite. Auf der andern Ihr —■ die Zionisten. Und nun zerschneiden w i r das Tischtuch." Ich gestehe Ihnen, daß dieser Anspruch dieser Gruppe, der ja nicht zum erstenmal, aber vielleicht zum erstenmal so deutlich, erhoben wird, meine Gedanken und Gefühle im höchsten Maße erregt. Ob damit den deutschen Staatsbürgern jüdischer Konfession Liebes getan wird oder den Zionisten — mir gilt es gleich; aber froh benütze ich die Gelegenheit, um Einspruch zu erheben gegen die Behauptung, daß, wer nicht Zionist ist, wohl aber bewußter Jude, diese sonst sicherlich höchst ehrenwerten Herren als seine berufenen Wortführer anerkennt. Ich glaube, daß es nicht Wenige sind, die mit mir eine Klärung in dieser Hinsicht wünschen. Es ist nicht wahr, daß der Jude, der nicht Zionist ist, das Weltgefühl, das Lebensgefühl, das jüdische Gefühl dieser Männer teilen muß und teilt, nur weil er sich vom Zionismus, mehr oder weniger scharf dies pointierend, fernhält. Diese Erklärung selbst erweist es, durch ihre Existenz an sich, durch ihre Erscheinungsform, durch bestimmte Sätze, die sie enthält. Ob Zionist oder nicht, — jeder Jude, der dies wirklich ist, nicht nur nebenbei und ächzend und assimiliationslustig, muß aus seinem Rlassenbewußtsein heraus, aus seinen tiefsten Trieben heraus es ablehnen, eine Frage des Judentums, einen internen Kampf zweier jüdischer Parteien — nicht der zwei jüdischen Parteien — auszufechten vor dem christlichen Publikum, das die Leser jener Zeitungen bilden, in deren Inseratenteil man diese Erklärungen gesetzt hat. Das ist nicht eine gleichgültige Äußerlichkeit. Ich scheue mich nicht auszusprechen, daß ein Jude, der mit seinen tiefsten Trieben Jude ist, das Verlangen nach dieser Publizität als eine Schamlosigkeit empfinden muß. Die Frage, ob im Technikum in Palästina hebräisch oder deutsch unterrichtet werden soll, die kann man natürlich auch vor christlichen Lesern erörtern. Vor Christen aber sich zu beklagen über einen Kampf innerhalb des Judentums —, das ist ein mir unbegreifliches, aber mich schmerzendes Vorgehen, selbst wenn die Formen dieses Kampfes auf der einen oder andern Seite oder auf beiden Seiten häßlich waren. Ich gehöre sonst wahrhaftig nicht zu Jenen, die viel darnach fragen, was die Christen über uns Juden jetzt sagen werden, aber der Wunsch dieser Juden, vor Christen die zionistischen Juden zu brandmarken — und den beweist das Inserieren in den deutschen Tageszeitungen — hat nichts zu schaffen mit dem stolzen Gefühl: „Ich handle nach meinem Gesetz ohne Scheu vor christlichem Urteil." Im Gegenteil: diese Erklärung wünscht ja gerade vor den „Anderen" eine Gruppierung zu markieren, die rechts die Christen und die braven Juden in schöner Einigkeit zeigt, links die bösen Juden, nämlich die Zionisten. Dieses Weltbild, so ferne jeder Realität wie wohl das Gefühl der meisten dort Unterzeichneten dem wirklichen jüdischen Bewußtsein, soll um jeden Preis den Deutschen aufgedrängt werden. Und gerade wer, wie ich, nicht Zionist ist, fühlt das Bedürfnis aufzuschreien: Selbst wenn mir der Zionismus gegen mein Gefühl geht, und selbst wenn in diesem Einzelfall Zionisten ganz falsch gehandelt haben — ich weiß es nicht, hier kann's keiner nachprüfen — Männer, die so sprechen und handeln, haben kein Recht, als berufene Wortführer jener nichtzionistischen Juden, die ihr jüdisches Blut als ihr tiefstes spüren, aufzutreten. Aber in der Erklärung steht ja auch noch der Satz von den „christlichen Mitbürgern, von denen uns doch nichts scheidet als unser Glaube." Ich bin kein Zionist. Der jüdische Glaube ist mir durch die Entwicklung der Diaspora weit ferner als der Buddhismus, aber von den christlichen Mitbürgern scheidet mich — wenn nun einmal im Inseratenteil der „M. N. N." davon gesprochen werden soll — mein Blut: das jüdische Blut. Hindu kann man nicht werden, Buddhist wohl. Die christliche Lehre kann man aufrichtig annehmen und bekennen wie die mosaische Konfession. Jude aber kann man nicht werden, zumindest nicht durch individuelle Entwicklung, Willensentschlüsse und nicht in der ersten Generation. Durch Rassenevolution kann man sich vom Judentum entfernen oder auch sich ihm nähern — in Generationen, Jahrhunderten —! Aber so lange man jüdisches Blut in sich weiß und fühlt, scheidet es einen vom „christlichen Mitbürger" — mit dem Glauben hat das nichts zu tun. Es wäre noch Einiges zu sagen. Ich lasse anderen das Wort. Mir war es wesentlich, das auszusprechen, was die Rechtsanwälte, Geheim- und anderen Räte, „gute Juden und gute Deutsche" — nicht wahr haben wollen: daß es Juden gibt, die ohne Zionisten zu sein, ihr Judentum triebhaft als das stärkste Bindende, — nach der einen Seite! — und das unweigerlich Trennende — nach der andern! — fühlen. Mit der deutschen Kultur, ja sogar der deutschen Nation hat das nichts zu schaffen, allerdings auch nichts mit dem Glauben und auch nichts mit der Sprache."

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