Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 18 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Das Jüdische Echo Nr. 2 ist, die sich dessen nicht bewußt sind und die eine bewußte Betonung dieser Gemeinschaft sogar bekämpfen. Der Zionismus hatm.it der Loge die nationale Grundlage gemeinsam. Er unterscheidet sich von ihr nur dadurch, daß er dem einzelnen Juden neben der selbstverständlichen Menschenpflicht der werktägigen Liebe gegen den Nächsten auch Pflichen gegen das jüdische Volk auferlegt. Er fordert, daß man sich mit dem jüdischen Problem in seiner ganzen Ausdehnung befasse und nicht an den Grenzpfählen des eigenen Heimatlandes Halt mache und sich mit der billigen Phrase begnüge, „die Judenfrage müsse in jedem Lande gesondert gelöst werden." Der Zionist kennt und empfindet schwer die Bitternis der Lage unseres Volkes, er sieht die Gefahren, die unsere Volksexistenz bedrohen, und er sucht den Weg zu beschreiten, — nein heute erst noch zu schaffen und zu ebnen! — auf dem allein ihm eine Rettung möglich erscheint. Der in der Logenidee zum Ausdruck gebrachte nationale Ge m e i n s i n n genügt nicht im Kampfe gegen die unsere geistig-kulturelle, unsere soziale und wirtschaftliche Existenz bedrohenden Mächte. Diese werden unserer kleinen Minderheit mit der Zeit überall Herr werden, wenn nicht unser nationaler Wille sich regt, uns stärkt in der Not des Kampfes und uns erfüllt mit der Gewißheit einer Zukunft unseres Volkes. Hienach könnten Logenidee und Zionismus sich wohl vertragen und trefflich ergänzen. Und wenn man in den Kreisen der München- Loge anderer Ansicht ist, so ist das wohl nur so zu erklären, daß man diesen Zusammenhängen weniger nachgegangen ist, und sich mehr von den Schlagworten der neuerdings wieder mit so wenig vornehm gewählten Mitteln betriebenen antizionistischen Agitation hat betören lassen. Gemeinden-Echo Vor Tisch las man's anders! Die Führer der liberalen Partei innerhalb der Münchner Gemeinde hatten schon gelegentlich des Wahlkampfes von 1910 anerkannt, daß das bestehende Wahlrecht eine Revision erfordere und diese nur auf Grundlage einer Einführung des Proportionalwahlrechts geschehen könne. Als die konservativen Mitglieder des Verwaltungsausschusses aber versuchten, eine Änderung des Wahlsystems auch praktisch durchzuführen, zeigte es sich, daß die Herren ihre unter der Herrschaft des veralteten Wahlrechts viel leichter zu wahrende Machtstellung nicht aufzugeben gedenken und die liberalen Prinzipien, wo es sich um Machtfragen handelt, einfach verleugnet werden. Man erledigte die Anträge im Anfang 1911 damit, daß man auf das im Jahre 1913 bestimmt zu erwartende Judengesetz vertröstete. Und als vor kurzem die Frage im Verwaltungsausschuß wieder auftauchte, erklärte der Vorstand, man wolle warten, ob das Gesetz nicht 1915 eingebracht werde. Kurz: eine Verschiebung ad calendas graecas. „Die rechtliche Stellung des jüdischen Religionsunterrichtes." Am 6. Verbandstag der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich, der vom 28. bis 30. Dezember in Breslau stattfand, führte Herr Hauptlehrer Simon D i n g f e 1 d e r aus München zu dieser Frage aus: In Bayern werde der jüdische Religionsunterricht überall als dem christlichen gleichwertig betrachtet. Der Unterricht erstrecke sich auch auf hebräische Sprache. — So günstig die Lage des Religionsunterrichtes sei, so ungünstig sei die des Religionslehrers. Er sei nur Privatbeamter der israelitischen Kultusgemeinde; außerdem sei eine drückende Abhängigkeit von den Distriktsrabbinern zu befürchten. Nahezu drei Viertel aller im Dienste der Gemeinden stehenden Lehrer hätten sich 1910 mit einem Gehalt von 500—1200 Mark begnügen müssen! Wenn die Regierung von Fürsorge für Volksschullehrer spreche, die auch jüdischen Lehrern zugute kommen solle, dann handle es sich niemals um Religionslehrer, auch dann nicht, wenn diese als Elementarlehrer ausgebildet seien. Sehr besserungsbedürftig sei auch das Kündigungsrecht. Bayerische Rabbinerkonferenz. Anläßlich des Auftauchens der liberalen Richtlinien schien die Auflösung der bayerischen Rabbinerkonferenz, der alle Rabbiner Bayerns ohne Rücksicht auf die religiöse Richtung angehören, in die Nähe gerückt. In einer Versammlung (Ende Dezember in Fürth) wurde jedoch beschlossen, trotz tiefgehender religiöser Gegensätze wieder gemeinsam zu arbeiten. J. F. Kitzingen. Die Kultusgemeinde beschloß die Gründung einer jüdischen Volksschule und hat damit dem Deutsch-israelitischen Gemeindebund eine Antwort gegeben, die überall Nachahmung verdiente. Literarisches Echo Martin Hart mann: Reisebriefe aus Syrien. Verlag Dietrich Reimer, Berlin 1913. 123 S. 8°. Mk. 3.—. Es ist immer ein Genuß, die temperamentvollen Aufsätze des erfahrenen und klugen Professors am Orientalischen Seminar in Berlin, Martin Hartmann, zu lesen, wenn auch seine Darstellungen gerade wegen der Schärfe des Urteils und Stringenz der Folgerungen den Eindruck erwecken, der Replik eines anderen Kenners zu bedürfen. Hartmanns „Reisebriefe aus Syrien" stellen ebenso wie seine 1910 erschienenen ..Unpolitischen Briefe aus der Türkei" trotz des Charakters der Momentaufnahmen wahre Fundgruben zur Orientierung über das politische und kulturelle Geschiebe des osmanischen Reiches dar. Die Reisebriefe waren, bevor sie in Buchform erschienen, in der „Frankfurter Zeitung" veröffentlicht. Der erste derselben ruft heute neuerdings unser Interesse wach, da sich Hartmaun darin eingehend über das Technikum in Haifa ausspricht. Er behandelt dessen Gründungsgeschichte, berührt das Aufblühen der hebräischen Sprache in Palästina und gelangt zu dir von seinem Standpunkt als Unbeteiligter, ,dem das Geschick der Juden nicht ans Herz hinanreicht, verständlichen Forderung: „Die Reichsregierung, die der Anstalt ihren Schutz gewährt, hat das volle Recht (?), auf dem deutschsprach-