Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 1 (Dez. 1913-Jan. 1914)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Das Jüdische Echo Nr. 1 gleichviel ob von Christen' oder Israeliten, ohne Unterschied prompt und gewissenhaft ausführe. Was jedoch das Engagement meines Personals anbetrifft, so betrachte ich dies als ganz persönliche Sache und wird jeder Rechtdenkende in dieser Sache auch nichts einzuwenden haben. Hochachtungsvoll, Münchner Lodenfabrik, pp. loh. Gg. F r e y." Fürth. Religionsunterricht. Die israelitische Kuiltusgemeinde hatte an den Magistrat eine Eingabe gemacht, in der sie um eine Entschädigung von 1800 M. pro Jahr für den Religionsunterricht ersuchte. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten wurde ein widerruflicher jährlicher Beitrag von 500 M. gewährt. _ Vereins- und Versammlungs-Echo. Nürnberger Brief. Die diesjährige jüdische Saison wurde eröffnet mit dem Bericht des ersten Vorsitzenden und Kongreßdelegierten der zionistischen Ortsgruppe A. Singer über den 11. Zionistenkongreß. In einer zweiten Versammlung der zionistischen Ortsgruppe besprach Rechtsanwalt Stern besonders aktuelle Ereignisse, soweit sie Juden betreffen und interessieren. Der jüdische Jugendverein veranstaltete eine längst geplante Propagandaversammlung mit dem Vorsitzenden des Verbandes jüdischer Jugendvereine Dr. Apfel als Redner. Es traten Institutsdirektor G o m - brich und Rabbiner Dr. Freudenthal als Sprecher der Kultusgemeinde, Rechtsanwalt Dr. S t r a u ß als stellvertretender Präsident der Loge auf. Die Versammlung leitete Dr. phil. Qrünbaum, dem es offenbar gelang, während seiner Tätigkeitsperiode als 1. Vorsitzender Interesse in denjenigen jüdischen Kreisen zu wecken, die seither dem Jugendverein apathisch gegenüberstanden. Der Gemeindebibliotheksvere i n berief den Rabbiner Dr. Z i e g 1 e r aus Karlsbad zu einem Vortrag über „Selbstwehr des Judentums". Einem Sendling der Gesellschaft für Judenmission, der in vier öffentlichen Vorträgen, die von Philosemitismus trieften, auf Bauernfang ausging, wurde von Mitgliedern verschiedener jüdischer Organisationen die Maske heruntergerissen. Die Bemühung der zionistischen Ortsgruppe, eine große Kundgebung der Nürnberger Judenschaft gegen den Beilis-Prozeßhervorzurufen, war nicht erfolgreich. Es konnte dagegen in einer großen, von zionistischer Seite veranstalteten Protestversammlung eine zündende Resolution gegen jene Kulturschande zur einstimmigen Annahme geführt werden. Die Vereinigung für die Interess endesliberalen Judentums trat mit Rabbiner Dr. Tänzer (Göppingen) auf den Plan. Während frühere Versammlungen dieser Organisation debattelos zu verlauten pflegten, kam es in dieser zu einem Rededuell zwischen Rabbiner Dr. Freudenthal und Herrn G ö r s k y, der seinen orthodoxen und seinen zionistischen Standpunkt vertrat. Hierbei sei jedoch bemerkt, daß Dr. Freudenthal sowohl, wie Her Gombrich in der vorerwähnen Propaganda des Jugendvereins den Zionismus weit wohlwollender beurteilten, als dies in früheren öffentlichen Aeußerungen der Fall gewesen ist. Eine Neuschöpfung ist der jüdische Turn - und Sportverein, der sich, wie wir gleich vorausschicken wollen, ebenso wie sein älterer Münchener Bruder, recht kräftig entwickelt. Es ist dies der schlagendste Beweis gegen die Berechtigung jener Unkenrufe, die den jungen Verein als überflüssig und schädlich bezeichneten. Er wurde aus der Erkenntnis heraus gegründet, daß auch in Nürnberg die jüdische Jugend der Leibesübung vorher viel zu wenig Beachtung geschenkt hatte. Der Hinweis seiner Gegner darauf, daß die allgemeinen hiesigen Turnvereine genügend viel Stätten für das Turnen böten, wird durch die feststehende Tatsache widerlegt, daß seitens der jüdischen Bevölkerung eben dort fast gar nicht geturnt wird! Der jüdische Turnverein hingegen zählt seit seinem knapp zweimonatigen Bestehen bereits 45 aktive (Herren und Damen) und 25 passive Mitglieder!! Die Vereinsleitung (1. Vorstand Dr. med. Massenbacher, Turnwart Rechtspraktikant Kahn) ist vollkommen paritätisch, die turnerische Leitung liegt in den besten Händen (Turnlehrer Kretschmer). Paul Ordenstein. München. Die Pflege der jüdischen Jugendvereine in dieser und jener Form ist von jeher ein Hauptziel derer gewesen, denen, wie den Zionisten, die Erhaltung des Judentums die wichtigste Lebensaufgabe geworden ist. Von diesem Gesichtspunkt aus hat sich die zionistische Ortsgruppe auch an dem neugegründeten „neutralen" Jüdischen Jugendverein beteiligt und Herrn Dr. Ludwig Wassermann in den Ausschuß dieser Organisation delegiert. Von unserer Seite hat es an ehrlicher Mitarbeit nicht gefehlt und es wird daran auch in der Zukunft nicht mangeln, w enn man uns nicht entgegen den in den Gründungssitzungen gemachten loyalen Zusicherungen die Möglichkeit hierzu nimmt. Im Jugendverein sprachen bisher Frl. Cora Berliner und Rabbiner Dr. Werner, welche Ziele und Zwecke der Organisation darlegten, Rechtsanwalt Dr. E. S t r a u s, der von der Geschichte der Juden in München erzählte, und cand. rer. pol. M a i e r, der über die Grundlagen des Antisemitismus referierte. Nicht immer folgten objektive Diskussionen diesen Ausführungen, aber wir hoffen, daß in der Zukunft gerade der Jugendvereini zum gegenseitigen Ver-