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Das jüdische Echo · 1913-01-01 · 1 (Dez. 1913-Jan. 1914) · p. Seite 4

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
1 (1913-1914)
Issue
1 (Dez. 1913-Jan. 1914)
Date
1913-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Das Jüdische Echo Nr.l und geprüfte Schuliebrer anstellen, welche königliche Untertanen sind' und denen ein Gehalt von wenigstens 300 fl. gesichert ist. Dieselben sind an den allgemeinen Lehrplan gebunden." Besteht somit ein absolutes Recht auf die jüdische Volksschule, so stellt sich diesem Recht die Tatsache gegenüber, daß israelitische Lehrer an christlichen Schulen- — und das' sind auch die Simultainsehulen — nicht zugelassen werden. Das ist keine antisemitische Maßnahme, sondern lediglich darin begründet, daß die bayerischen Volksschulen einen christlichen Charakter haben. Ein billig denkender Mensch kann nicht verlangen, daß dabei auf die jüdischen Schüler Rücksicht genommen wird;, wenn es den Juden gleichzeitig gestattet ist, eigene Volksschulen zu errichten. Diese eigenen Volksschulen würden uns Juden wesentliche finanzielle Vorteile bringen. Hat nämlich eine Kultusgemeinde eine Schule errichtet, so brauchen ihre Mitglieder für die Schule der politischen Gemeinde ke i n e Umlage zu zahlen. Das heißt, unterhielte z. B. die israelitische Ku'ltusgemeinde in München eine jüdische Volksschule, so würden die Münchner Juden eine wesentlich niedrigere Gemeindeumlage an die Stadt München zu entrichten haben und selbst die etwas erhöhte Kultusumlage könnte bei weitem nicht die Ersparnis aufwiegen, die jeder jüdische Gemeindebürger machen könnte. Nun sind ja diese finanziellen Vorteile eine recht angenehme Beigabe, aber sie dürfen selbstverständlich nicht zum ausschlaggebenden Faktor werden. Wir können D i n g f e 1 d e r nur Recht geben, wenn er sagt: „Der Kampf um die Gleichberechtigung, der so energisch für die Zulassung zum Reserve-Offizier geführt wird, schweigt vor der Schultür, wenn es sich um das Recht der Juden in der Schule handelt, der er die Zukunft seines Stammes anvertraut." Die jüdische Religionsschule kann die Rüstung zum Kampf gegen Antisemitismus und Indifferentismus bei der winzigen Zeit nicht vornehmen, in der sie die Kinder zu ihrer Verfügung hat und in der sie die zunächst liegende Aufgabe, die Kenntnis unseres Schrifttums und unserer Religionsgeschichte erfüllen muß. Das kann allein die jüdische Volksschule. Und nachdem sie Treue zum Judentum nach jeder Richtung hin lehren wird, wird sie auch dem Staat dienen. Denn wer in Treue erzogen ist. der wird ein besserer Staatsbürger sein, als diejenigen, denen das Neue, das Scheinende mehr gilt als Tradition. Der Kampf für die jüdische Volksschule ist der Kampf für unsere Existenz, der Kampf für das positive Judentum gegen die Lauen und die Gleichgültigen! Der Ausbau des jüdischen Gemeindeprogramms. Es gibt heute im jüdischen Gemeindeleben zwei voneinander scharf getrennte Gruppen, deren eine als zahlenmäßig größere ihre Macht an vielen Orten dazu mißbraucht, die andere numerisch schwächere vom Mitbestimmungsrecht auszuschließen. Die jetzt noch zur Ohnmacht verurteilte Minorität setzt sich aus den Zionisten und den Orthodoxen zusammen, soweit die letzteren keine Kompromisse eingegangen oder sich nicht separiert haben. Diese beiden fußen mehr und minder auf der Tradition und habn gemeinsam den Willen zur Erhaltung des Judentums. Man sollte füglich annehmen, daß den Hütern der