Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 1 (Dez. 1913-Jan. 1914)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 5 nis zu den Ausländern auf Gründl dier Judengesetze in den einzelnen Bundesstaaten: Ernst Kalmus nimmt zum Problem des jüdischen Schulwesens Stellung, Elias Straus zur Verhältniswahl, Felix Theilhaber befürwortet neuerdings eine weit ausgreifende Bevölkerungspolrtik und Hans Qoslar lenkt die Aufmerksamkeit auf ein noch unerschlossenes, aber äußerst fruchtbares Gebiet, auf die wirtschaftspolitischen Aufgaben der Gemeinden. Man ersieht daraus, daß der — mit diesen Angaben nicht vollständig wiedergegebene — Inhalt dieses wohlfeilen Büchleins nichts an Reichhaltigkeit und Aktualität zu wünschen übrig läßt. Wollen wir die darin aufgestellten Forderungen zusammenfassen, so brauchen wir uns nur der Worte zu bedienen, die Gustav Witkowsky in seinem „Gemeindeprogramm" sagt: „Getrieben 'durch die Not der Zeit, fordert dies neue Geschlecht, daß die Gemeinde nicht nur eine Verwaltungsmaschine sein soll, sondern in erster Reihe die Erhaltung und Förderung des Judentums als Ziel und Richtschnur für ihr Wirken anzusehen habe." Zu diesem Zweck gilt es, den Rabbinern eine von d)er Gemeindepräsentanz unabhängige Stellung zu verschaffen, die materielle Lage der Lehrer zu sichern, jüdische Schulen systematisch zu fördern und insbesondere in den Großgemeinden zu errichten, dem Hebräischen im Lehrplane zu seinem vollen Rechte zu verhelfen, die Ausländer als unseresgleichen zu achten, die Verhältniswahl einzuführen, unseren Schicksalsgenossen im schweren wirtschaftlichen Kampfe durch Gründung von Kreditkassen, Genossenschaftsbanken usw. beizustehen, eine umfassende Volkshygiene zu üben, durch progressive Steuern den Gemeinden die Mittel zur Durchführung all dieser Aufgaben zu verschaffen, wie überhaupt diese unsere letzten Zufluchtsstätten und einzigen Hochburgen des jüdischen Volkes zum Brennpunkt des gesamten jüdischen Lebens selbst über die Gegenwart hinaus zu machen. Und geht es nicht, daß auf friedlichem Wege ein neuer Geist in unsere Gemeindestuben einzieht, wird fürwahr darum ein Kampf entbrennen, wie er da und) dort schon begonnen hat. Des endlichen Sieges sind wir nicht bange. Denn auf unserer Seite ist das bessere Recht, der unbeugsame Wille, der unerschütterliche Glaube an den Wert unserer Gemeinschaft. W—r. Gemeinden-Echo. Zur Ortskrankenkassen-Wahl in München. J. F. Am 5. Dezember fanden die Wahlen der Arbeitgeber zur Ortskrankenkasse statt. Es hatten sich bei dieser Gelegenheit zwei Parteien gebildet, und zwar eine „freie Vereinigung" (Sozialdemokraten und freiheitlich bürgerliche Elemente) und eine sogenannte rein bürgerliche, welche eine Verbindung verschiedener Korporationen darstellte. Während in dem Aufruf der letzteren eine Anzahl tonangebender Vereinigungen unterzeichnet war, figurierte eine Partei, deren Häupter bei einigen dieser Vereinigungen Mitglieder sind, nämlich die christlich - soziale (antisemitische), als solche nicht unter den Unterzeichnern. Die Herren Antisemiten waren zu klug, um s o zu unterschreiben. Dagegen waren fünf ihrer Anhänger als Kandidaten auf dieser Liste und ihr Führer, der einzige antisemitische Gemeindebevollmächtigte in München sogar als einer der ersten, sodaß er bei der