Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9102850-9111406--00024-9072852- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
16 Das Jüdische Echo Nr. 2 weniger erschüttert, als er ja durch das „Jüdische Institut für technische Erziehung in Palästina" dem Schulwerk seine Krone aufsetzen wollte. Und daß dieses Technikum ein „jüdische s" werden sollte, dafür schien vielerlei zu bürgen: Es waren die ersten großen Summen aus Rußland gekommen, A c h a d H a a m , der einflußreichste hebräische Publizist unserer Zeit, und Schemarja Lewin, ein Mitglied des zionistischen E. A. C, waren als Vertrauensmänner der Wissotzkischen Stiftung ins Kuratorium eingetreten. Amerikanische Juden hatten aus Begeisterung für das „jüdische Technikum" große Summen gespendet, und der N a t i o n a 1 f o n d s stellte die Kosten für den Grund und Boden als unverzinsliches Darlehen zur Verfügung, ein zweites Mitglied des E. A. C. ins Kuratorium entsendend. Nun brachte die Sitzung vom 26. Oktober 1913 die große Enttäuschung: Die genannten Mitglieder des Kuratoriums hatten für die dem Technikum anzugliedernde Mittelschule das Hebräische als Unterrichtssprache verlangt, für das Technikum selbst vorerst nur, daß Geographie und Geschichte hebräisch unterrichtet würde. Dieser Antrag wurde abgelehnt und die drei Hebraisten hielten es dann für ihre Pflicht, aus dem Kuratorium auszutreten. In Palästina wirkte diese Nachricht wie ein Donnerschlag. Und die Art, wie sich das gesamte neue Palästina erhob, um sein schwer erworbenes Gut, „seine Sprache" zu schützen, war füralleTeile eine Überraschung. Für die Leiter des Hilfsvereins wohl in erster Linie; sie hätten sich sonst doch ihren ablehnenden Beschluß etwas reiflicher überlegt; für die Zionisten aber nicht minder. Nur waren die Gefühle der beiden Teile verschieden! Die Führer des Hilfsvereins standen ratlos vor diesem Ausbruch des Volkswillens. Sie begriffen nicht, was ihre alten treuen Lehrer veranlassen konnte, ihre guten Stellen aufzugeben, daß ihre Schüler die Schulen verließen. Mit Zustimmung ihrer Eltern! Sie sahen nicht, daß es sich hier um einen Kampf handelte, wie er immer und übera 11 ausgekämpft wird, wann und wo es sich um nationale Güter und Ideen handelt. Sie sahen nur „wüste Agitation", „Terrorismus", „Verhetzung"! Und gerieten darüber außer sich, weil sie letzten Endes eben doch nur als Außenstehende zu den Juden Palästinas gekommen waren mit der besten Absicht zu helfen — aber nicht mit dem Willen, sie bis in die Seele hinein zu verstehen, nicht mit der Möglichkeit, ihre Ideale zu teilen. Anders die Zionisten! Auch sie standen zuerst sprachlos vor dem Neuem, das sich ihnen bot: Palästinensische Juden, die forderten, nicht mehr nur Almosen nahmen! Aber in ihnen regte sich Freude darüber. Denn zum Fordern gehört Kraft und Stolz und Gefühl für sein Volkstum! Und sie sahen, daß es für sie nur eine Pflicht geben könne: dem jüdischen Volksteil in Palästina zu helfen; denn er ist uns wertvoll genug, er birgt unser Zukunftshoffen! Und darum haben die Zionisten nicht Kampfesartikel in die politischen Tageszeitungen gebracht — die kamen von anderer Seite und durften nur nicht unerwidert bleiben — nicht in Streit und persönlicher Fehde ihre Aufgabe gesehen, sondern unter großen Opfern Geldmittel aufgebracht und die Gründung solcher Schulen unterstützt, wie sie das heutige Palästina in der Tat braucht. Wir hoffen nur, daß die am 22. Februar erfolgende Entscheidung über das Technikum so falle, daß die Anstalt denen eine Bildungsanstalt sei, für die sie gedacht war: für die Juden Palästinas, die ja nicht Deutsche sind oder werden sollen, sondern Juden des Orients sind und bleiben sollen. R. St. * Seit dem am 13. Dezember 1913 vom Zionistischen Aktions-Komitee erlassenen Aufruf für die hebräische Schule sind — abgesehen von den noch nicht gezahlten Zeichnungen und Jahresbeiträgen — bis zum 17. Februar d. Js. gegen 1 6 0000 Mark in bar eingelaufen, sodaß das hebräische Schulwerk in Palästina als gesichert gelten kann. Von dieser Summe entfallen nicht weniger als 4 5 0 0 0 Mark auf Deutschland, ein Beweis dafür, daß der zionistische Gedanke bei uns nicht weniger tief in den Herzen wurzelt als anderswo. Beiträge sind zu senden an das Zionistische Zentralbureau, Berlin W. 15. Zeitungs=Echo Die „Bayerische S t a a t s z e i t u n g" veröffentlichte in ihrer Nr. vom 31. Dezember 1913 folgenden Beitrag über den „Sprachenstreit in Palästina'1, durch dessen Aufnahme sie zeigt, daß ihr der zionistische Standpunkt plausibel erscheint: Während bis jetzt der Hilfsverein der deutschen Juden und die zionistische Weltorganisation in palästinischen Schulfragen friedlich zusammengearbeitet haben, ist nunmehr plötzlich ein Streit entbrannt, der für weitere Kreise von Interesse ist. Bislang sah man es als selbstverständlich an, daß die neue jüdische Generation in Palästina in der Sprache ihrer Ahnen — also hebräisch — unterrichtet wurde. Mit diesem Prinzip will nun der Hilfsverein bei einigen Anstalten in Haifa brechen und an Stelle der hebräischen Schillsprache die deutsche Sprache einführen. Die zionistische Weltorganisation kann aus national-jüdischen Gründen dies nicht billigen, aber sie würde Deutschland auch gar keinen Dienst erweisen, wenn sie im Orient, wo man doppelt vorsichtig sein muß, sich als den freiwilligen Agenten der deutschen Regierung aufspielen wollte. Der Zionismus hat von jeher — und nicht nur durch die deutschen Zionisten, die als deutsche Staatsbürger