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Das jüdische Echo · 1914-02-01 · 2 (Februar 1914) · p. Seite 14

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
2 (Februar 1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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14 Das Jüdische Echo Nr. 2 lichkeit geziehen und ihm gegenüber die Blutsgemeinschaft ve leugnet werden^ ist es fast unfaßbar, in welcher Weise praktisch von den Unterzeichnern des Aufrufs die Scheidelinie gezogen werden will? Will etwa die Hinaustreibung aus Synagoge und Gemeinde, die Ausweisung aus den Vereinen und Logen als Ziel des heiligen Krieges gepredigt werden? Und richtet sich der Appell an die deutschen Glaubensgenossen, auch weiterhin ein leuchtendes Beispiel auf allen sozialen und kulturellen Gebieten zu geben, im letzten Absatz dieser Kundgebung auch an diejenigen, mit welchen Sie die Bande ausdrücklich zerrissen haben? Es ist tief bedauerlich, solche Fragen aufwerfen und einem Manne wie Ihnen gegenüber noch besonders betonen zu müssen, daß man eine derartige Bloßstellung von Glaubensgenossen in alter Zeit als Mesiruth (Verrat) bezeichnet hat. Ich kann Ihre Stellungnahme nicht anders begreifen, als daß Ihnen doch in der Studierstube die Entwicklung der jungjüdischen Ideen in den letzten 10 Jahren entgangen sein muß; sonst müßten auch Sie, von der Überzeugung durchdrungen, daß die Zukunft des Judentums nur verbürgt wird von der Jugend, die entweder vom traditionell-religiösen oder vom zionistischen Ideal begeistert ist, die Zumutung, einen solchen Aufruf mit Ihrem großen Namen zu decken, mit Entrüstung zurückgewiesen haben. Meine unbegrenzte Hochachtung vor Ihrer Person mag Ihnen wohl der Umstand beweisen, daß unter all den Unterzeichnern der Erklärung Sie der einzige sind, mit dem mir eine Auseinandersetzung über diese von mir als Katastrophe empfundene Publikation ein Herzensbedürfnis ist. Münche'n.fden 11. Februar 1914. Ihr ergebenster Dr. Emil Fränkel, Justizrat. Die große Tat ist zumeist die Äntwort der starken Individuen auf die vergifteten Pfeile der Feinde. Törichte Feinde! Wir brauchen sie. Ihr gemeiner Kampf weckt unseren heiligen Zorn, dieser erschafft die Leidenschaft, die verdichtet die Taten ins Leben ruft. Das ist die stärkste Antwort, sie vernichtet die Feinde. (ÄdoH Stand. Äus dem „Jüdischen Älmanach", Jüdischer Verlag, Berlin.) Zum Sprachenkampf Wir wollen hier nicht polemisieren! Die Fragen, um die es sich handelt, sind in der letzten Zeit schon viel zu viel vor einem Publikum erörtert worden, das keine Ahnung von den Verhältnissen in Palästina hat und darum kritiklos glauben muß, was ihm der Eine oder Andere erzählt; hier wollen wir vielmehr ein Bild geben von den Verhältnissen in Palästina, aus denen heraus der Kampf für die hebräische Sprache erst zu verstehen ist. Als nach der Vertreibung der Juden aus Spanien sich ein starker jüdischer Auswandererstrom nach dem Orient ergoß, siedelten sich auch in Palästina wieder Juden an, die das „Spaniolisch" in ihren Familien erhielten. Während der folgenden Jahrhunderte zogen wiederum Juden aus Europa hinüber, getrieben von der Sehnsucht nach dem Lande der Väter, um dort den Rest ihres Lebens zu verbringen, um in geweihtem Boden zu ruhen. Diese Auswanderung ging fast nur nach den drei „heiligen" Städten: Jerusalem, Safed, Tiberias. Und auch diese Juden nahmen die Sprache ihres Goluslandes mit; es waren aschkenasische Juden: sie sprachen den jüdisch-deutschen Dialekt. Im Süden, in Arabien, wo einst blühende Judengemeinden bestanden hatten, waren in neuer Zeit durch Verfolgungen und Hungersnöte viele arabische Juden — die Jemeniten — gezwungen ihre Wohnstätten zu verlassen; auch sie suchten — man möchte fast sagen — instinktiv ihr altes Heimatland wieder auf. Die persischen Juden hatten als alte Tradition bewahrt, daß gerade aus reichen Häusern irgend ein Zweig der Familie in Palästina wohne. So war das Sprachengewirr noch um Arabisch und Persisch erweitert. Seit etwa dreißig Jahren entstand nun eine starke Bewegung, die von neuem aus aller Herren Länder Juden nach dem heiligen Land ziehen ließ. Es waren die „Chowewe Zion", die „Zionsfreunde", die zuerst hinüberwanderten. Dann folgten, durch den Zionismus begeistert, und folgen noch heute große Scharen nach, sodaß in den letzten drei Dezennien aus einer Bevölkerung von ungefähr 20 000 gegen 100 000 Juden wurden. Diese neue Einwanderung brachte viele hinüber, die wirklich „leben", d. h. ungestört vom Haß und äußerer Bedrängnis arbeiten und schaffen wollen, um den Boden urbar zu machen, die Städte zu neuem Dasein zu erwecken, kurz um als Juden mit jüdischer Kultur in jüdischem Lande zu leben. Diese Leute gingen zum Teil als Pioniere hinüber und setzten Gut und Leben daran, aus öden ^^■BB

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