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Das jüdische Blatt · 1914-07-31 · 31 (31.7.1914) · p. Seite 9

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
31 (31.7.1914)
Date
1914-07-31
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 31. 9 Das Mische Matt. und 300 000 M für dessen Vollendung noch fehlen, soll das Unternehmen dem Konkurs verfallen. Das Fiasko ist natürlich nicht dem Geldmangel, sondern dem Unfrieden zuzuschreiben. Die entscheidende Sitzung des Kuratoriums fand vorige Woche in Berlin statt. Anwesend waren alle deutschen Mitglieder; auch Weizmann und Mozkin hatten sich eingefunden. Zur Deckung der fehlenden 300 000 Ji wird folgender Antrag eingebracht: Dr. Simon und Paul Nathan geben 200 000 Ji und Wisotzki-Moskau 100 000 Ji. Wisotzki fügt das Amendement hinzu, daß ein neuer Sekretär eingesetzt werde, er werde für die Kosten aufkommen. Weizmann unterstützt diesen Antrag und führt aus, daß obgleich dieser Antrag gegen die Statuten sei, er trotzdem unumgänglich sei, weil dieses Amt selbständig sein müsse, unabhängig von den Herren Nathan und Dr. Simon. Da diese beiden sich durch diesen Antrag gekränkt fühlten, ist er bereits vor der Abstimmung abgelehnt. Wisotzki zieht dann sein Versprechen, einen Beitrag von 100 000 Ji zu geben, zurück. Darauf erklärt H. Simon, daß angesichts der Schulden, die auf dem Technikum lasten, der Konkurs unvermeidlich sei. In dieser Sitzung hat also die Liquidation des Haifaer Technikums stattgefunden. Slraßburg. Herr Aron Dreyfus, Teilhaber der Firma Dreyfus treres, Lederfabrik, hier, hat aus Anlaß des Todestages seines verewigten Vaters, Herrn Cerf Dreyfus, Mitbegründer der Firma Dreyfus ireres, zum Wohle der Arbeiter der Firma einen Unterstützungsfonds von 20 000 Ji gegründet, von welchem die Zinsen für Unterstützungsfälle von Arbeitern, die mehr als zwei Jahre bei der Firma beschäftigt sind, Verwendung finden sollen. Slraßburg. Am Freitag den 24. Juli fand die Beerdigung der Studentin Ljuta Berg, die bei einer Kahnfahrt verunglückt war, statt. An dem Trauergefolge beteiligten sich die studentischen Korporationen mit Fahnen. Nach der Predigt des Rabbiners Dr. Marx hielten der Rektor der Universität, Professor Chiari, und als Vertreter der medizinischen Fakultät Geheimrat Wollenberg ergreifende Nachrufe. Die Beisetzung erfolgte unter den üblichen studentischen Ehren. Metz. In dem Artikel von voriger Woche sei berichtigt, daß die jüd. Gemeinde Ennery bei dem erwähnten Mord alles erforderliche getan hat. Da aber die Leiche erst kurz vor der Beerdigung freigegeben wurde, konnten keine Wächter gestellt werden. Metz. Reiche Saat holt der Tod in unserer Gemeinde. Vor 8 Tagen starb Herr Möbelhändler Samuel, ein in allen Kreisen angesehener und beliebter Mann. Drei Tage später führte ein unermeßlicher Leichenzug die Gattin des Herrn Konsistorialmitglieds Salomo, geb. Esther Bloch, gebürtig aus Saargemünd zur letzten Ruhestätte. In ergreifenden Worten gedachte der Oberrabbiner dieser wirklich echt jüdischen Frau, die allen Armen und Bedrängten eine Freundin und Wohltäterin war. weh. Unter dem Vorsitz des Geheimen und Oberschulrats Herrn Prof. Dr. Luthmer vom Ministerium zu Straßburg fand in dem Höheren Lehrerinnen-Seminar am Königin-Luisenplatz die Lehramtsprüfung für das Höhere Lehrfach statt. Fräulein Irvne L e v y - Z 6 l i q z o n aus Metz bestand das Examen mit Auszeichnung. Es war das erstemal, daß eine derartige Prüfung in Metz abgehalten wurde. Das Diplom dieser Prüfung berechtigt zur Unterrichtserteilung in den Höheren