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Das jüdische Blatt · 1914-07-31 · 31 (31.7.1914) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
31 (31.7.1914)
Date
1914-07-31
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 31. Das jüdische Klatt. 7 liche Dinge. Nachdem die Genossen Dr. Nordau und Dr. Marmorek seit Abhaltung des vorjährigen Ostrazismus ein volles Jahr die zionistische Bildfläche meldeten, kamen sie soeben anläßlich einer Gedächtnisfeier für Herzl mit ihrem Gefolge wieder aus den Plan. Kein Bildnis des verstorbenen Führers zierte diesmal den Saal, alles einfach, — feierliche Totenstille! Ein „Joschef b’seser eljon“ mit Harmoniumbegleitung irniD die Rede Marmoreks, ein „El mole Rachamim“ und dann illie Predigt Nordaus. Das war alles — aber es war genug! Fem.'ig wie immer, ja sich überstürzend, feiert, betrauert, ja beweint Murmorek seinen großen Freund, gedenkt gemeinsamer Reminiszenz«m und erwähnt unter stürmischem Applaus, wie der junge Herzl den zu seiner Rechten sitzenden greisen Nordau dem Judentum wieder schenkte. Zur Zeit der Dreyfus-Affaire war es, alt Herzl mit seinen Ideen zu Nordau kam und dieser ihm sagte: „Sie sind mein Mann". Im Geiste legte Mamwrek Palmen aufs Grab verstorbener Freunde und einen Lorbeerkranz aus das des unvergeßlichen Herzl. Die Ausführungen Nordaus gipfeln in Ausfällen gegen das orthodoxe Judentum, uni) wir protestieren mit allem Nachdruck gegen eine solche Verhetzung der Massen aus den östlichen Ländern. Tat schon im vorigen Jahre Marmorek den Ausspruch, daß neben dem Gesetzgeber Moses bis auf den heutigen Tag Herzl der größte Mann fei, so bringt Nordau diesmal Herzl in Gegensatz zu Moses, welch letzterer die Hände sinken ließ, erzählt, wie die Israeliten ohne Recht die silbernen und goldenen Geräte mit aus Mizrajim schleppten, alle unsere großen Märtyrer, die, um auch nicht den leisesten Verstoß gegen die Fundamentalgesetze des traditionellen Judentums auf ilfr Gewissen zu laden, mit verklärten Blicken, mit aufjauchzendetk Stimme den letzten Schma-Jsroel-Ruf auf dem Scheiterhaufen sagten — sie sind ein Nichts in Nordaus Augen. Angesichts d^artiger von krasser Religions- und Gesetzwidrigkeit erfüllter Kundgebungen, die man leicht verhundertfachen könnte, zeugt das Bestehen der sogenannten „Misrachi"-Vereinigung gesetzestreuer Zionisten wirklich von einer unglaublichen Gedankenlosigkeit und Begriffsverwirrung. Man tut gut, durch Veröffentlichung Nordauscher Ansichten über Juden und Judentum die weite Kluft recht grell zu löeleuchten, die zwischen der sogen, orthodoxen und der zionistisch-national-jüdischen Anschaung gähnt. Felix W e r t h e i m e r. Rußland. Fürst Me sch t s che r s k i, der Herausgeber des Grafhdanin, ist diese Woche gestorben. Er war ein Vertrauter Alexanders III. und des jetzigen Zaren, ein Erzreaktionär, ein Gegner der Duma und des Bündnisses mit der roten Republik. Nichtsdestoweniger soll ihm nicht vergessen werden, daß er es nicht versäumt, gegen den tierischen Antisemitismus der Echten Russen, der Gobulews und Purischkewitsch aufzutreten. Noch sein letzter Artikel des Grafhdanin erhob mächtig die Stimme gegen die Judenverfolgungen in Kiew, gegen die Vertretung der Handwerker und Schulkinder. Er war zu sehr Aristokrat, um zu den Gemeinheiten dieser Sorte Nationalisten herabzusinken, die heute in Rußland das große Wort führen. Vielleicht war seine gewichtige Stimme, die er gegen die Ritualmordaffäre SSeiltg. abgegeben hat, nicht ganz ohne Wirkung. Die Vertreibung der Handwerker ist vorläufig eingestellt, bis die Entscheidung des tLenats eingetroffen ist. Rumänien. Die Petition der rumänischen Juden. Die liberal-rumänische Regierung behandelt die