Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 1 (Dez. 1913-Jan. 1914)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 1 Das Jüdische Echo 7 ständnis und damit auch zur Förderung eines wahrhaft jüdischen Idealismus beitragen wird. Die antisemitische Strömung im Deutschen Wandervogel hat in München einen Jüdischen Wanderbund im Blau-Weiß Verband ins Leben gerufen. Dem Kuratorium gehören bis jetzt hervorragende Vertreter des konservativen Judentums in München und eine Anzahl Gesinnungsgenossen' an. Es freut uns berichten zu können, daß 'diese Organisation sehr schön floriert und zu den besten Hoffnungen berechtigt. Im jüdischen Turn- und) Sportverein zu München wird jeden Dienstag (Damen) und Mittwoch (Herren) eifrig geturnt. Die glänzenden Lehrkräfte, insbesondere der Herren- Abteilung, haben die Frequenz merklich gehoben und es wird so auch in turmteehnischer Hinsicht ein wesentlicher Fortschritt zu verzeichnen sein. Am 18. Januar 1914 findet ein W i n t e r f e s t statt, Jas mit einem Schauturnen verknüpft sein wird. Das jüdische Seminar, das die Vertiefung jüdischen Wissens bezweckt, hat seine Sitzungen am 4. Dezember begonnen. Zum Gegenstand seiner Tätigkeit sind Ruppins „Juden der Gegenwart" genommen worden. Zeigt die Jugenderziehung in München somit eine starke Intensität, so können gerade die zionistischen Kreise Münchens mit einem gewissen Stolz sich in vielen Fällen als die Urheber der Veranstaltungen bezeichnen, welche dazu dienen sollen, das Judentum in der Jugend zu festigen und sie stark und stolz als Juden zu machen. Dr. L. Wassermann. * (-) Die Münchner Vereinigung für das liberale Judentum hielt ihre Jahresversammlung ab, bei der Rechtsanwalt Dr. Karl O e s t r e i c h über den Juientag in Hamburg referierte. * In der Zionistischen Ortsgruppe München sprachen in diesem Winter bisher Rechtsanwalt Dr. Elias Straus über den 11. Zionistenkongreß in Wien, Frau Dr. med. Rahel Straus über „die jüdischen Organisationen" und Dr. phil. Max Mayer über „die Haskalah". (-) In München hat sich eine Ortsgruppe der „A g u d a s Israel" konstituiert. In der Gründungsversammlung sprach Rabbiner Dr. Kl e i n aus Nürnberg. Neumarkt. Am 5. und 6. Januar 1914 findet hier die Generalversammlung des Vereins der Kantoren und Kultusbeamten von Bayern statt. Palästinensisches. „N. J. K." In London ist soeben unter dem Titel „Common Sense in Foreign Policy" ein aufsehenerregendes Buch von dem bekannten Sozialreformer und völkerrechtlichen Schriftsteller Sir Harry Johnston erschienen. Der Verfasser läßt die wichtigsten Probleme der internationalen Politik Revue passieren. Er ist der Ansicht, daß die vernünftigste Lösung des „syrischen Problems" ein wirtschaftliches Protektorat Frankreichs über Nordsyrien wäre, das sich über Damaskus, die Libanonprovinz, Palmyra usw. erstrecken würde, während im Süden, in Judäa und Midian, im1 Sinne der zionistischen Bewegung ein jüdisches Gemeinwesen geschaffen werden sollte, in dem namentlich die unter unerträglichen Bedingungen lebenden osteuropäischen Juden eine gesicherte Heimstätte finden könnten. Die hochbegabte jüdische Rasse würde sicherlich aus Palästina ein „Belgien des Ostens" machen, und — führt Harry Johnston weiter aus — keine europäische Macht ist an der Bildung eines solchen „morgenländischen Belgiens" mehr interessiert, als Großbritannien, namentlich im Hinblick auf das benachbarte Aegypten einerseits und die im Nordosten bis nach Indien hin sich erstreckende britische Einflußzone andererseits. Eine amtliche deutsche Stimme über den Zionismus. Die englischen und österreichischen Konsularberichte aus Palästina enthalten seit vielen Jahren in steigendem Maße Notizen über die jüdische Entwicklung im Lande, die ja auch auf die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse 'daselbst von erheblichem Einfluß ist. — Die deutschen Konsularämter haben erst zu allerletzt begonnen, ihre Wahrnehmungen in dieser Hinsicht zu veröffentlichen, obwohl die Deutschsprachigkeit der großen Mehrzahl der ansässigen und einwandernden Juden gerade dem deutschen Handel am meisten Nutzen gebracht hat. Der soeben erschienene neueste „Handelsbericht dies kaiserlichen Vizekonsuls in Jaffa für das Jahr 1912" enthält eine Fülle informatorischen Materials über die Bedeutung des jüdischen Elements in Palästina sowohl von allgemeinen wie von deutschen Gesichtspunkten aus. Auf die Schädigung des Handelsverkehrs durch die politischen Wirren des Vorjahres eingehend, sagt der Bericht: „Der Ausfall wäre noch bedeutend] größer gewesen, wenn nicht an der wirtschaftlichen Durchdringung Palästinas ein ideeller Faktor mitarbeitete in Gestalt des Zionismus. Der Aufschwung, den u n t ei r zionistischer Propaganda die Landwirtschaft nimmt, befruchtet das gesamte Wirtschaftsleben, indem der Bedarf an landwirtschaftlichen Geräten, an Düngemitteln, Baumaterialien und anderen Artikeln die Einfuhrziffer erhöht und verschiedene Handel- und Gewerbetreibende beschäftigt werden. So nimmt auch die jüdische Bevölkerung in den Städten zu; und Jaffa besitzt ein ganz neues jüdisches Viertel namens Tel Awiw, dessen saubere Anlage der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der jüdischen Einwanderer alle Ehre macht." Gegen Schluß des Berichtes heißt es: „Die jüdische Einwanderung, der die Regierung jetzt anscheinend mit weniger Mißtrauen als bisher gegenübersteht, führt dem Lande von Jahr zu Jahr neue wirtschaftliche Kräfte zu. Der deutschen Ausfuhrindustrie kann nur empfohlen werden, der zionistischen Bewegung ihre dauernde Aufmerksamkeit zu schenken. Das zionistische Zentralorgan, „Die WTelt", erscheint wöchentlich einmal, und zwar in deutscher Sprache; Sitz der Redaktion1 ist Berlin. Für deutsche Geschäftsleute, die mit hiesigen Juden Verbindungen anknüpfen wollen, eignet es sich als Insertionsblatt". Konzessionsverlängerung der Bahngesellschaft Jaffa—Jerusalem und Hafenbau Jaffas, Nach einer Meldung der in Jaffa erscheinenden arabischen Zeitung „Palestine" vom1 24. September ist die nach dem bisherigen Vertrag im Jahre 1918 ablaufende Konzession der Bahngesellschaft Jaffa- Jerusalem verlängert und die Genehmigung zur Anlage eines Hafens in Jaffa einer Gesellschaft übertragen worden, an deren Spitze der zurzeit in Frankreich auf Urlaub befindliche Leiter der genannten Bahngesellschaft steht. Die j ü d i s c h e n K o 1 o n i e n bei Jaffa bedürfen dringend besserer Verkehrswege, und es scheint, daß eine Zweigbahn so gedacht ist, daß sie von der 20 km östlich Jaffas gelegenen Station Lydda in nordöstlicher Richtung an den deutschen