Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 19 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 19 liehen Unterricht in allen (?) Fächern des Technikums zu bestehen." Denn, wie es im Vorwort S. 17 heißt, „wir müssen suchen, ganz Syrien mit einem Netze deutscher Schulen zu überziehen." Da aber das Reich und das Auswärtige Amt für diese Politik nach Hartmanns Ansicht geringes Verständnis haben oder keine Mittel flüssig machen können, beziehungsweise in dieser Beziehung noch sehr wenig getan ist, scheint ihm die jüdische Gründung hierfür ein geeignetes Mittel. Haben sich etwa die Führer des Hilfsyereins von dieser Seite zu einer Unterdrückung des Hebräischen bestimmen oder mitbestimmen lassen, so zeigt doch der Verlauf des Sprachenstreites, daß in der jüdischen Allgemeinheit die Einsicht für eigene politische Notwendigkeiten im Wachsen begriffen ist. Dr. E. W. T s c h 1 e n o f f: Fünf Jahre der Arbeit in Palästina. 8°. 86 S. M. 1.—. Jüdischer Verlag, Berlin W. 15. In der von Dr. Paul Nathan zu Unrecht für seine Zwecke als Kronzeuge zitierten Schrift schildert Tschlenoff, Mitglied des Engeren Aktions-Komitees der zionistischen Organisation, die Veränderungen, die er in Palästina bei seiner Wiederkehr nach fünf Jahren angetroffen hat. Er verfolgt die Entwicklungslinien, die sich ihm zu zeigen schienen, erzählt von den Fortschritten der Kolonisation in der Zeit seiner Abwesenheit, von dem indirekten Einflüsse, den zionistische Arbeit auf andere Palästinaorganisationen genommen hat, von dem neuen Leben, das im Heiligen Lande ersteht und — von den vorhandenen Lücken, die, soll das Ziel des Zionismus erreicht werden, noch zu schließen sind. Tschlenoff sieht genau, was noch zu leisten ist, er beschönigt nicht, er spricht gelassen von den Fährnissen, denen zionistische Arbeit noch begegnen wird, verheimlicht nichts von den Schwierigkeiten, auf die man gefaßt sein muß; aber bei Abwägung aller günstigen und unerfreulichen Erscheinungen kommt er zu dem Ergebnis, daß der Zionismus getrost, das große Ziel im Auge haltend, weiter arbeiten müsse so zwar, daß kein Tüpfelchen des ursprünglichen Programms, auch in der Aufrollung desselben bei der Propaganda fallen gelassen werden dürfe. Infolgedessen nimmt er in unbarmherziger Analyse, aber nichtsdestoweniger in vornehmer Polemik Stellung gegen das, was Achad Ha-am, der mit den beiden Mitgliedern des zionistischen Aktionskomitees Lewin und Tschlenoff aus dem Kuratorium des Haifaer Technikums austrat, als Fazit seiner letzten Reise nach Palästina veröffentlicht hat. Es ist schier unmöglich, auch nur einen Auszug, eine kurze Inhaltsangabe des wertvollen Büchleins zu geben. Schon deshalb weil in jedem Falle wichtige Teile unberührt bleiben müßten. Die Lektüre emnfiehlt sich umsomphr, als Tschlenoffs Veröffentlichung als bedeutsames erfreuliches Dokument der zionistischen Parteiliteratur gelten muß, in dem das Banner desjenigen Zionismus entrollt wird, der nicht eine Lösung zum Teile, sondern eine absolute Erlösung aus unserer Lasre will und als im Bereich der Möglichkeiten liegend verheißt. W—r. Vereins- und Versammlun^s-Echo München. K u 11 u r v e r e i n. Der jüd. akad. Kulturverein München, hielt im Dezember sein herkömmliches Chanukka-Fest mit Ball ab. Das gut jüdische Programm des Abends erntete den wohlverdienten Beifall des zahlreichen Publikums. Am 14. Januar sprach Dr. Ch. Schitlowsky, New-York, über die „Grundlagen des progressiven Nationalismus". Nach dem Vortrag fand ein Bankett zu Ehren des Redners statt. Vereinsadresse: Hotel Kronprinz, Zweigstr. 