Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 2 (Februar 1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Anzeigen: Die 4gespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum 25 Pfg. Bei Wiederholungen Rabatt, «_* Anzeigenannahme und Verlag: Buchdruckerei B. Heller, München, Herzog Maxstraße 4. Fernspr. 8099. Postscheck-Konto München Nr. 3987. Februar 1914 München Nummer 2 Erscheint bis Herbst 1914 monatlich, dann wöchentlich. Äbonnementspreis bis 1. Okt. 60 Pf, ab 1. Okt. 1.— M. pro Vierteljahr. Einzelnummer 10 Pf. Expedition des „Jüdischen Echo" München, Herzog Maxstraße 4. —>>—' Redaktion: München-Solln, Erikastr. 6 Offener Brief*) des Herrn Justizrats Dr. Emil Fränkel in München an Herrn Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Hermann Cohen in Berlin Sehr geehrter Herr Qeheimrat! Als ich letzte Woche in Nr. 1 der Monatsberichte der Qroßloge für Deutschland Ihren Artikel über die Bedeutung unseres Ordens für die Harmonisierung der religiösen, sozialen und internationalen Gegensätze las, war ich, wie immer, so oft ich Ihren Standpunkt in jüdischen Dingen kennen zu lernen das Vergnügen habe, von der im besten Sinne des Wortes jüdisch-ethischen Art, mit welcher Sie dieses Thema behandelten, von dem Geist der Ihnen in Ihrer Eigenschaft als Philosophen wie als Juden gleich wohl anstehenden Toleranz auf das Höchste erfreut. Um so bestürzter war ich, als ich tags darauf in einer größeren Tageszeitung Ihre Unterschrift, hochgeehrter Herr Geheimrat, unter der antizionistischen Enunziation oder vielmehr Denunziation las. Sollte man es für möglich halten, daß ein Mann von Ihrer Autorität seinen Namen unter ein Schriftstück setzen läßt, welches gegenüber der nichtjüdischen Öffentlichkeit einen Teil der deutschen Judenheit mit Acht und Bann belegt, die Bande der Gemeinsamkeit mit diesen unseren Glaubensgenossen zerrissen haben will und auf den Gebieten, welche mit Politik nicht das Geringste zu tun haben, also in sozialen Fragen und jüdischen Kultusfragen eine gemeinsame Tätigkeit mit diesen unseren Mitbrüdern ausschließen will? Von Ihnen als Kenner jüdischen Wesens und jüdischer Ethik darf ich wc hl voraussetzen, daß Ihnen der herrliche Grundsatz nicht fremd ist, wonach der Einheit Gottes die Einheit der jüdischen Gemeinschaft entspricht. Und wenn ich es wage als Nichtzionist und lediglich in meiner Eigenschaft als Vertreter des positiven religiösen Judentums, als Ben Berith im weiteren und engeren Sinn, an Sie die Frage zu stellen, inwiefern Sie bei Ihrer Denkungsart und Ihrer Vergangenheit bei einer solchen Aktion mitwirken können, so schöpfe ich den Mut zu dieser Frage aus der Überzeugung heraus, daß unter den Unterzeichnern dieser Kundgebung kaum ein einziger Vertreter des religiösen Judentums ist, insbesondere kaum einer, dessen religiöser Standpunkt auch mit in Erkenntnis unserer heiligen jüdischen Quellen wurzelt. Mögen einzelne fanatisierte Agitatoren im Zionismus rednerisch oder journalistisch auch entgleist sein, nichts durfte doch Ihnen die Hand bieten, einem so beträchtlichen und so begeisterten Teil unserer Glaubensgemeinschaft in der Öffentlichkeit den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Eine derartige Verleugnung des obersten jüdischen Prinzips würde einen Fanatismus bekunden, dessen ein Zionist schon infolge der Blutsgemeinschaft mit allen Glaubensgenossen niemals fähig wäre. Man hat zwar die Erklärung so abgefaßt, daß man sich im Notfall damit verteidigen kann, als ob nicht die Zionisten in ihrer Gesamtheit, sondern nur gewisse agitatorisch auftretende Elemente unter ihnen getroffen sein sollen. Es wäre dies aber, wie Sie, hochgeehrter Herr Geheimrat, sofort zugeben werden, eine plumpe Ausrede, denn man will doch nicht die nichtjüdische Öffentlichkeit in allen großen Tageszeitungen gegen ein paar einzelne Personen verhetzen, sondern es ist ja deutlich zu lesen, daß der Zionismus als solcher der Gefähr- •) In der vergangenen Woche erschien u. a. in den „Münchner Neuesten Nachrichten" eine sogenannte „Erklärung" des Antizionistischen Komitees, die, wie der Offene Brief des Herrn Justizrats Dr. Emil Fränkel zeigt, auch in nichtzionistischen Kreisen stärksten Unwillen erzeugt hat. Die Redaktion wird zu der noch nicht abgeschlossenen Affäre in der nächsten Nummer das Wort nehmen.