Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Blatt · 1914-07-24 · 30 (24.7.1914) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
30 (24.7.1914)
Date
1914-07-24
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9052070-9097324-9053402--1345-9053410
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

8 Das jüdische Klatt Nr. 30 mittags 5 Uhr, in Strahburg, Kageneckerstraße 281, eine Mitgliederversammlung ab, zwecks Delegiertenwahl zur Kenesio gedauloh. Die Gruppe hat vorläufig folgende Lehrkurse eingerichtet, die in der Kageneckerstraße 281, abgehalten werden: Mittwoch, abends 9 Uhr: CHumesch mit Raschi, Rabb. Buttem. Schabbos-Vormittag nach dem Gottesdienst: Mischn a h, Dr. B. Cohn, und einen Damenkursus, Dr. B. Cohn, dessen Beginn noch angezeigt wird. Slraßburg. Am 8. dieses Monats wurde Frau Nanette Liebschütz, geb. Israel, im Alter von 66 Jahren unter großer Beteiligung zur letzten Ruhe bestattet. Im Trauerhause sprach in Abwesenheit des Herrn Oberrabbiners Herr Rabbiner Dr. Marx treffliche Worte der Anerkennung über die von der Verewigten in ihrem Leben treu geleisteten Arbeit, die viel zu dem innerlich und äußerlich friedlichen Aufbau des Familienlebens beiaetragen hat. Auch die Arnren verlieren in der Verstorbenen eine stille Wohltäterin. Straßburg. Anfangs voriger Woche starb hier der prakt. Arzt Herr Dr. med. Glaser aus Mannheim, der Bruder der Schwester Oberin des hiesigen isr. Krankenhauses. Herr Dr. Glaser starb als Opfer seines Berufes. Eine rastlose, selbstaufopfernde Tätigkeit hatte den erst Neununddreißigjährigen aufs Krankenlager niedergeworfen, von dem er leider nicht mehr genesen durfte. Metz. Letzten Sonntag fand die erste Generalversammlung der Agud. Israel statt. Vor einem dichtgesüllten Saal begrüßte Herr R. L. Weill die Anwesenden und besonders Herrn Rob. Dreyfuß in Mörchingen, der uns mit einem Vortrag beehrte. Anschließend an die letzte Lidta von Pinchas forderte er von den Mitgliedern Opferfreudigkeit für das Judentum und ein begeistertes Mitarbeiten, besonders der Jugend, für die hehren Aufgaben der Agr'.das. Reicher Beifall lohnte die schönen Ausführungen des Redners. Dann schritt man zur Delegiertenwahl zur Kenesio gedaulo. Als Delegierter wurde gewählt Herr Rabbiner Dreyfuß- Mörchingen, als Ersatzdelegierte die Herren Reichelsohn Freisdorf und R. G. Weill. In den Vorstand wurden gewählt: die Herren Etienne Schweizer, R. Levy, Gymnasiallehrer N. L. Weill, Reichelsohn-Freisdorf, Mischria, Wirtheim und Bleidrach. Die Ortsgruppe zählt schon 70 Mitglieder, die auch praktisch Arbeit leisten sollen. Von nächstem Monat an sollen Schiurim abgehalten werden, da- * neben soll auch die Frage der Beschaffung von Fleisch bei einem Metzger, der an j-qv? geschlossen hält, erreicht werden, da die Ausländer, Metzer Familien und eine jüdische Restauration, ihr Fleisch von auswärts sich beschaffen müssen. Metz. Einem schrecklichen Verbrechen ist der in der ganzen Gegend bekannte Händler Bernh. Weil aus Ennery zum Opfer gefallen. Mittwoch Abend aus einem Dorf der Umgegend heimkehrend, ging er gemütlich neben seinem Wagen her, als er plötzlich, durch eine mörderische Kugel von hinten getroffen, sofort tot zu Boden fiel. Der Mörder leerte seinem Opfer die Taschen und erbeutete ungefähr 50cll. Vorübergehende fanden den Toten und etwas weiter Pferd und Wagen. Man kann sich die Aufregung vorstellen, die nicht nur die Familie, sondern alle Gemeinden der Umgebung ergriff. Freitag morgen gab eine ungeheuere Menschenmenge dem aus dem Leben so jäh Dahingerafften das letzte Geleit. Er hinterläßt eine Frau mit einer 10jährigen Tochter. Die Witwe sieht ihrer Niederkunft entgegen. Staatsanwalt und Polizei haben sofort alle Schritte unternommen, ein Polizeihund aus Diedenhofen verfolgte die Spur bis in die Nähe der französischen Grenze. Bis jetzt konnte man