Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 31 (31.7.1914)
- Date
- 1914-07-31
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Dajüdische Klatt. Nr. 31 •vi von Hotels und Restaurants von diesem Gesetz betroffen werden. Im Staate New-Pork, wie in manchen anderen Staaten, gibt es eine Anzahl von Sommerfrischen, die fast ausschließlich von Juden besucht werden. Da an diesen Plätzen die Gäste nur Juden sind, ist es dort einigen Hotelbesitzern eingefallen, zu annoncieren, daß ihnen nur „respektable jüdische Gäste" erwünscht sind. Diese Anzeige ist auch christlichen Hotelbesitzern ausgefallen. Werden wir uns dies gefallen lassen? sagten sie sich. Sie annoncieren, sie wollen nur „jüdische Gäste" und wir sollen nicht annoncieren dürfen, daß wir nur christliche Gäste wünschen. Und sie gingen hin und verklagten diese jüdischen Hotelbesitzer, mit Recht natürlich. So wird es geschehen, daß Juden getroffen werden durch ein Gesetz, das eigentlich zu ihrem Schutz erlassen wurde. Einen Trost können sie darin finden, daß zugleich mit ihnen eine Anzahl christlicher Hotelbesitzer nach der Anti-Discrimination-Bill verurteilt werden wird, die nach wie vor dem Gesetz zum Trotz sich geweigert haben,-jüdische Gäste aufzunehmen und zu bedienen. Die Reformrabbis und die soziale Frage. Die Reformrabbiner Amerikas, die in einem Zentralverband organisiert sind, hielten jüngst in Destroit (Michigan) ihre Konferenz ab. Dabei wurde folgender Antrag gestellt, der gewiß nichts alltägliches ist: Das Komitee empfiehlt der Konferenz, daß sie sich erkläre für Minimallohn, für Arbeiterversicherung, für Alters- und Invalidenrenten und für das unbeschränkte Recht der Arbeiter, sich zu organisieren." Die Reformrabbis sind in religiöser Hinsicht so radikal, daß sie ebensogut christliche Geistliche sein könnten ohne das geringste von ihren Ueberzeugungen oder von dem Inhalt ihrer Predigten zu opfern. Den Titel Rabbis tragen sie höchstens deshalb, weil sie Juden sind. Mit den alten Traditionen des Judentums haben sie nichts zu tun. Für sie ist die Religion nichts wie ein moralisch-gesellschaftliches System, das im praktischen Leben zur Anwendung gelangen soll. Unterdessen dienen sie vor allem der reichen Klasse der amerikanischen Juden, für die sie eine leichte moderne Religion eingerichtet haben. Den niederen Volksklassen standen sie bis jetzt ganz fern. Nun kommt auf einmal dieser soziale Zug, die Verkündigung einer sozialistischen Lehre. So ganz einfach gestaltet sich aber die Einführung dieser neuen Bewegung nicht. Manche Redner erhoben dagegen Widerspruch, wenn auch nicht gegen das Prinzip, so doch gegen die sofortige Annahme des vom Komitee eingebrachten, oben angegebenen Antrags. Der Vorschlag, diesen Antrag zunächst allen Mitgliedern des Zentralverbands vorzulegen und die endgültige Beschlußfassung auf nächstes Jahr zu verschieben, wurde mit kleiner Majorität angenommen. Vor der Annahme jedoch erhob sich ein Mitglied dagegen mit einer scharfen Rede: Das einzige, das viele von euch suchen, ist die Gunst der reichen Arbeitgeber, die euere Tempel erhalten. Ihr fürchtet die Unzufriedenheit der Reichen, ihr fürchtet, die Reichen werden euch ihren Unmut beweisen, wenn wir hier für wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit eintreten. Ihr redet oft über den Satz: Gerechtigkeit, Gerechtigkeit sollst du verfolgen, aber ihr schrecket davor zurück, danach zu handeln. Ihr wollt die Frage unter den Tisch fallen lassen, ihr sagt, es sei eine rein wirtschaftliche, ich aber sage euch, es ist eine Frage eurer Religion und Moral. Es sind viele unter uns, die die vorgeschlagenen Grundsätze glauben, und deshalb überzeugt sind, daß