10. B n e J e h u d a. Im Dezember hielt der Verein seine ordentliche Jahresversammlung ab. Nach dem Tätigkeitsbericht wurden Neuwahlen vorgenommen. Der Verein hält allwöchentlich Samstag abend 9 Uhr in der „Jüd. Lesehalle", München, Holzstr. 24/11 1. seine jedermann zugänglichen Vereinsabende ab. Der Verein steht auf jüd.-nationaler Basis. Makkabaea. Der jüd.-akad. Verein „Makkabaea", München, hält allwöchentlich interne Sitzungen ab. Am 28. Dezember sprach Journalist M. Großmann, Berlin, über seine „Eindrücke vom Beilisprozeß". Anfragen zu richten: Jüd.-akad. Verein „Makkabaea", Holzstr. 24/11. Hechowe r. Der Organisation zionist. Studenten yHechower" gehören z. Z. 22 Vereine mit 450 Mitgliedern an. Die Leitung befindet sich in München. Anfragen an: *,Merkas Hechower", Holzstraße 24/11. Dr. M. M. Turnverein. Der jüdische Turn- und Sportverein vereinte am 18. Januar seine Mitglieder und eine große Anzahl Gäste zu einem Winterfest, verbunden mit einem Schauturnen, das den allerbesten Verlauf nahm. Nach einer Festrede von Rechtsanwalt Greifenhagen, Berlin, begannen die turnerischen Übungen, welche nicht nur ein treffliches Können der Teilnehmer zeigten, sondern auch den Beweis dafür gaben, daß der Verein über ganz vorzügliche Lehrkräfte verfügt. Am 29. d. M. fand in der Toynbeehalle ein Schauturnen des Jüdischen Turn- und Sportvereins statt, bei dem ein Teil der Vorführungen des Festes wiederholt wurde. Die Toynbeehalle hatte seit langem kein so zahlreiches Publikum gesehen. Es folgte den Vorführungen ebenso wie einem Vortrag des Herrn Dr. Ludwig Wassermann über die jüdische Turnbewegung, der den Abend einleitete, mit gespanntem Interesse. R. Zionistische Ortsgruppe. Am 20. Jan. sprach unser Mitglied Rechtsanwalt Dr. Anton Goldscheid er über „die wirtschaftliche Bedeutung unseres Kolonisationswerkes in Palästina". Der Redner würdigte in eingehender Weise die Lage und die Entwicklung des kolonisatorischen Werkes in Palästina und gab ein treffliches Bild der derzeitigen Lage. Dem Referat folgte eine Diskussion, welche verschiedenen Rednern Gelegenheit gab, dasselbe noch zu ergänzen. Am 10. Februar fand eine Mitgliederversammlung statt, in der Rechtsanwalt Dr. T h e i 1 h e i - m e r über den „Sprachenstreit" referierte. Im Anschlüsse daran erfolgte eine Aussprache über die vom Antizionistischen Komitee veranlaßte Erklärung gegen die Zionisten. Man beschloß den Angreifern nicht auf den von ihnen beschrittenen Weg zu folgen. Jüdischer Jugendverein. Zur Sittenlehre des Judentums hielt Rabbiner Dr. L. B a e r - wald einen interessanten, lebhaft akklamiertcn Vortrag. Die Sittenlehre des Judentums, so führte Dr. Baerwald ungefähr aus, kann nur im Zusammenhang mit seiner Lehre von Gott verstanden werden. Religion und Ethik hängen im Judentum unauflöslich fest zusammen. Die jüdische Religion lehrt von Gott nur sittliche Eigenschaften, und das Gute bekommt durch den Glauben an diesen Gott objektiven Wert. Die wichtigsten sittlichen Prinzipien, Liebe und Gerechtigkeit, sind nach den Lehren der Bibel und des Talmud in