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Das jüdische Echo · 1914-02-01 · 2 (Februar 1914) · p. Seite 17

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
2 (Februar 1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 17 (sequence 5)
Language
German
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Nr.2 Nr. 2 Das Jüdische Echo 17 nicht in v u un- #Sm® 1,1 , „«# d|C v*Ss&- V* ISiscl? „alio»a fVürde ab« , ««eis* 52S WVrte'f w nerz£ sehe selbstverständlich nur Deutschlands Wohl im Auge haben können — den größten Wert auf das Wohlwollen der amtlichen deutschen Kreise und auf ersprießliche Beziehungen zu dem wirtschaftlich und politisch so starken Deutschland gelegt. Gerade die große Masse der russisch-jüdischen Auswanderer und Kolonisten versteht deutsch (zum mindesten jüdisch-deutsch) und bringt so natürlich gegebene Berührungspunkte zu Deutschland mit. Wenn man aber diesen jüdisch-national begeisterten Massen die deutsche Sprache aufzwingen will, so wird man mit diesem Zwang nicht Sympathien schaffen, sondern manche bestehende Sympathie vernichten. Für Deutschland ist der Orient ein wichtiges Gebiet und Palästina mit seiner — in den amtlichen deutschen Konsularberichten gerühmten — fleißigen aufblühenden Kolonistenbevölkerung ist für Deutschlands Wirtschaft ein bedeutsamer zukünftiger Absatzfaktor. Hier kann Übereifer nur schaden und er hat schon geschadet. Der übereilte. Schritt des Hilfsvereins hat Frankreichs Konsulen bereits auf den Plan gerufen. Es ist ja ganz selbstverständlich: wenn die deutschen Juden die deutsche Schulsprache verlangen, wrarum sollen die englischen und französischen nicht ebenfalls entsprechende Wünsche haben. Darum hat die zionistische Organisation mit der Betonung des Hebräischen Recht gehabt. Man erwirbt Deutschland mehr Sympathien, wenn man die Dinge ruhig sich entwickeln läßt, und nicht, wie der Hilfsverein, mit gutgemeintem Draufgängertum Scheinerfolge erzielt, die in Wirklichkeit mehr Verluste als Gewinne bringen. Die palästinische Bevölkerung ist über das Vorgehen des Hilfsvereins sehr erregt und will ganz natürlich am Hebräischen festhalten. Es wäre zu wünschen, daß die Aktion des Hilfsvereins eine durchaus private bleibt. Logenprinzip und München-Loge Von .einem Zionisten In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts ist in Amerika der Bnei-Briß-Orden gegründet worden, der als sein Programm die sittliche Hebung der jüdischen Gemeinschaft, die Pflege von „Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht" aufstellte, und unter diesem Programm Juden aller religiösen und politischen Richtungen in seinen Kreisen gesammelt hat. Diese Grundprinzipien der Loge sind in die Statuten aller dem Orden angeschlossenen Vereine übergegangen, und es haben bisher in der Tat in allen Logen, insbesondere auch in den zahlreichen in den letzten Jahrzehnten in Deutschland begründeten Logen Männer der verschiedensten religiösen und politischen Gesinnungen friedlich zusammengearbeitet. Auch eine große Anzahl Zionisten sind Mitglieder des Ordens. An vielen Orten (z. B. Berlin, Hamburg, Mannheim) sind Zionisten, und zwar solche, die an führender Stellung in der zionistischen Bewegung tätig waren, zu Präsidenten der Logen gewählt worden. Es war unserem engeren Heimatlande Bayern vorbehalten, dem Grundprinzip des Ordens eine neue „Auslegung" zu geben. Nachdem schon vor einigen Jahren die Nürnberger Maimonides-Loge ein ähnliches Beispiel geliefert hatte, hat vor ganz kurzem die München-Loge einem als Mitglied vorgeschlagenem Herrn die Aufnahme versagt, erklärtermaßen einzig und allein deshalb, weil er zionistisch gesinnt und tätig ist. Die Ablehnung erfolgte, obwohl der Vorgeschlagene von dem Logenpräsidenten selbst und einer Reihe der prominentesten Logenmitglieder vorher dringend ersucht worden war, sich präsentieren zu lassen und die Präsentation sogar durch Personen erfolgt war, die in Logenkreisen sehr angesehen sind. Es soll über die Angelegenheit innerhalb der Loge zu sehr erregten Debatten gekommen sein und es wird versichert, daß die M e h r h e i t der München-Loge den Ablehnungsbeschluß nicht billige. Zwei führende 'Mitglieder der Loge haben aus diesem Anlaß ihren Austritt erklärt. Wie dem auch sei: jedenfalls hat die München- Loge die V e r a n t w o r t u n g für den Beschluß zu tragen, der nichts anderes besagt, als daß eine jüdische Organisation, die satzungsgemäß politisch und religiös neutral ist, ihre Neutralität den Zionisten gegenüber verleugnet , und diese — ihre eigenen Grundgesetze durchbrechend — aus ihren Reihen ausschließt. Es ist dasselbe Prinzip, über das sich die Herren so bitter beklagen, wenn es in nichtjüdischen „interkonfessionellen" Vereinigungen ihnen, als „Israeliten", gegenüber zur Anwendung gebracht wird! Gibt es eine Er k 1 ä r u n g für das Vorgehen der München-Loge? Eine vernünftige schwerlich. Die München-Loge will keine Vereinigung religiösgläubiger Juden sein. Sie hat, wie alle ihre Schwestervereine, in ihrer Mitte zahlreiche „Brüder", die von einer jüdisch-religiösen Weltanschauung, von einem positiven Glauben weit entfernt sind. Was eint die Brüder? Was ist „die jüdische Gemeinschaft", von der die Logensatzungen sprechen? Doch nichts anderes, als die Gemeinschaft des Blutes, die Gemeinschaft der Abstammung, der Tradition und Geschichte, die Gemeinschaft einer durch diese Faktoren bestimmten eigenartigen sozial scharf umgrenzten Bevölkerungs-Gruppe. Will man es in einem Worte sagen: die nationale Gemeinschaft. Die Loge ist durch ihre Existenz eine klare Bekundung der Tatsache, daß die Judenheit sich nicht in eine reine Religionsgesellschaft umgewandelt hat — wie heute mit einer gewissen Absicht immer wieder betont wird — sondern daß eine historische, soziale, kurz eine nationale Gemeinschaft auch unter den Juden vorhanden

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