Wahl, die bekanntlich proportionell stattfindet, sicher gewählt werden mußte. Man hätte nun glauben sollen, daß Juden auf einer solchen Vorschlagsliste nichts zu suchen hätten — weit gefehlt; sechs „deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens" hatten für diese Liste ihren Namen zur Verfügung gestellt. Bei zweien der Herren war auch die Bewerbung von Erfolg gekrönt und sie haben nun das Vergnügen, den Sieg mit den Antisemiten gemeinsam feiern zu können. Und wenn nun in nächster Zeit auch hier wieder der „Zentralverein" zum Kampf gegen den Antisemitismus auffordert, werden diese Herren als Rufer im Streite mit die ersten sein! Ausländerfrage. Eine Universitätsdebatte im Finanzausschuß des Abgeordnetenhause^s am 4. Dezember veranlaßte Minister v. Kn Illing zu folgender Erklärung: Die Unterrichtsverwaltung habe schon 1911, als die Zahl der Ausländer auf 393 gestiegen war, angeordnet, nur genügend vorgebildete Russen in München bis zu 200^ in Erlangen und Würzburg bis zur Höchstzahl von je 40 zuzulassen. Eine Kommission habe die Ausländeirfrage geregelt. Durch Miniisterialentschließung vom Oktober 1913 wurde verlangt, einerseits gleiche Vorbildung wie bei einheimischen Studenten, andrerseits Beherrschung der deutschen Sprache. Die Höchstzahl der Fremden bei den medizinischen Fakultäten wurde festgelegt für München auf 50, für Würzburg und Erlangen auf je 50. Das Vorrecht der inländischen Studenten auf die Plätze wurde gesichert. K o - assistentensteilen sollen an Ausländer nur übertragen werden, wenn geeignete heimatliche Bewerber nicht vorhanden sind. Die Gebühren für Ausländer wurden verdoppelt, für Oesterreicher, Schweizer und Luxemburger tritt eine Ermäßigung ein. „Mit dieser Regelung," meinte von Knilling, „habe man dem Ueberwuchern des Ausländertums Einhalt getan1, ohne die Gastfreundschaft zu beeinträchtigen." München. Religionsunterricht. Die israelitische Kultusgemeinde hat sich mit einer Eingabe an den Magistrat gewandt, es solle ein zweiter israelitischer Religionslehrer für die Erteilung des Religionsunterrichts an den Mitteln und Volksschulen angestellt oder ein Zuschuß von 3000 Mark gewährt werden. Nach den Mitteilungen des Referenten Rumpf haben im vorigen Schuljahre die Zuschüsse der Gemeinde für den Religionsunterricht der Katholiken 20,099 M., der Protestanten 2736 M., der Freireligiösen Gemeinde 300 M. betragen. Der Magistrat hat dem Ansuchen auf Anstellung eines weiteren israelitischen Religionslehrers nicht stattgegeben, sich aber bereit erklärt, der Kultusgemeinde einen Zuschuß von 2000 M. zu genehmigen. Auch das Gemeindekollegium stimmte mit allen Stimmen gegen jene der Sozialdemokraten der Bewilligung dieser 2000 M. zu. — Die Verwaltung der israelitischen Kukusgemeinde hat dem orthodoxen Verein Ohel Jakob fast einstimmig 2500 M. für Reparatur der Synagoge bewilligt. * Die orthodoxe Religionsgesellschaft „O h e I Jakob" läßt durch den Archtitekten Max Nenm a n n eine Filialsynagoge an der Pettenkoferstraße bauen. * Die Lodenfabrik Frey stellt prinzipiell „nur christliches Personal" an. Die Rücksicht auf jüdische Kundschaft außer acht lassend, antwortete sie sehr naiv auf einen Vorhalt: „Im Besitze Ihres Briefes bin ich über dessen Inhalt sehr überrascht, doch diene Ihnen zur Nachricht, daß ich Aufträge,