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Das jüdische Echo · 1914-02-01 · 2 (Februar 1914) · p. Seite 15

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
2 (Februar 1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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Das .Tiidische Echo 15 Steppen fruchtbare Felder, blühende Gärten zu schaffen; sie verloren tausendmal den Mut, wenn das Fieber ihre Reihen dezimierte, wenn Mißernte ihr Korn verkümmern ließ, die Reblaus ihre Weinstöcke zerstörte und Seuchen das Vieh, das sie mit Mühe aufgezogen, dahinraffte. So hat es vieler und großzügiger Hilfe von außen bedurft, das Wankende zu stützen; aber auch eines großen, unverrückbaren Ideals im Innern, bis jüdische Siedlungen entstehen konnten, wie wir sie heute in Erez Israel vor Augen sehen. Jedoch aus vielen einzelnen kleinen begeisterten Volkskreisen, wird noch lange keine große Volksgemeinschaft, wenn nicht neben der einenden Idee alle als starkes Bindeglied die gemeinsame Sprache umschließt. Und in Palästina herrschte ja das reinste Sprachengewirr. Denn neben Spaniolisch, Arabisch, Persisch waren die verschiedenen Arten „Jargons" eingeführt. Ein Jude aus Polen und einer aus Südrußland verstehen sich kaum, ein rumänischer Jude kann dem „Yiddish" eines amerikanischen nicht folgen, wozu, um das Maß zu füllen, noch griechisch und italienisch sprechende Juden kamen. Für alle orientalischen Juden war nun von jeher das Hebräische ein Bindeglied, und es war darum schon rein praktisch gar keine Frage, daß das Hebräische dazu berufen sei, das Einigungsmittel zu werden zwischen all den verschiedenen Gruppen von Juden. Ganz bewußt erhob aber die Schar der neuen Einwanderer das Hebräische auf den Schild. Die Rückkehr zur eigenen uralten Sprache, in der die Väter ihr Höchstes, ihr Innigstes für die Enkel niedergelegt hatten, sollte ihnen helfen nicht nur den Boden, sondern auch den alten Geist des Fleimatlandes wieder zu entwickeln. Bei den Kindern mußte man beginnen mit der hebräischen Sprache. Aufgabe der S c h u - 1 e n war es, das Hebräische lebendig zu machen im Munde der Kinder. Die Schulen der Alliance Israelite universelle haben versagt — das konnte nicht anders sein — aus ihrem Prinzip heraus. Sie hatte das eine Ziel, die Juden Palästinas für den Lebenskampf brauchbar zu machen irgendwo in der Welt. Das Land Palästina und das Wiedererwachen eines jüdischen Volkstums war ihr gleichgiltig. So wählte sie „Französisch" als Schulsprache, weil man es als Sprache der „gebildeten Welt" für die beste Mitgabe hielt. Anders der Hilfsverein der deutschen Juden, der vor etwa 10 Jahren mit seinem Schulwerk in Palästina begann. Er hatte allerdings auch schon eine andere Generation vor sich, für die er seine Schulen einrichten wollte. Die Alliance sah, als sie ihre Schulen schuf, nur elende arme Chalukkajuden, die, selbst wenn sie gewollt hätten, drüben keine ausreichende Bechäftigung hätten finden können; Juden, die, in den jämmerlichsten Wohnungen zusammengepfercht, durch Jahrhunderte gewohnt waren, Gelder aus aller Welt zu ihrem Lebensunterhalt anzunehmen. Deren Kinder zur Arbeit zu erziehen, war die Aufgabe der Alliance-Schulen. Der Hilfsverein dagegen fand schon Juden als Bauern in den Dörfern vor; er fand auch in den Städten schon Arbeiter und Handwerker, aufstrebende Elemente, die darunter litten, ihren Kindern aus eigenen Mitteln keine Schulen gründen zu können. Hier griff er ein. Er sah, diese Kinder brauchten Unterricht und Wissen wie alle. Aber das Wissen sollte sie bodenständig machen — nicht zur Auswanderung verführen; denn sie hatten alle die Hoffnung, im Lande selbst ihre Zukunft zu finden. Und so betonte der Hilfsverein immer und immer wieder, daß er Schulen gründe, wie sie der Bevölkerung angepaßt und förderlich sein könnten. Darum machte er das Hebräische zur Unterrichtssprache, neben der er als „deutscher" Verein dem Deutschen einen gebührenden Platz einräumte in allen städtischen und höheren Schulen; denn in allen Ländern des Orients ist die Kenntnis einer europäischen Sprache Notwendigkeit. War es da erstaunlich, daß alle jungen, aufstrebenden Kräfte Palästinas dem Hilfsverein zujubelten? Daß sie seine Schulen und was sie leisteten mit überschwänglichem Dank anerkannten? Waren sie nicht eine Hilfe auf der neuen Bahn zur Einheit und Einsprachigkeit der jüdischen Bevölkerung? Die Jerusalemer Rabbiner, das muß ausdrücklich erwähnt werden, hatten sich auch mit dem Schulwerk des Hilfsvereins n i e befreundet, so wenig wie mit irgend einem andern. Jedes Jahr, wenn die Schulen eröffnet wurden, wurde auch der alte „Cherem", der Bann der Rabbiner, gegen die Schulen und alle, die ihre Kinder hineinschickten, erneut bekannt gegeben. Wenn auch der Hilfsverein sich redliche Mühe gab, die religiösen Gefühle nie zu verletzen, für die Rabbiner und ihre strengfrommen Anhänger waren auch seine Schulen in Acht und Bann getan. Und der Hilfsverein setzte sich, gestützt auf den „neuen Jischuw", ruhig darüber hinweg. So entstand der Schulbau des Hilfsvereins, der, mit Kindergärten beginnend, aufstieg von Volksschule, Handelsschule, Mädchenschule zu Lehrerseminar und Lehrerinnenbildungsanstalt. Waren auch im letzten Jahre manche Stimmen laut geworden, der Hilfsverein schlage einen etwas anderen Kurs ein, er verdränge mehr und mehr das Hebräische zu Gunsten des Deutschen — das Vertrauen in ihn war umso

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