des Mörders noch nicht habhaft werden, wahrscheinlich ist er nach Frankreich geflüchtet. Hiebei möchten wir nicht unerwähnt lassen, daß die jüdische Gemeinde von Ennery, wo der Verstorbene wohnt, unter dem Eindruck des Schmerzes verabsäumt hat, dem Verstorbenen, der 2 Tage in einer Scheune in Marange lag, Wächter zu stellen, was mir ganz unbegreiflich ist, denn der Vorstand hat doch die Pflicht, sofort an diese Maßregel zu denken. Hoffentlich wird Gott die schwer geprüfte Witwe und Familie trösten. Oberehnheim. Letzte Woche verschied, schwer betrauert von ihrem Gatten und ihren Kindern, Frau Moise Lieber im Alter von 78 Jahren. Sie war eine herzensgute, friedliebende, fromme Frau. Fürih i.D. Die israelitische Realschule hielt am 13. Juli im Saale des „Weißengarten" ihre diesjährige Schlußfeier ab. Diese wurde mit einem von Schülern der 2. bis 4. Klasse gesungenen Lied eingeleitet, das, ebenso wie alle anderen Gesänge und musikalischen Darbietungen, von Herrn Lehrer Vitus Gast einstudiert war und geleitet wurde. Jetzt folgten Deklamationen in deutscher, französischer und englischer Sprache und wechselten mit gesanglichen und musikalischen Produktionen von Schülern aller Realklassen ab. Namens der Absolventen sprach der Schüler Salomon Landau. Er knüpfte an das Dichterwort „Arbeit und Fleiß, das sind die Flügel, die führen über Strom und Hügel" an und hob die Schwierigkeiten hervor, die sich den Schülern beim Streben nach dem Ziele entgegenstellten. Jene würden aber durch die Hilfe des Rektors und der anderen Lehrer leichter überwunden. Er danke diesen deshalb im Aufträge aller Absolventen aufs Herzlichste, verspreche, der Anstalt später nach Möglichkeit Ehre zu machen, und wünsche dieser ein langes Blühen und Gedeihen. Hernach begrüßte Rektor Dr. Fe i l ch e n fe l d die Erschienenen, namentlich die Vertreter von Behörden, und gab einen Rückblick auf die Ereignisse des vergangenen Schuljahres, das ebenso wie das Jahr 1912 auf 1913, ein solches der Erinnerungen gewesen sei, und gedachte der Thronbesteigung des Königs. Einen warmen Nachruf widmete er dem verstorbenen Kuratoriumsmitglied Joseph Neuburger. Nun wandte sich der Redner an die Absolventen. Nach der Überreichung der Abgangszeugnisse richtet der Rektor noch mahnende Worte an die Schüler und stattete den Kollegen für die treue Mitarbeit und dem Kuratorium für die Beschaffung der Mittel seinen 1 Dank ab. Zum Schlüsse hielt noch Herr L. Weis köpf im Namen des Kuratoriums eine Ansprache und dankte den Vertretern der Behörden herzlich für das Erscheinen, dem Rektor und dem Lehrerkollegium für deren Mühe, die Schüler darauf vorzubereiten, später treue Staatsbürger und zugleich treue Anhänger des Judentums zu werden und zu bleiben. Nach Worten der Ermunterung an die Schüler wandte sich Herr Weiskopf an alle Anwese^en und forderte schließlich zu einem Hoch auf den König auf. Damit war die schöne Feier beendigt, die eine ziemlich starke Teilnahme aufzuweisen hatte und bei der das Gemeindekollegium, das Rabbinat, die israelitische Kultusgemeinde und die Bezirksschulinspektion offiziell vertreten waren. Die Israelitische Realschule schloß ihr Schuljahr mit 155 Schülern ab, die Gesamtfrequenz der Schule betrug 158. An der Schule wirkten 9 Lehrer im Hauptamte und 9 Lehrer im Nebenamte. Das Lehrerkollegium hatte einige Änderungen im Laufe des Schuljahres zu verzeichnen. Dr. Heinrich Gebhardt, der Lehrer für Naturwissenschaften, wurde nach 5^jähriger Tätigkeit an die Kreisoberrealschule in Nürnberg berufen. An seine Stelle trat der geprüfte Lehramtkandidat Dr. Paul Walbinger aus Zirndorf, der jedoch schon am 1. Mai die Schule wieder verließ, um in Ludwigshafen eine Stelle anzutreten. Nun ist Dr. Fritz K ü n n e t h aus Erlangen mit der Wahrnehmung dieses Amtes betraut. Einen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.