Armut ein Fluch ist, der von der Welt getilgt werden soll. Der so sprach, war der bekannte Führer der Reformrabbis von New-Pork, Steph. Weiß, selbst ein Millionär und Schwiegersohn des bekannten Politikers Louis Marshall. Palästina. Die kampfmelhoden der „Hebräischen". Eigentümlich ist die Strategie, deren sich die „Hebräer" in Jaffa bedienen, um die hebräische Sprache Sprache zum Siege zu führen. In dem Klubzimmer der Poale Zion sollte Dr. Schidlowski am Samstag nacht, 19. Juli, einen Vortrag auf „Jiddisch" halten über „Die Zukunft des jüdischen Volkes". Die Kreise des hebräischen Gymnasiums wollen das Jiddisch in Palästina nicht aufkommen lassen. Darum mußte dieser jiddische Vortrag Dr. Schidlowskis ä tont prix verhindert werden. Zwar hatten die „Iiddischisten", die „Poale Zion", olle möglichen Vorsichtsmaßregeln ergriffen, um jede Störung zu verhüten. Vergebens. Unter Führung des zeitweiligen Direktors des hebräischen Gymnasiums in Jaffa, des Direktors Dr. Bogratfchoff, blokierten einige hundert größere und kleinere Knaben des hebräischen Gymnasiums die Wohnung Dr. Schidlowskis. Es fand eine förmliche Belagerung statt. Unterdessen suchten der Direktor und andere Lehrer mit Dr. Schidlowski zu parlamentieren. Sie machten ihm den Vorschlag, sie werden ihm feinen Dortrag durch den besten Hebräisten übersetzen lassen und er solle ihn dann auf Hebräisch vorlesen. Als Dr. Schidlowski erkannte, daß der Zweck der Diskussion sei, ihn aufzuhalten, erhob er sich and ging aus seiner Wohnung. Jetzt erst sah er die Belagerung, die gegen ihn in Szene gesetzt war. Die jungen „Makkabäer" warfen sich ihm entgegen mit den Worten: Nur über unsere Leichen! Dr. Schidlowski war klug genug, vor diesen jungen Helden zurückzuweichen und in seine Wohnung zurückzukehren. Unterdessen war das Publikum im Klubzimmer der Poale Zion versammelt und wartete auf den Redner. Als er immer nicht kam, schickte man einen Boten nach dem andern nach ihm. Doch kein Bote kam zurück, um Meldung zu überbringen. Die jungen Helden hatten sie ausgefangen. Die große Unruhe wurde noch gesteigert, als ein Arbeiter erschien und meldete, Dr. Schidlowski sei in Tel Awiv von Schülern und Lehrern des hebräischen Gymnasiums belagert. Schon wollte die ganze Versammlung sich erheben, um ihren Vortragenden aus der Belagerung zu befreien, da erschienen die Lehrer des Gymnasiums in der Versammlung, bestiegen die Tribüne und erklärten auf hebräisch, warum der Vortagende nicht erscheinen könne. Ein ungeheurer Tumult war die Antwort der Versammlung. Die Menge erhob sich, durchzog demonstrativ die Gassen nach Tel Awiv, um den Vortragenden aus der hebräischen Umklammerung zu befreien. Dann endlich gelang das große Befreiungswerk. Dr. Schidlowski begab sich mit der Menge in den Arbeiterklub. Es war bereits 11 Uhr geworden. Von dem Vortrag konnte er bloß ein Resümee geben. Und das alles haben mit ihrer Belagerung die Lehrer und Schüler des hebräischen Gymnasiums in Jaffa getan. Diese Knaben können zu richtigen Makkabäern heranwachsen, die Führer haben sie dazu; sie führen diese Knaben jetzt schon ins Feld. Die Liquidation des Technikums von Haiffa. In letzter Nummer wurde bereits die Kundgebung Jakob Schiffs über die Gründe seiner Demission als Kuratoriumsmitglied des Technikums von Haiffa mitgeteilt; ihm find die anderen amerikanischen Mitglieder gefolgt. Als Grund hat Jakob Schiff den Sprachenstreit angegeben. Der Kampf der ZionUten um die hebräische Sprache wird also Palästina den Verlust des jüdischen Technikums einbringen. Die Zionisten werden wohl selbst nicht behaupten, daß der Kampf diesen Erfolg wert war. Nachdem für den Bau 1200 000 Ji bereits verausgabt sind