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Das jüdische Blatt · 1914-07-24 · 30 (24.7.1914) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
30 (24.7.1914)
Date
1914-07-24
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 30. Das jüdische Klatt 7 jüdische Handwerkerfamilien plötzlich vor der Not, zum Wander- und Bettelstab zu greifen. Rumänien. Pogromdrohungen. Der Verband der in Rumänien geborenen Juden hat an das Parlament von neuem eine Eingabe gerichtet, in welcher die Gleichberechtigung für die im Lande geborenen Juden gefordert wird. Auf diesen Schritt der rumänischen Juden antwortet nunmehr der Sekretär der rumänischen Kulturliga, Professor Bogan D u i c a, mit einer in allen rumänischen Zeitungen veröffentlichten, in überaus aufreizendem Tone gehaltenen Kundgebung, worin er erklärt, daß die Judenfrage eine M a ch t f r a g e ist, und droht, daß auf den mindesten Versuch hin, diese Frage im Sinne der rumänischen Juden zu lösen, die rumänische Bevölkerung mit einem Progrom nach russischem Muster antworten würde. Da sich auch die rumänische Regierung gegenüber den Forderungen der rumänischen Juden konsequent ablehnend verhält, so wird befürchtet, daß der begonnene Kampf der rumänischen Juden um die Gleichberechtigung ihnen nicht unerhebliche Gefahren bringen wird. Ferner wird der „N. I. K." aus Bukarest geschrieben: Infolge der zügellosen antisemitischen Agitation kam es in Odobescht vorige Woche zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung. Der Straßenmob plünderte eine Anzahl jüdischer Läden und Wohnungen. Die Polizei schritt ein und verhaftete einzelne Exzedenten. In der rumänischen Kammer brachte der Leiter der judenfeindlichen „Kulturliga", Professor C u z a, diesen Vorfall zur Sprache und interpellierte den Minister des Innern, welche Maßregeln er zu ergreifen gedenke, „um die schädliche Tätigkeit der Juden zu unterdrücken und die judenfreundlichen Polizeibeamten zu bestrafen!" Der Minister erwiderte, er werde eine Untersuchung einleiten und der Kammer über das Ergebnis berichten. Spanien. Dr. Zahuda's Vorlesungen in Madrid. Die von Dr. A. S. Uahuda auf Veranlassung der spanischen Regierung veranstaltete Vortragsreihe ist jetzt zum Abschluß gelangt. Sie waren den Nachkommen der 1492 aus Spanien vertriebenen Juden gewidmet und Haben mit geringen Ausnahmen, die natürlich kirchliche Kreise betreffen, in allen Schichten der Gebildeten ein freundliches Interesse gesunden. Der gelehrte Jesuitenpater Fitu, der die vielgelesene Zeitung A. B. C. herausgibt, gehört sogar zu den eifrigsten Förderern der den Vorlesungen zugrunde liegenden Idee. Die Geschichte der spanischen Zivilisation läßt sich eben nach der Darstellung des Geschichtsprofessors Jaen nicht ohne die Kenntnis der orientalischen Quellen verstehen und unter den letzteren nimmt eben das jüdische Gebiet ein großes Interesse in Anspruch. Für die große Mehrheit der Zuhörerschaft, die den Saal der juristischen Akademie füllte, waren es ganz neue Bilder, die der Berliner Orientalist vom Leben und Wirken jüdischer' Staatsmänner, Dichter und Philosophen entwarf: Chisdai den Chaprut, Minister Abd-al-Rahmans I II. in Cordobas Blütezeit, Samuel ben Nagrela, der zu Granada unter den Verberkönigen Habus und Badis eine ähnliche Rolle spielte, Samuel Halevy, der unter Pedro dem Grausamen Höhen und Tiefen der Fürstenlaune erfuhr, Jsaac Abarbanel endlich, den die katholische Jsabella vergeblich davon abzubringen suchte, das Exil seiner Glaubensgenossen zu teilen. Dann die Poeten und Denker: Jehuda Halevy, Salomon ben Gabirol, Jehuda