Töchterschulen Elsaß-Lothringens, die nebenbei bemerkt vom 1. Oktober ab den Namen „Mädchen-Lyzeum" erhalten, sowie in allen Mädchen-Lyzeen des ganzen Deutschen Reichs. Jüd. Jugendverein „Esra", Nürnberg-Fürth. Nürnberg. Von unserem „Esra"-Verein war in diesen Blättern bisher wenig zu lesen. Unter den schwierigen Nürnberger Verhältnissen hatte es mehrere Jahre gedauert, bis der Verein richtig Boden zu fassen vermochte. Diese Schwierigkeiten scheinen jetzt überwunden zu sein; die Israel. Kultusgemeinde und die Maimonidesloge — die den Verein gegründet hat — sind in jeder Weise bemüht, den Verein zu stützen. Beiden Korporationen verdanken wir erhebliche Subventionen und, was noch wichtiger, zahlreiche geistige Kräfte und Mitarbeiter. Das jetzt hinter uns liegende Wintersemester war reich an Arbeit und Bemühungen, insbesondere für die Mitglieder des Vorstandes und der Ausschüsse. Hoffen wir, daß die Arbeit nicht umsonst getan, daß einige Saatkörner, die wir ausgestreut, gute Früchte bei unseren jungen Mitgliedern tragen mögen. Die Zahl unserer Mitglieder betrug im September 1913: 98, darunter 68 ordentliche und ist jetzt aus 273 angewachsen (ordentl. 197 — darunter 32 Damen). Unvergeßlich wird jedem Teilnehmer die würdige und eindrucksvolle Eröffnungsfeier des Wintersemesters am 29. Oktober 1913 bleiben. Der große, prachtvolle Saal des Künstlerhauses war bis zum letzten Platz gefüllt. Unser verehrter Verbandsvorsitzender Dr. Apfel-Berlin hielt in bekannter meisterhafter Weise einen Propagandavortrag: Ueber die Organisation der jüdischen Jugend, der bei allen Hörern einen tiefen Eindruck hinterließ und den Anstoß zu der kräftigen Weiterentwicklung der Jugendbewegung in Nürnberg gab. Weiter nahmen Herr Direktor Gombrich für die Israel. Kultusverwaltung, Herr Rechtsanwalt Dr. Strauß für die Maimonidesloge und Herr Rabb. Dr. Freudenthal das Wort, um ihre Sympathien mit den Bestrebungen des Vereins zu erklären. Nach dieser erfolgreichen Ouvertüre setzte die eigentliche Vereinsarbeit, zum großen Teil zähe und schwierige, gar nicht in äußere Erscheinung tretende Einzelarbeit ein. Das Vortragswesen wurde gründlich geändert. Die Zahl der öffentlichen Vorträge wurde beschränkt; denn der Verein soll nicht dem großen Publikum, sondern seinen jungen Mitgliedern dienen. Dafür wurden desto zahlreichere Versammlungen der ord. Mitglieder (in denen die jüngeren Mitglieder selbst in Referaten und Diskussionen zu Worte kamen) abgehalten. Ferner wurden regelmäßige „Freitag-Abende" eingerichtet. Kidusch und Schir Hamaaloth, Ansprachen älterer Herren, kurze geeignete Referate sollten eine richtige Sabbatstimmung erzeugen. Die Bewirtung durch Tee und Gebäck wurde durch den Verein bzw. einzelne Stifter getragen. Ernste und heitere Deklamationen der Teilnehmer, Schach- und Dominospiel, Lektüre jüdischer Zeitungen süllten den zweiten Teil der Abende aus. Die Teilnehmerzahl bewegte sich zwischen 35 und 70. Auf Wunsch vieler Mitglieder wurden unter der Leitung eines starken Spielers, der sich uns liebenswürdigerweise zur Verfügung stellte, Schachabende und ein Lehrkurs für Anfänger abgehalten. Endlich wurden regelmäßige Ausflüge und Wanderungen an den Sonntagen organisiert, die bisher stets von gutem Wetter begünstigt waren und an denen sich viele Mitglieder beteiligten. Besonders gelungen und sehr gut besucht waren unsere Feste, die Chanukafeier, das Purimfest, ein musikalisch-deklamatorischer Abend, der nur erstklassige Darbietungen brachte und unser Stiftungsfest.

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