Juden nicht besser wie die konservative. Die „liberale" Regierung hat es / übernommen, in Rumänien gewisse Reformen durchzuführen, so wohl politische wie soziale. Bis jetzt sind die einzigen Herren des Landes die reichen Grundbesitzer, die Grund und Boden in ihren Händen haben. Bearbeitet wird der Boden von den Bauern, die in schlechten Lebensbedingungen sich befinden und von dem großen Gutsbesitzer abhängen. Die jetzige Lage und Entwicklung verlangt jedoch gebieterisch politische und soziale Reformen. Das ist besonders nach dem Balkankrieg klar geworden. Es wurde ein liberales Parlament gewählt und eine liberale Regierung eingesetzt mit der Ausgabe, die Reformen einzuführen und so eine breiterere und festere Grundlage für den Aufbau des Staates zu schaffen. Die politischen Reformen sollen darin bestehen, daß das Wahlrecht nach demokratischen Grundsätzen erweitert wird. Die sozialen Reformen sollen die allgemeine Lage der Bauern verbessern. Dabei wird man an die reichen Grundbesitzer rühren und ihnen einen Teil ihres Bodens „abnehmen" müssen — gegen gutes Geld natürlich. Diese wollen aber natürlich von solchen Reformen, die ihren gesicherten Besitz angreifen, nichts wissen. Darum wenden sie das altbewährte Mittel an — sie reizen die Bevölkerung gegen die Juden auf und lenken so dessen Aufmerksamkeit von der wichtigsten Frage ab. Daher erklärt es sich, daß gerade jetzt in Rumänien eine so starke und heftige Pogromhetze geführt wird. Anderseits ist es nur zu erklärlich, daß sowie in Rumänien von der Einführung von Reformen gesprochen wurde, sich sofort die rumänischen Juden zu rühren begannen. Vor dem Balkankrieg hatte die Regierung feierlich versprochen, deren Lage zu verbessern! Die Regierung hat aber ihr Wort nicht gehalten. Die rumänischen Juden haben sich dabei aber nicht beruhigt. Sie hielten unverdrossen Beratungen und Versammlungen ab. Endlich wurde beschlossen, an das Parlament eine Petition zu richten. An der Spitze dieser Bewegung steht die Liga für die rumänischen Juden. In dieser Petition fordert der Verein Gleichberechtigung für die Juden. Diese jüdische Petition hat bei den rumänischen Reaktionären eine gewaltige Aufregung ausgelöst. Wie bereits berichtet, hat der Sekretär der sogenannten „Kulturliga" Bogon Duika an alle rumänischen Zeitungen eine Erklärung verschickt, daß die I u d e n f r a g e eine M a ch t f r a g e ist, und sowie man daran gehe, die Judenfrage im Sinne der Gleichberechtigung zu lösen, werde das rumänische Volk die Antwort darauf geben mit einem Pogrom. Das politische Bewußtsein der rumänischen Juden hat sich aber in der letzten Zeit stark entwickelt. Sie lassen sich durch die Drohungen der rumänischen Pogromhelden nicht mehr einschüchtern, im Gegenteil! Sie haben die Gegenerklärung erlassen, daß die Pogromdrohung beweist, daß der Kampf für die Gleichberechtigung, „der Kampf für unsere Menschenrechte", noch mit größerer Energie wie bisher geführt werden müsse. Amerika. Die „Anti-Discrimination-Bill" hat einen merkwürdigen Fall gezeitigt.. Dieses Gesetz, das auf Antrag Louis Marschalls durchgesetzt worden ist, untersagt den Hotels, Restaurants, Pensionaten, Villen und ähnlichen Anstalten, Gäste zurückzuweisen, weil sie einer ihnen unerwünschten Rasse oder Religion angehören. Dieses Gesetz verbietet auch Anzeigen, die eine Kundgebung derartiger Unterscheidungen enthalten. Die Ersten, die durch den Erlaß dieses Gesetz befriedigt wurden, waren die Juden, denn es war schon gar nicht selten, daß in Hotels und Restaurants Plakate angebracht waren mit der Aufschrift: Juden werden nicht ausgenommen. Nun stellt sich aber heraus, daß auch jüdische Eigentümer .

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