Alcharisi, Abn Esra, Maimonides, dessen Andenken in Cordoba kürzlich durch eine Straßenbenennung geehrt wurde. Im weiteren Verlauf der Vorträge wurde hervorragender Figuren aus der spanisch-jüdischen Nachkommenschaft gedacht, die ja von spanischen Schriftstellern (Angel Pulido, Rodolfo Gil u. a.) gerne als „nationale Glorien" in Anspruch genommen werden: Maimonides, Spinoza, der Nationalökonom Ricardo, der Taubstummenlehrer Rodrigues Pereira, Lord Beaconsfild, Cramieux, Catulle Mendas, die Luzzattos und Luzzatis, Lombrosos, Mussafia, die englische Schriftstellerin Grace Aguilar und viele andere. Den Familien De Castros, de Barrios, Henriques, Mendes, Da Costa, Fonseca, Furtado und vielen andern sind Männer entsprossen, die auf allen Gebieten des Wissens und der Kunst Bedeutendes geleistet haben. Die spanische Regierung hatte ein ganz besonderes Gewicht gelegt auf die ausführliche Behandlung des gegenwärtigen Standes der Sephardim in Spanisch-Marokko. Um diesen Intentionen zu entsprechen, unternahm Dr. Mhuda eine zweiwöchige Reise nach der spanischen Zone des sogenannten Scherifenreichs, wo ihm überall ein freundlicher Empfang zuteil wurde und wobei auch der praktische Nutzen der Tätigkeit des Berliner Dozenten zutage trat. Er hielt Vorträge in Tanger, denen über 1500 Spanier und Juden beiwohnten, und feine Ausführungen erregten das lebhafteste Interesse. Dasselbe gilt für Dr. Pahudas Vorlesungen in Tetuan. Unter seinen Zuhörern befanden sich hier etwa 300 Offiziere der Okkupationsarmee, alle Konsuln und die spanischen und maurischen Behörden. Er wurde vom Oberbefehlshaber General Marina empfangen, der sich über die Juden der spanischen Zone äußerst günstig aussprach. Von seiner Studienreise brachte Dr. Pahuda eine reichliche Ernte von Daten und Auskünfte mit, die dazu dienten, seine Madrider Vorlesungen in höchst interessanter Weise zu dokumentieren. Er beleuchtete in diesen die sozialen und wirtschaftlichen Zustände der marokkanischen Juden, ihr Schulwesen, ihre Gemeindeeinrichtungen, ihre Sitten, Gebräuche und Traditionen, die sich großenteils mit denen der Einwohner Kastiliens decken. In der spanischen Zone, deren maurische und berberische Einwohner auf einer sehr niedrigen geistigen Stufe stehen, sind die Juden das einzige bodenständige Kulturelement. Handel und Geldwesen sind ganz in ihren Händen. Sie sprechen neben Spanisch die Landesdialekte fließend, so daß ihre Rolle als Vermittler zwischen den Einheimischen und den Spaniern ganz angezeigt ist. Die Mitteilungen Dr. Pahudas über die von ihm beobachteten freundschaftlichen Verhältnisse zwischen der Judenschast und dem spanischen Heer wurden hier mit großer Befriedigung aufge-- nommen. Die spanische Regierung ist übrigens längst davon überzeugt, daß eine wirksame Erschließung Marokkos ohne die Mitarbeit der Sephardim nicht denkbar ist. Von der Presse, wie schon erwähnt, mit ungewöhnlichem Interesse verfolgt, in gebildeten Kreisen .als kulturgeschichtliches Ereignis empfunden, finden die Vorlesungen eine Art Verewigung in der Einrichtung eines „Zentrums für jüdische Studien" in den Nebenräumen der schon vordem dem Kultus entzogenen und unter Denkmalschutz gestellten „Transito-Kirche" (Synagoge) zu Toledo. Dr. Pahuda ist bereits eine Professur an dem Madrider staatlichen „Institut für historische Studien" übertragen worden. In kurzem dürfte er auch einen Lehrstuhl an der Madrider Universität erhalten. Slraßburg. Tie Elf. -Lothr. Agud as Jisroel- I u g e n d g r u p p e hält am Sonntag, den 26. Juli, nach-

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