jüdischen Gemeinden und ihrer Einrichtungen dasselbe Ziel vorschwebte und die Mitarbeit dieser Elemente nur willkommen sein sollte. Aber weit gefehlt: die Entwicklung des deutschen Judentums im verflossenen Jahrhundert hat vielfach Männer an die Spitze unserer Gemeinwesen gebracht, die keinerlei jüdische Interessen haben oder uns für ein zum Untergang bestimmtes Volk halten, dessen Auflösung nicht aufzuhalten ist. Sie wollen nicht einsehen, daß der politische Liberalismus, ihr einziger Lebensinhalt, immer mehr von den Juden abrückt, daß der Antisemitismus stets nur seine Formen wechselt und nicht durch einseitige Werbung verschwinden wird, daß die sogenannte Reform uns keineswegs die ersehnte Gleichberechtigung gebracht, sondern dem Judentum sittlich, sozial und geistig tiefe Wunden geschlagen hat, die nicht ohne operative Eingriffe verharmschen werden. Mehr noch! Sie sehen das von dem liberalen Regiment angestiftete Unheil und denken nicht an dessen Steuerung. Es ist heute sogar nicht zuviel gesagt, wenn wir einem Teil unserer Gemeindegrößen den Vorwurf machen, daß sie ihre eigenen Grundsätze verleugnen. Begeistern sie sich doch im allgemeinen politischen Leben mit der ganzen Kraft ihrer Seele für freiheitliche Grundsätze, für demokratische Einrichtungen, während sie im eigenen Hause eine reaktionäre Herrschaft führen und die Minderheiten nicht zu ihrem Rechte kommen lassen. Sie wollen nichts davon hören, daß die von ihnen heraufbeschworenen Anomalien geeignet sind, die Grundlagen des Judentums zu untergraben, weil sie einem reinen „Konfessionsjudentum" huldigen, das sich im engsten Tätigkeitsfelde bald erschöpft. Sie sehen nicht ein, daß der Kosmopolitismus, dem sie Schrittmacherdienste leisten wollen, von unserer Umgebung schon längst überwunden ist, so zwar, daß wir Zionisten unseren christlichen Mitbürgern in nationalpolitischen Anschauungen weit näher stehen als sie. Sie wandeln, auf ihre Irrtümer aufmerksam gemacht, auf dem bislang beschrittenen Wege weiter, unnachgiebig, unbelehrbar, unbekümmert um die Folgen. Aber ihrem Wirken stellen sich doch äußere und innere Hindernisse von ungleich größerer Kraft entgegen. Sowohl die Tatsachen unserer Sonderheiten auf geistigem, seelischem, physischem, ja auch wirtschaftlichem Gebiete wie die in unserer Gemeinschaft erwachenden neuen Triebkräfte drängen zu einer gründlichen Selbstbesinnung. Bisher besaßen wir kein Kompendium, das die Forderungen der zur Zeit noch einflußlosen, aber energiebeseelten Minorität der Zionisten an die Gemeinden zusammenfaßte. Diese Lücke ist mit dem Erscheinen des von der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland", Berlin W. 15, herausgegebenen „Jüdischen Gemein de jahrbuches 5674" (8° 112 S. M. 1.—) geschlossen und alle können jetzt erfahren, was wir hierzulande von den jüdischen Gemeinden erwarten und verlangen. Die Redaktion des Jahrbuches hat dafür gesorgt, daß die einzelnen Aufsätze in programmatischer Geschlossenheit alle Ansprüche behandeln, die eine ihrer Verantwortung bewußte Gmeinde zu erfüllen hat. In prägnanter Kürze erörtern bekannte und mit der Materie vertraute Zionisten die brennendsten Fragen des jüdischen Lebens in Deutschland, so daß sich jeder an der Gemeindearbeit interessierte Jude an diesem Büchlein orientieren kann. Max Köllen sc her äußert sich über die Finanzwirtschaft der Gemeinden als eine Kunst, die ^erstanden sein will. Victor bespricht das Verhält-

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